Was tun, um COPD-Symptome zu verbessern: Tipps von der Physiotherapeutin

Was hilft bei COPD? Physiotherapeutin Angelika von Esebeck setzt auf Hilfe zur Selbsthilfe – mit konkreten Tipps für konsequente Therapie zuhause.

Was kann ich gegen meine COPD tun? Das Credo von Physiotherapeutin Angelika von Esebeck hierzu: Hilfe zur Selbsthilfe. Denn nur konsequente Therapie zuhause hilft, COPD-Symptome zu verbessern. Im Gespräch gibt sie konkrete Tipps für die Alltagsroutine mit der chronischen Atemwegserkrankung.

Das Wichtigste in der Zusammenfassung

  • COPD verstehen: Die Krankheit mit ihren pathophysiologischen Veränderungen verstehen zu lernen, ist ein wichtiger Schritt in der Therapie. Obwohl Betroffene das Gefühl haben, keine Luft zu bekommen, besteht durch Elastizitätsverlust und Überblähung der Lunge ein Problem bei der Ausatmung.
  • Hilfe zur Selbsthilfe: Tägliche Eigeninitiative ist entscheidend, um Symptome zu lindern, die Lebensqualität zu verbessern und unabhängig von Dauerbehandlungen in Physio-Praxen zu werden.
  • Hilfe bei Husten: Bei COPD können Reizhusten und/oder produktiver Husten auftreten. Ein gezieltes Hustenmanagement ist wichtiger Bestandteil der Therapie. Gegen Reizhusten helfen u. a. Atemtechniken wie z. B. der Fausttunnel, bei Husten infolge festsitzendem Schleim kann eine Feuchtinhalation von hypertoner Kochsalzlösung indiziert sein.
  • Sekretmanagement: In 4 Schritten: 1. Sekret fließfähiger machen (z. B. mit Feuchtinhalation und PARI O-PEP), Sekret mobilisieren (Übungen), Sekret transportieren (Autogene Drainage) und am Ende sanftes Eliminieren (Huffing, Abhusten oder Räuspern).
  • Atemnot lindern: Offenhalten der Atemwege und Entblähung mit Lippenbremse oder PEP Systemen sorgen für mehr „Frischluft“ in der Lunge. Die Kombination aus dosierter Belastung und Ausatemtechniken kann Atemnot bei körperlicher Anstrengung reduzieren.

PARI-Blog: Warum setzen Sie bei COPD-Patienten auf Hilfe zur Selbsthilfe statt auf eine dauerhafte Begleitung in der Praxis?

Angelika von Esebeck: Bei der COPD ist es entscheidend, dass die Therapie täglich eigenverantwortlich erfolgt, um Symptome zu lindern und den Krankheitsverlauf zu verlangsamen. Eine Dauerbehandlung ist dazu oft nicht erforderlich und kann von den meisten auf Atemphysiotherapie spezialisierten Praxen aus Kapazitätsgründen auch nicht geleistet werden. Es ist unser Anliegen, auch Menschen mit akuten Atemwegsproblemen sowie neu diagnostizierte Patienten zeitnah therapeutisch zu versorgen.

COPD-Betroffene kommen daher i. d. R zu sechs Behandlungen in unsere Praxis und erlernen in dieser Zeit alle für ihre funktionellen Probleme relevanten therapeutischen Techniken und Maßnahmen. Je nach Schweregrad der Erkrankung erfolgt nach drei bis vier Monaten eine Wiedervorstellung. Die Motivation, selbst etwas für die eigene Gesundheit zu tun, ist von entscheidender Bedeutung.

PARI-Blog: Welche konkreten Inhalte und Techniken vermitteln Sie COPD-Patienten in den Terminen, um sie fit für den Alltag zu machen?

Angelika von Esebeck: Da jeder Patient andere funktionelle Probleme hat, z. B. mehr Husten, Sekret oder Atemnot, passen wir die Therapieziele individuell an. Die zentralen Bausteine sind: Inhalationsschulung, Sekretmanagement, Hustenkontrolle, Umgang mit Atemnot, Entblähung und Zwerchfelltraining.

PARI-Blog: Husten bei COPD: Was raten Sie hier den Patienten?

Angelika von Esebeck: Zunächst finden wir heraus, um welche Art von Husten es sich handelt. Wir unterscheiden zwischen einem produktiven Husten (Schleim ist vorhanden) und einem unproduktiven und trockenen Reizhusten (ohne Sekret).

Reizhusten bei COPD

Reizhusten ist ein lästiges Symptom mit immensen Nebenwirkungen. Daher sollte er so weit wie möglich reduziert werden. Die Hustenrezeptoren im Kehlkopf, in der Luftröhre und in den großen Atemwegen sind gereizt und sollten mit Techniken zur Hustenreizvermeidung wie z. B. dem Atmen gegen einen Fausttunnel beruhigt werden.

Auch unspezifische Maßnahmen wie trinken oder schlucken können den Reiz lindern. Zu beachten ist in diesem Zusammenhang auch die wichtige Funktion der Nasenatmung, damit die Bronchien nicht auskühlen und austrocknen. Es braucht viel Disziplin und Engagement, um ein gewohntes Muster (Husten) zu verändern.

Produktiver Husten bei COPD

Wenn der Husten produktiv ist, d. h. Sekret in der Lunge vorhanden ist, gilt es zwischen effektivem und ineffektivem Husten zu unterscheiden. Manche Betroffene husten über viele Stunden des Tages und eliminieren dabei kaum oder kein Sekret, weil das Sekret noch nicht weit genug „oben“ in den zentralen Atemwegen ist.

Ziel ist, erst dann zu husten, wenn das vorhandene Sekret mit einem Hustenstoß oder der Technik des „Huffings“ aus den Atemwegen hinausbefördert werden kann. Dazu braucht es jedoch eine gute „Vorarbeit“ (Mobilisation und Transport von Sekret), zu der Patienten von uns angeleitet werden. Ständiges Husten sollte vermieden werden.

PARI-Blog: Was können COPD-Patienten gegen viel Schleim in den Bronchien tun?

Angelika von Esebeck: Hier braucht es ein gezieltes Sekretmanagement. Bei sehr festem und peripher in der Lunge sitzendem Sekret geht es zuerst um die Sekretolyse. Mit speziellen Atemtechniken wird das Sekret anschließend mobilisiert und in Richtung der zentralen Atemwege transportiert. Erst am Schluss steht die Sekretelimination.

Schritt 1: Sekretolyse – Schleim fließfähiger machen

Sitzt der Schleim tief und ist zäh, muss er zunächst fließfähiger werden (Sekretolyse). Hierzu nutzen wir zwei Wirkmechanismen. Erstens: Die Osmose. Hierzu kann hypertone Kochsalzlösung mit einem Vernebler inhaliert werden. Wichtig: Die Inhalation mit hypertoner Kochsalzlösung sollte stets mit der behandelten Ärztin oder dem behandelnden Arzt abgeklärt werden. Und es sollte immer ein sauberer trockener Vernebler verwendet werden, in die erst unmittelbar vor der Inhalation eine Einmaldosis Kochsalzlösung eingefüllt wird.

Zweitens: Die Thixotropie. Dafür wird ein oszillierendes PEP-Gerät genutzt, wie z. B. das PARI O-PEP, in dem sich eine Kugel befindet, die sich durch das Hineinatmen auf und ab bewegt. Die Schwingungen der Kugel übertragen sich auf die Bronchien und lockern das Sekret. Der Schleim wird dadurch fließfähiger, ähnlich wie eine zähe Flüssigkeit, die durch Bewegung weicher wird.

Schritt 2: Sekretmobilisation – Schleim von den Bronchialwänden abscheren

Für den zweiten Schritt, die Sekretmobilisation, nutzen wir zum Beispiel die Technik „Pfeil und Bogen“. Das ist eine Kombinationstechnik aus vertieften Atemzügen, Schwerkrafteinwirkung und Thoraxmobilisation in Kombination mit verschiedenen Ausatemwiderständen. Dadurch, dass die Atemwege im Wechsel weit und eng gestellt werden und gleichzeitig gezielte Strömungswiderstände eingesetzt werden, wird das Sekret von den Bronchialwänden abgeschert und mobilisiert. Wenn das Sekret dann fließfähig und „mobil“ ist, geht es über in den Sekrettransport.

Schritt 3: Sekrettransport – Beförderung des Schleims in Richtung Mund

Um das Sekret aus tief gelegenen, kleinen Atemwegen nach zentral in größere Atemwege zu transportieren, kommt die Autogene Drainage zum Einsatz. Mit dieser Atemtechnik wandert der Schleim langsam, behutsam und möglichst ohne Husten in Richtung Ausgang. Diese effektive Atemtechnik schont die Bronchien und kann von den Betroffenen auch unabhängig von therapeutischer Unterstützung täglich angewendet werden.

Schritt 4: Elimination – Schleim aus der Lunge herausbringen

Am Ende steht die Elimination des Sekrets. Der Schleim kann durch kurzes Husten oder schonendere und mit weniger Druck ausgeführte Techniken wie Räuspern oder „Huffing“ aus den Atemwegen herausbefördert werden. Das Sputum anschließend am besten in ein Taschentuch spucken und im Restmüll entsorgen.

Bei welchem der 4 Schritte wir einsteigen, hängt von der individuellen Situation ab. Bei zähem, festsitzendem Schleim starten wir auf jeden Fall mit einer Feuchtinhalation.

PARI-Blog: Welche Rolle spielt die Feuchtinhalation bei COPD?

Angelika von Esebeck: Die Feuchtinhalation mit einem Vernebler wird zur Sekretolyse wie auch zur Medikamentendeposition eingesetzt. Sie dient aber auch der Pflege der Bronchialschleimhaut und unterstützt die bronchiale Reinigung (Mukoziliäre Clearance). Entscheidend ist eine optimale Inhalationstechnik und die konsequente Durchführung der Feuchtinhalation zuhause im Alltag. Bei der Inhalation von isotoner Kochsalzlösung (0,9%) werden die Bronchien befeuchtet, beruhigt und gepflegt, was auch quälenden Reizhusten vorbeugen oder lindern kann. Für die Verflüssigung von Sekret kommen eher hypertone Salzlösung zur Anwendung (3%–6%).

Viele COPD-Patienten inhalieren ausschließlich mit Sprays – meist eine Kombination aus bronchialerweiternden und entzündungshemmenden Medikamenten – obwohl sie auch von einer Feuchtinhalation profitieren würden.

PARI-Blog: Was können Menschen mit COPD gegen Atemnot und Kurzatmigkeit tun?

Angelika von Esebeck: Bei COPD kommt es durch jahrelange chronische Entzündung u. a. zu Elastizitätsverlust des Lungengewebes mit Überblähung der Lunge. Neben der regelmäßigen Einnahme der Medikamente helfen hier vor allem Techniken zur Entblähung der Lunge. Die meisten Patienten haben das Gefühl, sie können nicht einatmen, wenn sie unter Belastung kurzatmig werden.

Fakt ist aber, dass ihre Lunge voll verbrauchter Luft ist. Menschen mit COPD können diese „alte“ Luft nicht ohne weiteres abatmen, weil die Lunge ihre Rückstellkraft verloren hat. Die verbrauchte Luft füllt auch nach Ausatmung dann noch einen Großteil der Lunge und es kann nicht genügend Frischluft eingeatmet werden.

Diesen Zustand nennt man Überblähung und ist einer der Gründe für Atemnot bei Belastung. Darüber klären wir COPD-Patienten auf, damit sie vom Gedanken „Ich kann nicht einatmen“ zu der Erkenntnis kommen: „Ich bin überbläht und muss mich um die Ausatmung kümmern“. Am besten ist es, die Entblähung (PEP-Therapie) schon mit Beginn einer Belastung anzuwenden.

Das trainieren wir in der Praxis in verschiedenen alltäglichen Belastungssituationen. Die Selbstwahrnehmung und Einschätzung der individuellen Belastbarkeit ist dabei unerlässlich und mit Hilfe visueller Analogskalen eingeübt. Die Tempoanpassung bei Belastung ist ein wichtiger Lernprozess. „Schnell mal in den Keller gehen“ geht mit COPD jetzt langsamer. Man kann auch mit COPD leistungsfähig sein und trainieren – nur etwas achtsamer als früher.

Atemtechniken wie die Lippenbremse und verschiedene PEP Systeme sorgen dafür, dass die Atemwege bei der Ausatmung weitgestellt bleiben und sich nicht verengen, wie das bei COPD häufig der Fall ist. Durch die Weitstellung kann mehr Luft ausgeatmet werden.

PEP-Atmung ist bei Belastung wichtig, wird aber auch mit verschiedenen Atemübungen wie der „Pfeil und Bogen“-Übung kombiniert. Diese kann der Patient schon morgens im Liegen im Bett machen oder im Sitzen am Tisch anwenden. In der Kombi-Übung steckt ganz viel drin: Die Lunge wird entbläht, der Brustkorb bewegt, das Sekret mobilisiert. Diese Kombi-Übung ist für jeden Menschen mit COPD sinnvoll.

PARI-Blog: Wie führen Patienten zuhause ein Zwerchfelltraining durch?

Angelika von Esebeck: Die Zwerchfellaktivierung ist aufgrund der Überblähung wichtig. Durch die Überblähung steht das Zwerchfell tief, ist in seiner Kuppelform abgeflacht und kann in dieser ungünstigen Funktionsstellung nicht (gut) arbeiten, sodass eine Bauchatmung nicht möglich ist. Eine mögliche Übung dafür geht wie folgt: Der Patient liegt auf dem Rücken, nutzt ein PEP-System und hat ein Gewichtskissen auf dem Bauch. Bei der Ausatmung wird durch PEP und Gewicht die Ausatmung unterstützt, bei Einatmung das Zwerchfell trainiert. Das Gewicht auf dem Bauch kann individuell zwischen drei bis acht Kilo schwer sein.

PARI-Blog: Liebe Frau von Esebeck, vielen Dank für das interessante Gespräch.


Über Angelika von Esebeck

Angelika von Esebeck arbeitet als niedergelassene Physiotherapeutin in Weßling. Sie ist spezialisiert auf die Behandlung von akuten sowie chronisch-obstruktiven und restriktiven Lungenerkrankungen wie Asthma, Bronchiektasen, COPD, Mukoviszidose (CF) und Primärer Ciliärer Dyskinesie (PCD) und dysfunktionalen Atemstörungen.


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Hinweise: Bei den im Interview getroffenen Aussagen handelt es sich um die individuelle Sichtweise der Interviewten. Diese spiegeln nicht zwangsläufig die PARI Sichtweise oder den allgemeinen Stand der Wissenschaft wider.

Der Inhalt des Beitrags stellt außerdem keine Therapieempfehlung dar. Die Bedürfnisse von Patienten sind individuell sehr verschieden. Vorgestellte Therapieansätze sollen nur als Beispiele dienen. PARI empfiehlt Patienten, sich stets mit ihrem behandelnden Hausarzt oder Facharzt abzusprechen.


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