Ständiges Räuspern und ein Kloß im Hals? Logopädin Andrea Gumberger-Strobl erklärt im Interview Ursachen für Räusperzwang und wie Sie ihn dauerhaft loswerden.

Ein Kloß im Hals, der sich einfach nicht lösen will. Dieses Gefühl kennen viele Menschen. Die natürliche Reaktion darauf ist Räuspern.
Wenn daraus ein ständiger Drang wird, spricht man von Räusperzwang. Dieser kann nicht nur stören, sondern auch ernste Ursachen haben. Die Logopädin Andrea Gumberger-Strobl erklärt im Interview, was dahintersteckt und wie man ständiges Räuspern wegbekommt.
Andrea Gumberger-Strobl: Räuspern ist ein Reflex. Dieser Reflex soll Schleim und Fremdkörper aus dem Rachen entfernen, damit diese nicht in die tiefen Atemwege gelangen. Beim Räuspern passiert folgendes: Die Kehlkopfmuskulatur kontrahiert und die Stimmlippen stoßen aneinander. Die Ausatemluft wird mit hoher Geschwindigkeit durch die geschlossenen Stimmlippen gepresst. Dadurch werden Fremdkörper nach oben befördert.
Von Räusperzwang spricht man, wenn sich jemand ständig, unwillkürlich und gewohnheitsmäßig räuspert. Das ist oft der Fall, wenn permanent das Gefühl besteht, dass sich im Hals etwas befindet. Hält der Räusperzwang über mehrere Wochen hinweg an, sollten Betroffene eine HNO-Praxis aufsuchen.

Andrea Gumberger-Strobl: In meiner Logopädie-Praxis sehe ich häufig Menschen mit Räusperzwang, der aufgrund von Stimmbelastung, Erkältungen, Allergien, Reflux oder Stress und Ängsten auftritt. Manchmal sind auch Reizstoffen die Ursache, denen die Betroffenen vermehrt ausgesetzt sind – wie Staub, Rauch oder trockene Luft. Es kann auch zu Räusperzwang kommen, wenn die Nasenatmung vermindert ist und durch den Mund geatmet wird.
Andrea Gumberger-Strobl: Ja, man sollte aus mehreren Gründen die Ursachen des Räusperzwangs abklären. Erstens können dahinter ernsthafte Erkrankungen stecken. Zweitens empfinden Betroffene den Räusperzwang häufig als störend, weswegen sie etwas dagegen unternehmen möchten. Und drittens ist Räusperzwang ein Fehlverhalten, das einen Teufelskreis auslösen kann.
Häufiges Räuspern kann durch das Aneinanderreiben der Stimmlippen die Schleimhaut schädigen. So können Mikro-Verletzungen und zusätzliche Reizungen der Schleimhaut entstehen. Diese Reizung führt dann zu einer verstärkten Schleimproduktion, was wiederum zu einem erneuten Drang zum Räuspern führen kann. Weitere mögliche Folgeschädigungen des Räusperzwangs sind Heiserkeit bzw. eine Stimmstörung.
Andrea Gumberger-Strobl: Statt zu räuspern ist summen oder kurzes leichtes Husten besser. Beim Summen kann sich der Schleim auf den Stimmlippen bzw. auf der Schleimhaut durch die Vibration lösen und so abtransportiert werden.

Andrea Gumberger-Strobl: Im Fokus steht, die Schleimhäute und Stimmbänder zu pflegen und zu schonen, da häufiges Räuspern den Stimmbändern schadet. Folgendes können Betroffene tun:
Andrea Gumberger-Strobl: Alles, was die Schleimhäute reizt oder austrocknet, kann den Räusperzwang verstärken. Daher sollten Betroffene Folgendes vermeiden:
Andrea Gumberger-Strobl arbeitet seit 2004 in eigener Praxis als Logopädin im Landkreis Erding. Vorher war sie viele Jahre in der Frühförderung in den Landkreisen Landshut und Freising tätig. In ihrer logopädischen Praxis behandelt sie Kinder und Erwachsene mit Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schluckstörungen.
Hinweise: Bei den im Interview getroffenen Aussagen handelt es sich um die individuelle Sichtweise der Interviewten. Diese spiegeln nicht zwangsläufig die PARI Sichtweise oder den allgemeinen Stand der Wissenschaft wider.
Der Inhalt des Beitrags stellt außerdem keine Therapieempfehlung dar. Die Bedürfnisse von Patienten sind individuell sehr verschieden. Vorgestellte Therapieansätze sollen nur als Beispiele dienen. PARI empfiehlt Patienten, sich stets mit ihrem behandelnden Hausarzt oder Facharzt abzusprechen.
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