
Ständig Schleim im Hals, Räusperzwang, eine belegte Stimme oder Hustenreiz können wie einzelne Probleme wirken. Häufig hängen diese Beschwerden jedoch zusammen: Beim postnasalen Drip-Syndrom, auch Upper Airway Cough Syndrome (UACS) genannt, läuft Schleim aus der Nase oder den Nasennebenhöhlen nach hinten in den Rachen. Dort kann er die Schleimhaut reizen und Beschwerden wie Räuspern, Husten, Heiserkeit oder ein Kloßgefühl im Hals auslösen.
In diesem Ratgeber erfahren Sie, welche Ursachen hinter dem postnasalen Schleimfluss stecken, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt, wann eine ärztliche Abklärung sinnvoll ist und welche unterstützenden Maßnahmen helfen können.
Vom Postnasal-Drip-Syndrom (PNDS) spricht man, wenn Schleim aus der Nase oder den Nasennebenhöhlen nach hinten in den Rachen abfließt. Viele Betroffene haben dabei das Gefühl von festsitzendem Schleim zwischen Nase und Rachen, der sich nur schwer schlucken oder abhusten lässt. Dieses unangenehme Schleimgefühl im Übergang von Nasenraum und Rachen gehört zu den typischen Beschwerden und kann zudem eine häufige Ursache für chronischen Husten sein[1].
Wichtig ist: Das Schleimgefühl im Hals entsteht bei PNDS häufig nicht durch Schleim aus den Bronchien. Die Ursache liegt meist in den oberen Atemwegen, also in Nase, Nasennebenhöhlen und Rachen.
Die medizinische Bezeichnung Upper Airway Cough Syndrome (UACS) wird in Fachkreisen zunehmend genutzt. Im alltäglichen Sprachgebrauch ist jedoch weiterhin häufig vom postnasalen Drip-Syndrom oder Postnasal Drip die Rede.
Das postnasale Drip-Syndrom ist kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern ein Beschwerdebild, das durch eine ungewöhnlich starke Schleimproduktion und einen gestörten Sekretabfluss gekennzeichnet ist.

Ständiger Schleim im Hals kann entstehen, wenn Sekret aus der Nase oder den Nasennebenhöhlen nach hinten in den Rachen abläuft. Das hängt meist damit zusammen, dass Sekret nicht ausreichend nach vorne abfließen oder ausgeschneuzt werden kann. Im Rachen wird der Schleim oft als zäh, festsitzend oder störend wahrgenommen. Viele Betroffene versuchen dann, den Hals durch Räuspern, Schlucken oder Husten freizubekommen.
Typisch für ein postnasales Drip-Syndrom ist, dass mehrere Beschwerden gleichzeitig auftreten: Schleim im Hals, Räusperzwang, Hustenreiz, Heiserkeit, ein Kloßgefühl im Hals oder nächtlicher Husten. Dieser Zusammenhang ist für viele Betroffene der entscheidende Hinweis, dass nicht nur der Hals selbst betroffen ist, sondern auch Nase und Nasennebenhöhlen eine Rolle spielen können.
Auch wenn einem postnasalen Drip-Syndrom ein akuter Infekt der oberen Atemwege vorausgehen kann, tritt zäher Schleim im Hals nicht nur bei einer Erkältung auf. Besteht Schleim im Hals ohne Erkältung, stecken häufig andere Ursachen dahinter. Dazu zählen zum Beispiel Allergien, eine chronische Rhinosinusitis, trockene oder gereizte Schleimhäute oder Reflux. Für die Einordnung ist wichtig, welche Beschwerden zusätzlich auftreten. Hinweise können eine verstopfte Nase, Druckgefühl in den Nebenhöhlen, Räusperzwang, Hustenreiz, Heiserkeit oder Beschwerden im Liegen sein.
Ein postnasales Drip-Syndrom kann verschiedene Auslöser haben. Zu den häufigsten zählen:
Wichtig zu wissen: Die vermehrte Schleimbildung ist nicht die eigentliche Ursache, sondern ein Symptom. Unsere Atemwege – von der Nase über den Rachen bis zum fein verzweigten Bronchialsystem – sind mit einer Schleimhaut ausgekleidet. Dort läuft ein Selbstreinigungsprogramm ab, die sogenannte mukoziliäre Clearance.
Dieser Schleim ist grundsätzlich nützlich: Er bindet Fremdstoffe wie Staub, Viren oder Allergene und transportiert sie mithilfe der Flimmerhärchen und des Hustenreflexes nach außen. Bei einer akuten oder chronischen Entzündung kommt es jedoch dazu, dass die Schleimdrüsen übermäßig viel Sekret produzieren.
Viele Betroffene beschreiben das Gefühl, als säße Schleim zwischen Nase und Rachen fest. Beim postnasalen Drip-Syndrom läuft Sekret aus der Nase oder den Nasennebenhöhlen nach hinten in Richtung Rachen. Dort kann es den Hals reizen, häufiges Schlucken auslösen und zu Räusperzwang, belegter Stimme oder Hustenreiz führen.
Der Unterschied zu Schleim aus den unteren Atemwegen ist wichtig: Bei PNDS sitzt die Ursache häufig oberhalb des Halses. Der Schleim wird zwar im Hals gespürt, entsteht aber oft in Nase oder Nasennebenhöhlen.
Das postnasale Drip-Syndrom kann eine Reihe von Beschwerden verursachen. Typische Anzeichen sind:
Diese Symptome treten oft in Kombination auf und können über Wochen oder Monate bestehen bleiben. Genau diese Kombination aus Schleimgefühl, Räuspern, Hustenreiz und belegter Stimme kann ein Hinweis darauf sein, dass Sekret aus Nase oder Nasennebenhöhlen nach hinten in den Rachen läuft. Leitlinien weisen darauf hin, dass das postnasale Drip-Syndrom eine häufige Ursache für chronischen Husten ist [1].
Ein postnasales Drip-Syndrom ist meist nicht gefährlich, sollte aber bei anhaltenden oder starken Beschwerden abgeklärt werden. Mögliche Folgeprobleme sind:

Der Etagenwechsel bezeichnet das „Hinabsteigen“ einer Erkrankung der oberen Atemwege (wie Nase, Nasennebenhöhlen oder Hals-/Rachenraum) in die unteren Atemwege (Bronchien).
Die Atemwege bilden eine funktionale Einheit. Deshalb kann es im Verlauf einer Erkältung oder Sinusitis vorkommen, dass sich die Infektion von den oberen in die unteren Atemwege ausbreitet – insbesondere, wenn die lokale Abwehr geschwächt ist. So entsteht aus einem Schnupfen manchmal eine Bronchitis bzw. ein sinubronchiales Syndrom.
Unterstützende Maßnahmen wie Nasenduschen oder eine gezielte Inhalation mit Kochsalzlösungen können helfen, die Schleimhäute zu reinigen und den natürlichen Selbstreinigungsmechanismus (mukoziliäre Clearance) zu fördern.
Eine Inhalationslösung mit Ectoin (z. B. MucoClear® Protect) kann ergänzend sinnvoll sein, da sie die Schleimhautbarriere stabilisieren und so Reizungen reduzieren kann.
Ein Etagenwechsel bedeutet also, dass Beschwerden der oberen Atemwege mit Beschwerden der unteren Atemwege zusammenhängen können. Eine rechtzeitige Abklärung und geeignete unterstützende Maßnahmen können helfen, Beschwerden zu lindern und mögliche Folgeprobleme zu reduzieren.
Zunächst steht die Anamnese im Mittelpunkt: Ärzte fragen nach den typischen Beschwerden wie Schleim im Hals, Husten oder Räusperzwang sowie nach deren Dauer und möglichen Auslösern. Anschließend erfolgt eine Untersuchung von Nase, Rachen und Kehlkopf, um entzündete Schleimhäute oder anatomische Besonderheiten zu erkennen.
Bei Verdacht auf eine chronische Rhinosinusitis wird oft eine Nasenendoskopie durchgeführt. Eine Computertomographie (CT) kommt nur in besonderen Fällen zum Einsatz, etwa vor einer Operation oder bei unklaren Befunden. Ergänzend können Allergietests sinnvoll sein, wenn eine allergische Ursache vermutet wird.
Hinweis: Eine gesicherte Diagnose kann nur eine Ärztin oder ein Arzt stellen.
Die Behandlung des postnasalen Drip-Syndroms richtet sich nach der Ursache. Je nachdem, ob zum Beispiel eine Allergie, eine chronische Rhinosinusitis, ein Infekt, gereizte Schleimhäute oder Reflux beteiligt sind, können unterschiedliche Maßnahmen sinnvoll sein. Zusätzlich können unterstützende Maßnahmen helfen, Schleimhäute zu befeuchten, zähes Sekret zu lösen und Beschwerden wie Schleimgefühl, Räusperzwang oder Hustenreiz zu lindern.
Mehr Tipps erhalten Sie in unserem Experten-Beitrag „Schleim im Hals lösen“ mit Logopädin Andrea Gumberger Strobl.
Eine Inhalation mit einem geeigneten Gerät kann beim postnasalen Drip-Syndrom unterstützend sinnvoll sein, wenn zäher Schleim gelöst, Schleimhäute befeuchtet oder ärztlich verordnete Wirkstoffe inhaliert werden sollen. Welcher Zielbereich relevant ist, hängt davon ab, ob vor allem Nase und Nasennebenhöhlen, Hals und Rachen oder zusätzlich die unteren Atemwege betroffen sind.
Dabei lassen sich zwei Ansätze unterscheiden:
Wichtig: Die Inhalation ersetzt nicht die ärztlich verordnete Therapie, sie kann diese aber sinnvoll ergänzen. Bitte beachten Sie stets die Gebrauchsanweisung des Gerätes und folgen Sie den Empfehlungen Ihrer Ärztin oder Ihres Arztes.
Beim postnasalen Drip-Syndrom steht im Vordergrund, zähen Schleim zu verflüssigen und den Abtransport zu erleichtern.
Hypertone Kochsalzlösungen (z. B. 3 % Natriumchlorid) wirken dabei besonders effektiv, weil sie durch ihren höheren Salzgehalt Flüssigkeit aus der Schleimhaut ziehen. Dadurch wird das Sekret dünnflüssiger und lässt sich leichter abtransportieren.
Ein Beispiel ist MucoClear 3 %, eine sterile Kochsalzlösung zur Inhalation. Bei leichteren Beschwerden oder empfindlichen Schleimhäuten können auch isotone Kochsalzlösungen (0,9 %) sinnvoll sein.
Bei gereizten Schleimhäuten kann auch eine Inhalationslösung mit Ectoin ergänzend infrage kommen. Ectoin kann dazu beitragen, die Schleimhautbarriere zu unterstützen und Reizungen zu reduzieren.
Eine medikamentöse Therapie sollte ausschließlich in Abstimmung mit Ihrem Arzt erfolgen. In der Regel hängt die Wahl des Wirkstoffs von der Ursache des postnasalen Drip-Syndroms ab. Folgende Medikamente werden üblicherweise eingesetzt:
Die Dauer hängt von der Ursache ab. Nach einem Infekt können die Beschwerden einige Tage bis Wochen anhalten. Bleiben die Symptome über Wochen bis Monate bestehen, so liegt meist eine chronische Ursache wie Allergien oder eine chronische Rhinosinusitis vor. Diese sollte ärztlich abgeklärt werden.
Nein – das Syndrom selbst ist nicht ansteckend. Es beschreibt nur den Schleimabfluss aus Nase oder Nebenhöhlen. Ist der Auslöser eine akute virale Infektion, dann sind die zugrundeliegenden Viren während der Akutphase ansteckend.
[2] Little P et al. (2016). “Effectiveness of steam inhalation and nasal irrigation for chronic or recurrent sinus symptoms in primary care: a pragmatic randomized controlled trial.” CMAJ. 188 (13): 940–949. doi:10.1503/cmaj.160362.
[3] Scarborough, A., Scarborough, O., Abdi, H., & Atkins, J. (2020). Steam inhalation: More harm than good? Perspective from a UK burns centre. Burns, 46(8), 1891–1892.
[4] Lonie S et al. (2016). “Steam vaporizers: A danger for paediatric burns.” Burns. 42 (8): 1850–1853. doi:10.1016/j.burns.2016.05.009.
[5] Möller W, Schuschnig U, Bartenstein P, Meyer G, Häussinger K, Schmid O, Becker S (2014). "Drug delivery to paranasal sinuses using pulsating aerosols". Journal of Aerosol Medicine and Pulmonary Drug Delivery. 27 (4): 255–263. doi: 10.1089/jamp.2013.1071.
Hinweis: Der Inhalt des Beitrags stellt keine Therapieempfehlung dar. Die Bedürfnisse von Patienten sind individuell sehr verschieden. Vorgestellte Therapieansätze sollen nur als Beispiele dienen. PARI empfiehlt Patienten, sich stets mit ihrem behandelnden Hausarzt oder Facharzt abzusprechen.
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