Tabea Kropp hat 2025 die Lizenz zur Übungsleiterin für Lungensport erhalten. Im Interview erzählt sie von ihrer Motivation, von der Ausbildung und ihrer eigenen Lungensportgruppe.

Lungensport und Bewegungstherapie sind neben der medikamentösen Behandlung ein wichtiger Baustein in der Therapie chronischer Erkrankungen der Atemwege wie COPD, Asthma oder Mukoviszidose. Die Arbeitsgemeinschaft Lungensport in Deutschland e. V. setzt sich dafür ein, Patientinnen und Patienten mit Atemwegserkrankungen bundesweit eine umfassende wohnortnahe Versorgung zu ermöglichen. Dazu gehört unter anderem auch die Ausbildung qualifizierter Lungensporttrainerinnen und -trainer.
Eine davon ist Tabea Kropp. Sie hat 2025 die Lizenz zur Übungsleiterin für Lungensport erhalten. Im Interview erzählt sie von ihrer Motivation, von der Ausbildung und ihrer eigenen Lungensportgruppe.

Tabea Kropp: Meine Motivation für die Fortbildung zur Übungsleiterin für Lungensport hat sich aus mehreren persönlichen und beruflichen Erfahrungen entwickelt. Durch meinen Vater, der an COPD erkrankt ist, habe ich früh gesehen, wie wichtig Bewegung ist, gerade dann, wenn sie nicht mehr selbstverständlich funktioniert. Gleichzeitig leite ich selbst viele Sportgruppen mit gesunden, fitten Menschen im Verein und erlebe dort jeden Tag, wie positiv Bewegung wirken kann.
Der eigentliche Auslöser kam aber eher zufällig: 2024 war jemand aus einem Pharmaunternehmen in unserer Praxis und erwähnte, dass dringend Lungensporttrainer gesucht werden. Eine unserer Ärztinnen meinte daraufhin spontan: „Wir haben doch eine Sport-MFA, das wäre doch was für sie.“ Und in dem Moment habe ich mir gedacht: Warum eigentlich nicht? Warum nicht etwas machen, das näher an der inneren Medizin liegt und gleichzeitig meinen sportlichen Hintergrund nutzt? Dieser Gedanke ist dann in mir gereift.
Ich habe mich schließlich angemeldet, direkt einen Platz bekommen, was nicht selbstverständlich ist, und gemerkt: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt. Auch die Erkrankung meines Vaters hat mich darin bestärkt. Ich habe ihm schon oft Tipps gegeben, wie er sich fitter halten kann, auch wenn das in der Familie nicht immer so gut aufgenommen wird. Am Ende steht etwas ganz Grundlegendes hinter meiner Motivation. Ich habe Spaß an Bewegung. Und ich habe Freude daran, anderen Menschen zu vermitteln, wie wichtig es ist, in Bewegung zu bleiben – gerade bei einer Lungenerkrankung.
Tabea Kropp: Ich habe im Breitensport schon viele Fortbildungen gemacht. Diese wurden mir für die Grundausbildung zum Teil anerkannt und ich konnte hier etwas verkürzen. Diese Grundausbildung, die sogenannte C-Lizenz, muss man zuerst absolvieren, bevor dann die Profilausbildung für den Reha-Sport folgt. Hier gibt es verschiedene Spezialisierungen wie Orthopädie, Neurologie oder wie in meinem Fall Innere Medizin.
Diese Profilausbildung zur Übungsleiterin im Reha-Sport selbst findet an drei Wochenenden statt, jeweils der ganze Samstag und der ganze Sonntag. Das entspricht insgesamt 102 Lerneinheiten. Die Ausbildung wird bundesweit von den entsprechenden Behinderten- und Reha-Sportverbänden angeboten. In meinem Fall war das der Hessische Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband e. V.
Nachdem ich den Schein hatte, habe ich mich dann für den Lungensport entschieden. Denn bei uns in Mittelhessen gibt es nur wenige Angebote für Lungensportgruppen. Mit der Spezialisierung Innere Medizin hätte ich aber auch z. B. eine Herzsport-, eine Diabetes- oder eine Gefäßerkrankungsgruppe gründen können.
Tabea Kropp: Ursprünglich habe ich in der Kinderkardiologie im Kinderherzzentrum des UKGM in Gießen gelernt und dort auch viele Kinder mit Lungenerkrankungen betreut. Der Umgang mit Betroffenen war für mich also kein Neuland. Durch meinen Hauptberuf als medizinische Fachangestellte bekomme ich täglich einen sehr direkten Einblick, wie es Menschen mit chronischen Erkrankungen geht, welche Einschränkungen sie erleben und wie wichtig es ist, ihnen Wege aufzuzeigen, aktiv etwas für ihre Lebensqualität zu tun.
Besonders geprägt hat mich der Kontakt mit Menschen, die an COPD, Asthma – egal ob allergisch oder chronisch – oder anderen Lungenerkrankungen leiden. Diese Menschen haben oft schlicht wenig Luft zum Atmen. Das macht vieles im Alltag anstrengend. Genau das, auch bei meinem Vater, mitzuerleben, weckt in mir immer wieder den starken Wunsch, ihnen Motivation mitzugeben: „Tu etwas für dich – dann bekommst du wieder mehr Luft und kannst deinen Alltag besser bewältigen.“
Diese Erfahrung war für mich ein entscheidender Antrieb, die Ausbildung zur Reha‑Lungensporttrainerin zu machen. Interessanterweise habe ich inzwischen sogar viele Patientinnen und Patienten aus unserer Praxis, die davon gehört haben und in meine Gruppen kommen. Man merkt ihnen an, wie gut ihnen das Training tut – das bestärkt mich sehr.

Tabea Kropp: In der Ausbildung wurde viel Wert auf die Bedeutung von Kraft und Ausdauer gelegt. Es sollte beim Lungensport nicht darum gehen, große oder komplizierte Trainingsprogramme umzusetzen. Vielmehr sollte man den Teilnehmenden zeigen, wie leicht sich Ausdauer und Kraft im Alltag steigern lassen: z. B. durch etwas längere Wegstrecken oder durch kleine Kräftigungsübungen mit einer einfachen Wasserflasche als „Hantel“. Dieses Verständnis dafür, wie unkompliziert man das Kraft‑Ausdauer‑Verhältnis verbessern kann, fand ich besonders wertvoll.
Auch der Hintergrund dazu hat mich sehr angesprochen: Wenn die Durchblutung gefördert wird, geht es uns insgesamt besser. Der Sauerstoff wird effizienter transportiert und wir spüren einfach mehr Luft zum Atmen. Genau das versuche ich auch meinen Teilnehmenden mitzugeben, indem ich sie motiviere, wirklich an ihre Grenzen zu gehen – und auch mal ein Stück darüber hinaus. Wenn es nicht weitergeht, machen wir eine Pause. Aber wichtig ist, dass sie erleben, was in ihnen steckt.
Meine persönliche Lieblingsübung – oder eigentlich mein Lieblingsgerät – ist das Theraband. Es ist unglaublich vielseitig einsetzbar: für Atemübungen, für Kräftigungsübungen, für sanfte wie für anspruchsvollere Bewegungen. Manche mögen es nicht sofort, weil es ein Gummiband ist, das auseinandergezogen werden muss. Aber da es verschiedene Stärken gibt, findet jeder das passende Niveau. Ich arbeite sehr gern damit – tatsächlich habe ich es erst gestern wieder in der Lungensportgruppe eingesetzt.

Tabea Kropp: Ich musste neben der erworbenen Lizenz und meiner Teilnahmebescheinigung der Ausbildung Innere Medizin, einen Ehrenkodex sowie eine Bestätigung meines Vereins, dass ich dort bereits als Übungsleiterin tätig bin, beim Hessischen Behinderten- und Reha-Sportverband einreichen. Die Bestätigung des Vereins ist wichtig, da die Lungensportgruppe an einen Sportverein angegliedert sein muss.
Der Verband hat meinen Antrag und den Bedarf in meiner Region geprüft. Da es in Mittelhessen nur wenig vergleichbare Angebote gibt, wurde mir die Genehmigung erteilt und der Verband hat meine Lungensportgruppe zertifiziert.
Eine wichtige Voraussetzung ist außerdem, dass der Raum, in dem die Lungensportgruppe angeboten wird, barrierefrei zugänglich ist. Normalerweise werden diese Gruppen in Sporthallen mit passendem Equipment angeboten. Da bei mir vor Ort keine passenden Hallenzeiten verfügbar waren, bieten der Sportverein und ich das im Dorfgemeinschaftshaus an. Denn das ist barrierefrei. Ich bringe selbst passende Kleingeräte wie die Therabänder mit und greife sonst auf das vorhandene Inventar zurück, z.B. für Stuhlgymnastik.
Für die Teilnahme an der Lungensportgruppe ist eine Verordnung des Arztes Voraussetzung. Diese Verordnung muss außerdem von der jeweiligen Krankenkasse genehmigt werden. Erst wenn die Genehmigung erteilt ist, darf die Person an der Reha-Sportgruppe teilnehmen.
Tabea Kropp: In meiner Gruppe lege ich Wert darauf, den Teilnehmenden verschiedene Atemtechniken zu vermitteln. Viele wissen gar nicht, welche Möglichkeiten sie haben, wenn im Alltag die Luft knapp wird – sei es beim Treppensteigen oder wenn sie einen kleinen Anstieg hochgehen. Deshalb zeige ich ihnen, wie sie sich in solchen Situationen verhalten können und wie sie durch bewusste Atemführung wieder besser Luft bekommen.
Ich trainiere z. B. die Zwerchfellatmung mit meiner Gruppe, so dass beim Atmen mehr Lungenvolumen genutzt wird. Außerdem übe ich gemeinsam mit den Teilnehmenden Techniken wie die Lippenbremse, Huffing und atemerleichternde Körperhaltungen wie den Kutschersitz. Gerade für Menschen mit COPD ist außerdem das verlängerte Ausatmen entscheidend. Denn nur wenn die eingeatmete Luft wieder vollständig entweichen kann, ist beim nächsten Atemzug ausreichend Platz vorhanden.
Neben den Atemtechniken spielen auch die allgemeine Fitness und die individuelle Ausdauer eine wichtige Rolle. Ziel ist es, die Teilnehmenden im Alltag zu stärken: kleinere Strecken zu Fuß zu gehen, die Treppe zu nehmen oder zuhause 20 Minuten am Stück staubsaugen zu können. Für Menschen, die sehr schnell außer Atem geraten, sind solche alltäglichen Tätigkeiten oft große Herausforderungen. Hier möchte ich ihnen Sicherheit geben und kleine Fortschritte ermöglichen, die ihre Lebensqualität spürbar verbessern.

Tabea Kropp: Ich versuche vor allem, Mut zu machen: Viele Betroffene trauen sich nicht, weil sie das Gefühl haben, ihnen fehle die Luft für Bewegung. Dabei entsteht genau hier ein positiver Kreislauf. Sobald man anfängt, sich ein kleines bisschen mehr zu bewegen, wird das Herz‑Kreislauf‑System stärker gefordert, transportiert mehr Sauerstoff und versorgt die Zellen besser. Und genau dadurch gewinnt man wieder mehr Luft.
Wichtig ist dabei, klein zu starten. Es muss nicht gleich ein langer Spaziergang sein. Fünf Minuten den Berg hinunter und wieder hinauf oder kleine Alltagswege bewusst zu nutzen, reichen völlig. Entscheidend ist, überhaupt anzufangen und sich in kleinen Schritten zu steigern. Ebenso wichtig ist Dranbleiben. Eine Reha‑Gymnastikstunde pro Woche reichen nicht, wenn zu Hause gar nichts passiert. Die kleinen Bewegungsimpulse im Alltag machen am Ende den Unterschied.
Mein Ansatz ist deshalb: einfach loslegen, ganz behutsam beginnen, sich langsam steigern – und kontinuierlich weitermachen. Jede noch so kleine Bewegung zählt und kann helfen, Hemmschwellen abzubauen und wieder Vertrauen in den eigenen Körper zu gewinnen. Jede Bewegung ist besser als keine Bewegung!
Tabea Kropp: Da empfehle ich, die Wartezeit aktiv zu nutzen. Auf YouTube gibt es passende Übungen für daheim von der Atemwegsliga. Über die Lungensport AG gibt es kostenlose Online-Lungensportstunden, an denen man von zu Hause aus teilnehmen kann. Das hilft, in Bewegung zu bleiben bzw. zu kommen, bis ein Platz in einer Gruppe vor Ort frei wird.
Denn es muss nicht gleich das Fitnessstudio sein – kleine, behutsame Einheiten reichen völlig. Wenn man nicht nur Probleme mit den Atemwegen, sondern z. B. auch im orthopädischen Bereich hat, kann man auch erst einmal mit orthopädischem Reha‑Sport starten.
Wichtig ist außerdem, am Ball zu bleiben und sich bei verschiedenen Anbietern immer wieder in Erinnerung zu rufen. Zwar ist es meine Verantwortung, Personen auf der Warteliste Bescheid zu geben, sobald ein Platz in meiner Lungensportgruppe frei wird. Aber es schadet nie, selbst zwischendurch erneut nachzufragen.
Und ich kann es nicht oft genug betonen: Bewegung im Alltag. Es kann helfen, Angehörige einzubeziehen und gemeinsam spazieren zu gehen. Wenn 100 Meter eine halbe Stunde dauern, ist das völlig in Ordnung – entscheidend ist, dass man etwas tut und es gemeinsam angeht.
Tabea Kropp arbeitet seit 2002 als medizinische Fachangestellte. Aktuell ist sie in einer allgemeinärztlich-internistischen Gemeinschaftspraxis in Hüttenberg tätig. Daneben hat sie mehr als zehn Jahre Erfahrung als Übungsleiterin verschiedener Sportgruppen. 2025 hat sie die Fortbildung zur Übungsleiterin für Reha-Sport mit Schwerpunkt Innere Medizin absolviert. Seitdem leitet sie eine Lungensport-Gruppe in ihrem Heimatort.
Hinweise: Bei den im Interview getroffenen Aussagen handelt es sich um die individuelle Sichtweise der Interviewten. Diese spiegeln nicht zwangsläufig die PARI Sichtweise oder den allgemeinen Stand der Wissenschaft wider.
Der Inhalt des Beitrags stellt außerdem keine Therapieempfehlung dar. Die Bedürfnisse von Patienten sind individuell sehr verschieden. Vorgestellte Therapieansätze sollen nur als Beispiele dienen. PARI empfiehlt Patienten, sich stets mit ihrem behandelnden Hausarzt oder Facharzt abzusprechen.
Wie bewerten Sie diesen Artikel?
Melden Sie sich jetzt zur PARI Atemwegs-Post an mit wertvollen, hilfreichen Informationen rund um das Thema Atemwegs-Gesundheit. Sie erhalten die PARI Atemwegs-Post in der Regel einmal im Monat.