Atemphysiotherapie hilft Babys bei Schnupfen, Husten & Infekten. Expertin Marlies Ziegler erklärt, wie Eltern die Atmung ihres Kindes unterstützen können.

Wenn Babys unter Schnupfen, Husten oder wiederkehrenden Atemwegsinfekten leiden, sind Eltern oft verunsichert und schnell an ihren Grenzen. In solchen Situationen kann Atemphysiotherapie eine wertvolle Unterstützung sein. Sie erleichtert nicht nur die Atmung, sondern stärkt auch das gesamte Atemsystem. Im Gespräch erklärt die erfahrene Atemphysiotherapeutin Marlies Ziegler, wie Eltern ihrem Baby bei Atemwegsproblemen helfen können.
„Atemphysiotherapie mit Babys ist immer dann sinnvoll, wenn es ein langanhaltendes oder akut kritisches Problem mit der Atmung gibt. Das gilt sowohl für Beschwerden der Bronchien als auch für Einschränkungen der Nasenatmung. In unsere Praxis kommen daher sowohl Babys mit chronischen als auch akuten Atemwegserkrankungen.“
Marlies Ziegler
Atemphysiotherapeutin
Zu den chronischen Atemwegserkrankungen zählt zum Beispiel die Mukoviszidose. Wenn diese Diagnose über das Neugeborenen-Screening gestellt wird, startet die Atemphysiotherapie praktisch sofort. Auch wenn es inzwischen die Modulatoren-Therapien gibt, geht es darum, die Familien früh zu begleiten und die Basistherapie zu schulen. Daneben behandeln wir Säuglinge mit Asthma-Verdacht, Primärer Ciliärer Dyskinesie und chronischer Bronchitis und schulen deren Eltern.
Auch bei Frühgeborenen kann Atemphysiotherapie notwendig sein, weil deren Lunge manchmal noch nicht reif genug ist und Unterstützung braucht. Wir bekommen außerdem Babys mit Herzfehlern überwiesen. Je nach Art des Herzfehlers beeinflusst das Herz-Lungen-System die Sauerstoffsättigung und die Atemfrequenz. Da helfen wir über Atemphysiotherapie, die Belastbarkeit zu verbessern.
Und dann gibt es noch Babys, die mit wiederkehrenden Infekten zu kämpfen haben oder mit einer akuten Bronchitis schlecht zurechtkommen. Wir behandeln die Babys in der Praxis und leiten die Eltern an, damit diese auch zuhause manche Atemphysiotherapieübungen mit den Säuglingen durchführen können.
Es ist sinnvoll, dass Eltern zunächst einmal von Physiotherapeutin oder Physiotherapeuten angeleitet werden und gezeigt bekommen, wie die Atemtherapieübungen genau gehen. Was generell gut zu Hause funktioniert, sind:

Das Prinzip der Lagewechsel besteht darin, dass Eltern ihr Kind in verschiedene Positionen bringen. Durch diese Lagewechsel verändert sich das Verhältnis von Durchblutung und Belüftung in der Lunge. Das kann Sekret lösen und erleichtert die Atmung. Wichtig ist, gemeinsam mit den Eltern zu schauen: Was funktioniert beim eigenen Kind? Wo fühlt sich das Baby wohl? Akzeptiert es den Lagewechsel besser auf dem Wickeltisch, im Bett, auf dem Sofa oder auf dem Schoß?
Folgende Lagewechsel können Eltern mit ihrem Baby durchführen:
Jede Lagerung sollte ein paar Minuten gehalten werden, solange sich das Kind wohlfühlt. Danach erfolgt ein Wechsel. Am einfachsten ist es, wenn Sie als Eltern mit der Rückenlage beginnen, weil Sie hier Blickkontakt zum Kind halten können. Dann bewegen Sie das Baby in die nächste Lage. Hilfreich ist, wenn Eltern während der Lagewechsel mit ihrem Baby sprechen oder etwas vorsingen. Das schafft Nähe, Vertrauen und Sicherheit. Sie können auch Spielzeug und Kuscheltiere nutzen, um das Baby abzulenken.
Eltern können Lagewechsel mit sanften Gewebstechniken kombinieren. Gewebstechniken senken den Gewebswiderstand, der bei Atemproblemen durchaus erhöht sein kann. Die Atmung wird entspannt, was die Schleimlösung positiv unterstützt.
Gewebstechniken und Griffe, die Eltern gut erlernen können, sind:
Die Feuchtinhalation mit einem Vernebler spielt vor allem dann eine Rolle, wenn Babys mit viel Schleim zu kämpfen haben – wie bei Husten und Schnupfen.
Nasenspülungen können bei Säuglingen helfen, festsitzenden Schleim aus der Nase zu lösen und die Nasenatmung zu erleichtern. Dafür wird eine isotonische Kochsalzlösung mit einer Spritze und weichem Silikonaufsatz verwendet. Das Baby liegt seitlich oder auf dem Rücken mit zur Seite gedrehtem Kopf. Die Lösung wird vorsichtig in das obere Nasenloch gespült und läuft über das untere wieder heraus.
Austretendes Sekret kann mit einem Tuch aufgenommen werden. Nach der Spülung sollte durch sanftes Zusammendrücken von Unter- und Oberkiefer die Ausatmung über die Nase in Form eines reflexartigen Ausschnaubens ausgelöst werden. Zusätzlich wird das Schlucken von Sekret, das in den Racen gelangt ist, angeregt. Anschließend erfolgt der Seitenwechsel.
Auch nach der Spülung des anderen Nasenlochs den Unterkiefer sanft gegen den Oberkiefer drücken, um denselben Vorgang wie oben beschrieben auszulösen. Eine Nasenspülung ist für Babys nicht unbedingt angenehm, aber sehr effektiv.
Nicht jedes Baby toleriert eine Nasenspülung gut. In diesem Fall kann eine Feuchtinhalation über einen Vernebler mit Maske eine sanftere Alternative sein, um die Nasenschleimhäute zu befeuchten und Schleim zu lösen.
Feuchtinhalation mit einem Vernebler spielt in der Atemphysiotherapie von Babys eine große Rolle, besonders wenn Sekret im Spiel ist oder Husten lange Zeit anhält. Dann empfehlen wir fast immer Feuchtinhalation und probieren in der Praxis aus, was dem Kind hilft. Je nach Beschaffenheit des Sekrets kommt auch hypertone Salzlösung, z. B. 3 %, zum Einsatz. Die meisten Babys vertragen das gut. Bei empfindlichen Atemwegen nutzen wir oft Lösungen mit Ectoin wie z. B. PARI Protect, das einen stabilisierenden Schutzfilm auf der Schleimhaut bildet und die Atemwege schützt.
Wenn Kinder eine chronische Atemwegserkrankung oder sehr häufig akute Atemwegsinfekte haben, verordnen in der Regel Kinderärztinnen und Kinderärzte ein Inhalationsgerät. Egal, ob ein Gerät verordnet wird oder Eltern privat ein Inhaliergerät und Zubehör kaufen, sollten sie auf folgende Kriterien achten:
Entscheidend ist: Alle Vernebler-Teile müssen nach der Reinigung und Desinfektion gut trocknen, bevor diese für eine Inhalation eingesetzt werden. Damit vermeiden Eltern, dass sich evtl. feuchtigkeitsliebende Keime am Vernebler befinden.
Atemphysiotherapie bewirkt, dass Babys mit Atemwegsinfekten in der Regel damit schneller und besser klarkommen. Sie leiden weniger unter den Symptomen. Durch die Techniken wird das gesamte Atmungssystem positiv unterstützt:
Dieser Beitrag ist in Zusammenarbeit mit Marlies Ziegler entstanden. Sie arbeitet als niedergelassene Physiotherapeutin in München. Ihr Schwerpunkt liegt auf Atemphysiotherapie. Seit über 20 Jahren behandelt sie Patienten mit chronischen obstruktiven und restriktiven Atemwegserkrankungen wie Asthma, COPD, Mukoviszidose (CF) und Primärer Ciliärer Dyskinesie (PCD).
Hinweis: Der Inhalt des Beitrags stellt keine Therapieempfehlung dar. Die Bedürfnisse von Patienten sind individuell sehr verschieden. Vorgestellte Therapieansätze sollen nur als Beispiele dienen. PARI empfiehlt Patienten, sich stets mit ihrem behandelnden Hausarzt oder Facharzt abzusprechen.
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