Erfahrungen & Tipps von Susann Wolf, einer Mutter von Kindern mit Asthma, zu Reiseplanung, Vorbereitung und was ins Gepäck kommt.

Susann Wolf reist mit ihrem Mann und den zwei Söhnen, die beide an Asthma erkrankt sind, dreimal im Jahr in den Urlaub. Im Interview erzählt sie, warum regelmäßiger Urlaub für die Familie so wichtig ist, worauf sie bei der Reiseplanung achtet, welche Medikamente und Geräte sie mitnimmt und warum eine gute Vorbereitung für sie das A und O ist.
Susann: Ja, wir fahren meist dreimal pro Jahr weg. Davon zweimal mit dem Auto und einmal weiter weg per Flugzeug. Da unser Alltag sehr intensiv ist mit all den Arztterminen, Therapien und Herausforderungen der Erkrankungen haben wir beschlossen, dass wir diese drei Auszeiten fest brauchen, um Kraft zu sammeln.
Meist dauern unsere Reisen ein bis zwei Wochen. Den ersten Urlaub mit den Kindern haben wir jeweils rund um den 1. Geburtstag gemacht. Wir hatten das erstmal in Deutschland getestet und haben dann den Kreis auf das europäische Ausland ausgeweitet. Dieses Jahr planen wir zum ersten Mal einen außereuropäischen Urlaub. Wir fliegen nach Ägypten und sind entsprechend aufgeregt.
Susann: Bei der Recherche und Wahl unseres Reiseziels achten wir vor allem auf zwei Dinge. Erstens: Wie ist die Luftqualität am möglichen Urlaubsort? Und zweitens: Ist ein Krankenhaus mit kinderpneumologischer oder Kinderintensiv-Station in akzeptabler Autofahrzeit erreichbar, sprich innerhalb von 1 bis 2 Stunden?
Bei Auslandsreisen gehen wir mit noch mehr Bedacht vor. Denn im Ausland ist die Verfügbarkeit der medizinischen Versorgung ein echter Knackpunkt. Vor einer Weile hatten wir die Kapverdischen Inseln ins Auge gefasst. Dort hätte man aber im Notfall ausgeflogen werden müssen. Damit war für uns klar, dass das nicht als Reiseziel in Frage kommt.
Für unseren geplanten Herbsturlaub in Hurghada haben wir bereits recherchiert: Es gibt dort mehrere Kliniken mit Pulmologen oder zumindest einer Kinderintensivstation, zwei davon in 20 bzw. 40 Minuten Fahrzeit vom Hotel. Von anderen Familien mit Asthmatikern weiß ich, dass diese bei der Planung auch auf Allergene achten und entsprechende Destinationen ausschließen. Bei uns ist das Thema Allergien nachrangig, weil wir in den Sommermonaten sowieso eher ans Meer fahren. Am Meer ist es generell relativ allergenarm.
Susann: Wir machen entweder am Meer oder in den Bergen Urlaub, suchen also Ziele mit dem klassischen Reizklima auf. Bei Urlauben am Meer kann man es vereinfacht so sagen: Wer ans Meer fährt und sich dem erhöhten Salzgehalt aussetzt, hat das Inhalieren beim Strandspaziergang schon mit erledigt.
Die ersten paar Tage sind wir dabei allerdings vorsichtig, um die Lunge nicht zu überfordern und zu überreizen. Stundenlange Aufenthalte direkt am Meer unternehmen wir nicht gleich am ersten Tag, sondern erst nach einer Gewöhnungsphase von ein paar Tagen. Dann hat die salzhaltige Meeresluft definitiv einen positiven Effekt für die Atemwege. Dabei kann ich für uns aus Erfahrung sagen: Meer ist nicht gleich Meer. Ein Urlaub an der Nordsee oder am Mittelmeer reizt die Atemwege in unserem Fall deutlich mehr als ein Aufenthalt an der Ostsee.

Susann: In den Bergen ist die Luft sehr klar und schadstoffarm, was für Asthmatiker generell von Vorteil ist. Die Höhenluft soll daneben das Immunsystem trainieren. Wir waren gerade erst zur Kinderreha in den Alpen.
Allerdings hatte mein jüngster Sohn dort Probleme, die Sauerstoffsättigung zu halten. Es ist bekannt, dass diese bei Höhenluft um 1 – 2% sinken kann. Leonards Sättigung sank nachts aber um 5 – 7%. Daher wurde die tägliche Salbutamol-Dosis erhöht. Daneben trug er vereinzelt tagsüber den mobilen Monitor zur Überwachung der Sauerstoffsättigung an sich, an dem er üblicherweise nur nachts hängt.
Teilweise mussten wir ihn sogar nachts mehrmals wecken, weil die Sättigung abfiel, um mit dem atemwegserweiternden Spray gegenzusteuern. Das Spray inhalierte er wie üblich mit der VORTEX Inhalierhilfe, um sicherzustellen, dass der Wirkstoff bestmöglich in die Bronchien gelangt.
Es ist nicht ganz klar, was die Ursachen des Sättigungsproblems nachts waren. Wir gehen von einer Kombination aus unterschiedlichen Faktoren aus. Die Klinik lag auf 1.200 Metern Höhe und der Pollenflug war ziemlich stark. Auf der Zugspitze bei knapp 3.000 Metern Höhe hatte er dagegen eine normale Sättigung und keine Probleme. Urlaub in den Bergen schließen wir aktuell nicht aus, werden aber künftig in Höhenlagen definitiv die Sättigung, Peakflow und das Wohlbefinden verstärkt im Blick behalten.

Susann: Bisher mussten wir eine Reise wegen einer Lungenentzündung bei Leonard vorzeitig abbrechen. Zwei Urlaube mussten wir kurz vor Abreise komplett canceln, weil jeweils ein Kind stationär mit Sauerstoffbedarf ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Eine gute Reiserücktrittsversicherung ist hier Gold wert, besonders bei Flugreisen.
Susann: Ich war anfangs unsicher, wie das mit Inhalationsgerät, Salzlösung, VORTEX und den ganzen Medikamenten bei der Sicherheitskontrolle läuft. Im Nachhinein war das unbegründet. Wir hatten nie Probleme bei der Sicherheitskontrolle. Dennoch nehmen wir immer eine ärztliche Bescheinigung mit, einen Vordruck, der in drei Sprachen erklärt, dass die Medikamente für den Urlaub benötigt werden. Der Arzt macht einfach seinen Stempel drauf. So sind wir abgesichert, falls wir doch einen Nachweis zeigen müssen.

Susann: Wir achten immer darauf, dass es Nichtraucherzimmer sind bzw. sich das Zimmer im Nichtraucherbereich befindet. Daneben bevorzugen wir Zimmer ohne Teppich. Ich schaue mir die Fotos an, um Teppichboden möglichst auszuschließen und die Bewertungen, um sicher zu sein, dass die Unterkunft sauber ist und es im Bad keinen Schimmel gibt. Innerhalb Deutschlands tut es eine normale Ferienwohnung mit guter Bewertung.
Wenn es weiter weg geht, wie zum Beispiel bald nach Ägypten, wählen wir eine höhere Sternekategorien und große Hotelketten. Da kann man sich sicherer sein, dass der Standard passt, da die einen Ruf zu verlieren haben. Wenn möglich, fordern wir allergische Bettbezüge an. Diese sind allerdings schwer zu finden. Wir haben sie schon einfach selbst mitgenommen.
Für Urlaube in Deutschland organisieren wir die Unterkunft selbst über die üblichen Plattformen. Geht es ins Ausland buchen wir ausschließlich über ein Reisebüro. Die kennen das Reiseziel und Hotels oft aus erster Hand und können auch medizinisches Handgepäck direkt bei der Airline anmelden wie z. B. das Beatmungsgerät. Dadurch ersparen wir uns weiteren organisatorischen Vorbereitungsaufwand, der beim Verreisen mit einer chronischen Erkrankung sowieso schon hoch ist.
Susann: Gute Vorbereitung. Das Wichtigste ist, vorab zu prüfen, ob wirklich ausreichend Medikamente da sind, auch für den Fall, dass ein Kind am zweiten Urlaubstag in eine gesundheitliche Krise rutscht, und diese sich den gesamten Urlaub durchzieht. Mir helfen da mittlerweile Checklisten. So muss ich nicht bei jedem Urlaub erneut alles durchdenken.
Susann: Wir haben immer einen Puffer von allen Medikamenten und Inhalationslösungen dabei. Kochsalzlösung bekommt man zwar meist auch im Ausland. Ich habe es schon in der Pampa in Frankreich in der Apotheke gekauft. Dennoch ist man mit einer Reserve auf der sicheren und stressfreieren Seite. Die Dauermedikamente sowie jeweils frische Salbutamol-Sprays sind in jedem Urlaub Pflicht. Als Notfallmedikament packen wir auch immer Kortison-Tabletten in ausreichender Menge ein. Daneben die Dinge der üblichen Reiseapotheke, die für alle empfohlen ist.
Susann: Wir haben immer die VORTEX Inhalierhilfe in doppelter Ausführung dabei, sollte eine Inhalierhilfe kaputt gehen. Daneben den PARI BOY free für die Feuchtinhalation. Sollte eines der Kinder vor der Abreise mehr als üblich verschleimt sein, packen wir außerdem das PEP S System ein. Dann sind wir auch für den Fall ausgestattet, die Verschleimung besser in den Griff zu bekommen, sollte sich diese im Urlaub verschlimmern.
Susann: Wichtige Infos und Dokumente in der Cloud speichern, so dass man darauf über das Handy Zugriff hat. Das gilt zum einen für aktuelle Arztbriefe, zum anderen für wichtige Infos, die man jemandem mitteilen möchte, der vielleicht des Englischen nicht so mächtig ist. Ich bin zum Beispiel auf Walnüsse schwer allergisch und reagiere anaphylaktisch, was lebensbedrohlich ist.
Daher bereite ich im Vorfeld immer einen Text in der Landessprache dazu vor. Diesen speichere ich als PDF in der Cloud und zeige diesen auf meinem Handy her, beispielsweise Kellnern im Restaurant. Der Deutsche Allergie- und Asthma-Bund bietet übrigens auch vorgefertigte Übersetzungen zu unterschiedlichen Bereichen. Aber der entscheidende Punkt ist, und deswegen erwähne ich es nochmals, sich vor der Reise zu informieren, wo die nächste passende Klinik ist, die man im Notfall aufsuchen kann.
Fährt man in Gebiete, in denen es sehr heiß ist und dauerhaft über 30 Grad herrschen, muss man auch unbedingt an die Kühlung der Medikamente denken. Das betrifft bei meinen Jungs die Inhalatoren, da die Sprays, welche mit Treibgas betrieben werden, nur bis 25 Grad gelagert werden sollten, da sonst das Spray an Wirkung verlieren kann. Bei Pulverinhalatoren hat man da etwas mehr Glück. Die sind nicht ganz so empfindlich.
Hinweis: Bei den im Interview getroffenen Aussagen handelt es sich um die individuelle Sichtweise der Interviewten. Diese spiegeln nicht zwangsläufig die PARI Sichtweise oder den allgemeinen Stand der Wissenschaft wider.
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