Hitze, Ozon und Pollen können die Atemwege belasten. Lungenarzt Prof. Dr. Fischer erklärt, warum und wie Sie Beschwerden mindern oder vorbeugen können.

Sommer, Wärme, Sonnenschein – das klingt nach Entspannung. Doch für viele Menschen, besonders für jene mit Atemwegserkrankungen, bedeutet die heiße Jahreszeit echte Mehrarbeit für Lunge und Bronchien. Lungenfacharzt Prof. Dr. Rainald Fischer erklärt, was im Sommer die Atmung stresst und wie wir unsere Atemwege entlasten können.
Prof. Dr. Fischer: Im Sommer werden die Atemwege vor allem durch drei Faktoren belastet: Ozon, Hitze und Pollen. Diese treten oft gleichzeitig auf und können sich gegenseitig verstärken.
Ozon ist ein Reizgas, das zu einer Schleimhautreizung in den Bronchien und zu bronchialer Überempfindlichkeit führen kann – und damit zu asthmatischen oder asthmaähnlichen Reaktionen.
Bei sehr hohen Ozonkonzentrationen kann das Gas tiefer in die Lunge vordringen und auch die Alveolen, also die kleinen Lungenbläschen, belasten. Dort findet der eigentliche Gasaustausch statt: Sauerstoff gelangt ins Blut, Kohlendioxid wird abgeatmet. Ozon kann die empfindlichen Zellen dieser Bläschen reizen und Entzündungsreaktionen auslösen.
Bei wiederholter starker Belastung über längere Zeit besteht das Risiko, dass diese Zellen dauerhaft geschädigt werden – was die Lungenkapazität langfristig verringern kann. Diese Zusammenhänge wurden bislang vor allem in Tierversuchen nachgewiesen und gelten als auf den Menschen übertragbar.
Behörden warnen ab einer Ozonkonzentration von 180 µg/m³ aktiv die Bevölkerung. Ab dieser Konzentration sollen empfindliche Personen, also Menschen mit Vorerkrankungen, Kinder und Senioren auf Sport und Anstrengung im Freien verzichten. Ab 240 µg/m³ gilt diese Empfehlung für alle. Wer Ozonwerte überprüfen möchte, kann das z. B. beim Umweltbundesamt tun.
Hitze und trockene Luft erhöhen den Reiz in den Atemwegen und können die Bronchien verengen. Extreme Temperaturen – ob zu heiß oder zu kalt – sind für die Atemwege immer problematisch. Besonders ab 30 Grad beginnt der Körper, unter echtem Hitzestress zu arbeiten: Er muss Wärme abgeben, was durch erhöhte Kreislaufaktivität, geöffnete Poren und Schwitzen geschieht. Das belastet Puls und Blutdruck zusätzlich.
Die Zahl der Herz-Kreislauf-Erkrankungen nimmt im Sommer dadurch zu. Auch COPD-Erkrankungen können sich verschlechtern, wenngleich infektionsbedingte Exazerbationen im Sommer seltener sind als im Winter.
Die Pollensaison zieht sich spätestens ab Februar bis in den August oder September. Wichtig zu wissen: Pollen reizen auch bei Nicht-Allergikern unspezifisch die Bronchien. Hinzu kommt, dass die Feinstaubbelastung im Sommer durch Trockenheit und weniger Regen generell höher ist. Auch Grillrauch trägt zur Gesamtbelastung bei.

Prof. Dr. Fischer: Bei diesen Menschen ist die Lunge bereits geschädigt oder ihre Funktion eingeschränkt. Die saisonalen Belastungen kommen also zu einer bereits geschwächten Basis hinzu. Das macht einen erheblichen Unterschied: Während ein gesunder Mensch die Bronchialreizung gut kompensieren kann, reagieren Betroffene mit Asthma oder COPD oft deutlich empfindlicher.
Denn chronisch entzündete Atemwege reagieren auf äußere Reize mit Enge – als Schutzreflex, um noch mehr Schadstoffe fernzuhalten. Wie stark sich Belastungen im Sommer auf die Atmung auswirken, ist individuell. Manche bemerken bereits in Ruhe Atembeschwerden, andere erst bei körperlicher Anstrengung.
Prof. Dr. Fischer: Die Basis ist immer, dass die Grunderkrankung konsequent therapiert wird – und die Therapie möglicherweise sogar intensiviert wird. Das gilt es, mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin abzuklären. Darüber hinaus gibt es einige praktische Maßnahmen:
Außerdem empfehle ich atemerleichternde Körperhaltungen und gezielte PEP-Atemtechniken gegen Kurzatmigkeit. Feuchtinhalationen mit einem Vernebler helfen Verunreinigungen, wie Pollen und Feinstaub, einfacher aus den Bronchien zu bekommen und die Schleimhäute zu beruhigen.

Prof. Dr. Fischer: Feuchtinhalation mit Kochsalzlösung beruhigt und pflegt die Bronchialschleimhaut. Damit lässt sich der Hustenreiz lindern. Daneben unterstützt Feuchtinhalation die natürliche Reinigungsfunktion der Atemwege. Das ist hilfreich, wenn Pollen und Feinstaub in den Bronchien haften. Wer es verträgt, kann mit hypertoner Kochsalzlösung noch effektiver arbeiten.
Gerade für Patienten mit COPD oder Asthma, die normalerweise nur Pulver oder Spray inhalieren, kann die zusätzliche Feuchtinhalation im Sommer eine wertvolle Ergänzung sein.
Prof. Dr. Rainald Fischer: PEP bedeutet Ausatmung gegen einen Widerstand. Diese Technik – ob als Übung oder mit einem entsprechenden Gerät wie den PARI PEP Systemen – reduziert die Überblähung der Lunge und die damit verbundene Kurzatmigkeit. Das ist im Sommer besonders wertvoll, weil Hitze und körperliche Belastung die Atemnot bei COPD-Patienten schnell verstärken können. Wer PEP regelmäßig einsetzt, verbessert die Ausatmung und schafft so mehr Raum für frische Luft.
Prof. Dr. Rainald Fischer: Sport ist wichtig, auch für Atemwegspatienten. Aber im Sommer sollte man klug vorgehen:
Regelmäßig Luftqualität und Pollenflug prüfen hilft dabei, den richtigen Moment zu wählen.

Prof. Dr. Rainald Fischer ist niedergelassener Facharzt für Innere Medizin, Teilgebiet Lungen- und Bronchialheilkunde, Fachkunde Notfallmedizin, Schlafmedizin und Allergologie in München-Pasing. Davor war er als Internist und Lungenfacharzt, zuletzt Oberarzt an der medizinischen Universitätsklinik Innenstadt München tätig. Prof. Dr. Rainald Fischer ist Gründungsmitglied und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Berg- und Expeditionsmedizin, außerdem Mitglied in der ärztlichen Arbeitsgemeinschaft Mukoviszidose.
Hinweise: Bei den im Interview getroffenen Aussagen handelt es sich um die individuelle Sichtweise des Interviewten. Diese spiegeln nicht zwangsläufig die PARI Sichtweise oder den allgemeinen Stand der Wissenschaft wider.
Der Inhalt des Beitrags stellt außerdem keine Therapieempfehlung dar. Die Bedürfnisse von Patienten sind individuell sehr verschieden. Vorgestellte Therapieansätze sollen nur als Beispiele dienen. PARI empfiehlt Patienten, sich stets mit ihrem behandelnden Hausarzt oder Facharzt abzusprechen.
Wie bewerten Sie diesen Artikel?
Melden Sie sich jetzt zur PARI Atemwegs-Post an mit wertvollen, hilfreichen Informationen rund um das Thema Atemwegs-Gesundheit. Sie erhalten die PARI Atemwegs-Post in der Regel einmal im Monat.