Monika lebt mit COPD GOLD 3. Deswegen verzichtet sie auf Reisen. Im Interview erzählt sie, warum und wie sie sich das Urlaubsgefühl nach Hause holt.

Monika – auf Social Media bekannt als „Mo - Alltag mit COPD“ – lebt mit COPD GOLD 3. Deswegen verzichtet sie seit einigen Jahren komplett auf Reisen und den klassischen Urlaub. Im Interview erklärt sie warum, und wie sie sich das Urlaubsgefühl nach Hause holt.
Monika: Früher sind wir in den Urlaub gefahren. Seit einigen Jahren haben wir das stark reduziert. Dieses Jahr haben wir beschlossen, gar nicht mehr zu verreisen. Dazu muss ich sagen, dass auch mein Mann von COPD und einem Lungenemphysem betroffen ist. Wir bleiben lieber zuhause und machen eher Tagesausflüge oder genießen die Umgebung.
Wir haben aber auch das Glück, zwischen Ostsee und Nordsee zu wohnen – also dort, wo andere Urlaub machen. Nach 5 Minuten Autofahrt sind wir an der Flensburger Förde, 50 Kilometer entfernt liegt Rømø. Zudem haben wir unseren Garten bewusst so angelegt, dass er Urlaubsgefühle weckt.

Monika: Aus mehreren Gründen:
Monika: Wir fahren mittags an die Förde, essen dort und genießen das Wasser, oder machen Ausflüge in die Umgebung. Wir haben insgesamt sechs Kinder und Enkelkinder, da besucht man sich natürlich, oder sie kommen zu uns. Auch das bringt Abwechslung.
Aber ich sage ehrlich: Mit COPD verändert sich das Leben. Man zieht sich mit der Zeit ein Stück weit zurück – und das ist oft gar nicht nur etwas Negatives. Zu Hause kennt man seine Umgebung, weiß, wo die Medikamente liegen, wo man sich eine Pause gönnen kann und fühlt sich sicher.
Ich habe keine Angst davor, dass andere mich atmen sehen. Aber große Menschenmengen strengen mich inzwischen an. Früher sind wir gerne auf Konzerte gegangen. Heute habe ich dort oft das Gefühl, als würde mir die Enge die Luft nehmen.
Das ist mit den Jahren schlimmer geworden, je weiter das Emphysem fortgeschritten ist. Ich fühle mich nicht eingeschränkt, aber auf eine gewisse Art ist man dann doch lieber zu Hause.

Monika: Ja, die Bewegung. Nach meiner Lungenvolumenreduktion hatten mein Mann und ich Reha-Sport. Dadurch haben wir überhaupt angefangen, Sport zu machen. Wir sind dabeigeblieben, uns zu bewegen, und haben das fest in den Alltag eingebaut: Morgens bringe ich für Freunde die Pferde raus, da sammle ich meine ersten Schritte. Mittags gehe ich eine Stunde mit dem Hund und auch generell scheue ich Bewegung nicht mehr so. Ich vermeide nicht mehr jede Treppe, sondern nehme sie und wende dabei Atemtechniken an. Ich merke, dass mir das guttut.
Wiederentdeckt habe ich das Schwimmen: Das habe ich schon als Kind gerne gemacht, und jetzt gehe ich wieder ein- bis zweimal die Woche, weil es mir einfach guttut und ich die Luft im Heilbad gut vertrage. Neu ist auch der Wald für mich. Ich gehe täglich mit dem Hund in den Wald, das habe ich früher nicht gemacht. Im Laufe der Jahre habe ich immer mehr meine Liebe zur Natur entdeckt. Ich bin heute der Natur mehr verbunden als den Menschen.

Monika: Ohne Atemtherapie könnten wir diese Spaziergänge und sonstigen Aktivitäten gar nicht machen. Die Therapie ist für mich die Grundlage: Durch Sprayinhalation, Atemübungen wie Lippenbremse und Bauchatmung sowie Mobilisationsübungen öffnen sich Bronchien und Brustkorb wieder. Das braucht man, um sich bewegen zu können.
Monika: Ich nehme morgens mein Spray mit Spacer und mache mit Unterstützung einer App fünf Übungen. Diese wurden von einer Physiotherapeutin, die meine Werte und meine Einschränkungen kennt, auf mich abgestimmt. Es beginnt immer mit der Lippenbremse und der Bauchatmung und geht dann in die Mobilisation, ich nehme zum Beispiel die Arme mit hoch. Es gibt Sitz- und Stehübungen, so bleibe ich im Oberkörper und Rücken beweglich.
Wenn ich merke, dass akut Verschleimung aufkommt, inhaliere ich mit dem Vernebler eine Kochsalzlösung und ein atemwegserweiterndes Medikament. Zudem nutze ich ein PEP-System, das hilft, den Schleim zu lösen und abzuhusten. Zusammen sorgt das dafür, dass ich mobil und aktiv bleiben kann, auch wenn ich auf weite Reisen verzichte.

Monika: Ja, der Genfer See. Ich bin ein Küstenkind, geboren in Lübeck, aufgewachsen in Hamburg, immer am Wasser. Und trotzdem war die Bergluft dort für mich ein Traum: Es fiel mir dort so leicht zu atmen. Wer von der Küste kommt, für den sind die Berge manchmal ein leichteres Atmen. Umgekehrt kann ich jedem, der nicht von der See kommt, nur raten, ans Meer zu fahren, weil Seeluft bei COPD einfach guttut.
Am Genfer See war ich 2015 nach meinem Lungenkollaps, als ich mich wieder erholt hatte. Noch einmal dorthin zu kommen, das ist ein Traum von mir. Im Moment ist er ein bisschen unerreichbar, auch aus finanziellen Gründen. Aber ein Traum darf ja bleiben.
Monika: Das ist schwer zu sagen, wenn man selbst nicht mehr reist. Aber das Wichtigste wäre eine gute Planung: vorher mit dem Arzt sprechen, gerade beim Fliegen, und genug Zeit für Pausen einplanen. Auch die Medikamente sollte man immer griffbereit haben. Das rate ich jedem, dem Reisen wichtig sind. Allen, die es nicht mehr können, wie wir: Es lohnt sich, den Blick auf das zu richten, was direkt vor der Haustür liegt.
Monika bekam 2005 mit 35 Jahren die Diagnose COPD mit asthmatischer Komponente. Symptome hatte sie schon lange davor, sie wurden mal als Asthma, mal als chronische Bronchitis eingeordnet. Aufgewachsen in einem Raucherhaushalt, hat sie später selbst 26 Jahre lang geraucht und mit der Diagnose damit aufgehört.
Ein Einschnitt kam 2015: Ein Teilkollaps der Lunge ließ ihren FEV1-Wert von 58 auf 26 Prozent fallen. Ihren Beruf als Erzieherin für Kinder von null bis drei Jahren konnte sie wegen der hohen Infektionsgefahr nicht mehr ausüben und wurde verrentet. Mit den Jahren entwickelte sich ein Lungenemphysem, das 2022 eine chirurgische Lungenvolumenreduktion nötig machte. Heute lebt sie mit COPD GOLD 3.
Über ihre Erkrankung spricht Monika offen, weil sie aufklären und anderen Betroffenen Mut machen möchte. Unter dem Namen @mo-alltag-mit-copd teilt sie auf Facebook, Instagram, YouTube und TikTok ihre Erfahrungen und Alltagstipps. Auf TikTok folgen ihr inzwischen über 11.000 Menschen.
Hinweis: Bei den im Interview getroffenen Aussagen handelt es sich um die individuelle Sichtweise der Interviewten. Diese spiegeln nicht zwangsläufig die PARI Sichtweise oder den allgemeinen Stand der Wissenschaft wider.
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