Physiotherapeutin Nina Holtkamp über die Atemtherapie bei Babys, Kindern und Jugendlichen – und wie Eltern ihre Kinder im Therapiealltag bestmöglich unterstützen können.

Die Atemtherapie ist für Kinder mit chronischen und akuten Atemwegserkrankungen ein täglicher Begleiter. Physiotherapeutin Nina Holtkamp hat sich u. a. auf die Behandlung von Säuglingen, Kindern und Jugendlichen mit Atemwegserkrankungen spezialisiert. Im Interview erklärt sie, welche Krankheitsbilder ihr in der Praxis begegnen, warum die Inhalation eine zentrale Rolle spielt und wie Eltern ihre Kinder im Therapiealltag bestmöglich unterstützen können.

Nina Holtkamp: Am häufigsten behandle ich Kinder mit obstruktiven Atemwegserkrankungen wie Asthma bronchiale, chronischer Bronchitis oder Bronchiolitis. Auch Kinder mit Mukoviszidose, neuromuskulären Erkrankungen, Frühgeborene mit unreifer Lunge sowie Kinder nach schweren Infekten oder längeren Krankenhausaufenthalten gehören zu meinen Patientinnen und Patienten.
Nina Holtkamp: Kinder sind keine „kleinen Erwachsenen“. Konzentrationsspanne, Körperwahrnehmung und Mitarbeit variieren je nach Alter und Entwicklungsstand stark. Eine große Herausforderung ist es, therapeutische Inhalte spielerisch zu vermitteln und gleichzeitig effektiv zu arbeiten. Zudem spielen emotionale Faktoren wie Angst, Unsicherheit oder negative Vorerfahrungen eine große Rolle. Auch die Arbeit mit den Eltern ist nicht zu vernachlässigen. Sie müssen ebenfalls mit im Boot sein, um das Kind gut therapieren zu können.
Nina Holtkamp: Die Inhalation ist ein zentraler Bestandteil der Atemtherapie. Es kommt aber auf das Alter des Kindes an. Bei Säuglingen läuft die Inhalation passiv. Ich erkläre den Eltern die wichtigsten Punkte und überprüfe sie regelmäßig.
Kinder über einem Jahr versuche ich spielerisch an die Inhalation zu gewöhnen und ihnen diese kindgerecht zu erklären. Manche Kinder inhalieren bereits, da schauen wir gemeinsam, ob wir die Inhalation optimieren können.
Nina Holtkamp: Durch die Inhalation wird das Sekret mobilisiert und besser lösbar. Atemphysiotherapeutische Techniken wie PEP-Therapie oder autogene Drainage können diesen Effekt gezielt verstärken. Meine Erfahrung zeigt, dass Kinder nach einer Inhalation deutlich effektiver abhusten können und die Therapie insgesamt weniger anstrengend und erfolgreicher ist.
Deshalb ist die Inhalation bei akuten Atemwegserkrankungen wie einer Bronchitis oder einer starken Erkältung sehr nützlich. Wenn der Infekt von Husten mit Auswurf begleitet wird, kann Inhalieren auch hier dabei unterstützen, Sekret zu lösen und zu mobilisieren. Aber auch für viele Mukoviszidose Patienten ist sie oftmals ein wichtiger Bestandteil, um das Sekret gut mobilisieren zu können.

Nina Holtkamp: Die PEP-Therapie setze ich vor allem bei Kindern mit Sekretproblematik und instabilen Atemwegen ein. Entscheidend ist, dass das Kind altersgerecht angeleitet wird und das Gerät akzeptiert. Wie fast bei allem versuche ich auch, die PEP-Therapie kindgerecht anzuleiten.
Nina Holtkamp: Der häufigste Fehler ist eine nicht bündig sitzende Maske. Deshalb ist es wichtig, schon bei der Anschaffung darauf zu achten, dass beim Inhalationsgerät passende Baby- und Kindermasken dabei sind – wie zum Beispiel beim PARI BOY Junior.
Der wichtigste Tipp: die Inhalation positiv begleiten. Denn sie gehört für viele Kinder zum Alltag. Manchmal helfen Sticker, die man nach einer Inhalation z. B. in einen Inhalationspass aufkleben darf.
Ein weiterer Tipp ist die Routine: Inhalieren sollte wie Zähneputzen sein. Dafür hilft es, eine passende Routine für den Alltag zu haben.
Tipp drei: den Druck rausnehmen. Nicht jede Inhalation ist perfekt, manchmal klappt es gar nicht. Wichtig ist es, dabei zu bleiben und es immer wieder zu versuchen. Vor allem wenn die Inhalation einen positiven Effekt hat.
Nina Holtkamp: Das ist ganz häufig der Fall. Ich baue sie spielerisch in den Therapiealltag ein. Oft helfen Rollenspiele, Kuscheltiere oder das gemeinsame Inhalieren mit den Eltern. Mein Ziel ist es, Stress zu reduzieren und den Druck zu nehmen. Denn nur ein entspanntes Kind kann effektiv inhalieren.
Nina Holtkamp ist Physiotherapeutin mit dem Schwerpunkt Atemphysiotherapie bei Säuglingen, Kindern und Jugendlichen. In ihrer täglichen Arbeit in der Praxis begleitet sie Kinder mit akuten und chronischen Atemwegserkrankungen sowie deren Familien. Dabei legt sie großen Wert auf eine kindgerechte, alltagsnahe und angstfreie Therapie.
Hinweise: Bei den im Interview getroffenen Aussagen handelt es sich um die individuelle Sichtweise der Interviewten. Diese spiegeln nicht zwangsläufig die PARI Sichtweise oder den allgemeinen Stand der Wissenschaft wider.
Der Inhalt des Beitrags stellt außerdem keine Therapieempfehlung dar. Die Bedürfnisse von Patienten sind individuell sehr verschieden. Vorgestellte Therapieansätze sollen nur als Beispiele dienen. PARI empfiehlt Patienten, sich stets mit ihrem behandelnden Hausarzt oder Facharzt abzusprechen.
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