Dominik Gassner ist erfolgreicher Sänger und leidet unter der seltenen Multisystemerkrankung Primäre Ciliäre Dyskinesie (PCD). Wie er Gesangskarriere und die tägliche Therapie unter einen Hut bekommt, berichtet er im Interview.

Dominik Gassner ist erfolgreicher Sänger. Er balanciert zwischen modernem Deutschpop und traditionellen Austropop – mit eingängigen Melodien, einer ausdrucksstarken Stimme und starken Texten in österreichischem Dialekt. Neben seinem Künstler-Projekt ist er auch als Songwriter für etablierte Künstler*innen wie Roland Kaiser tätig und wurde für seine Arbeit bereits mehrfach mit Gold und Platin ausgezeichnet.
Doch das ist nur eine Seite der Medaille. Denn Dominik Gassner leidet unter der seltenen Multisystemerkrankung Primäre Ciliäre Dyskinesie (PCD). Diese Erkrankung betrifft unter anderem auch die Lunge und führt zu vermehrtem Schleim und häufigen Atemwegsinfekten. Im Interview berichtet Dominik Gassner, wie er seine professionelle Gesangskarriere, die zusätzliche Belastung durch PCD und die tägliche Therapie unter einen Hut bekommt.
Titelbild: Yasmin-Sara Ergen
Dominik Gassner: Bei mir war es tatsächlich ein sehr langer Weg bis zur richtigen Diagnose. Schon in meiner Kindheit hatte ich immer wieder mit schweren Atemwegsproblemen zu kämpfen. Dazu gehörten häufige Lungenentzündungen, Mittelohrentzündungen und chronische Entzündungen der Nasennebenhöhlen. In jungen Jahren musste bei mir sogar ein Teil des rechten Mittellappens der Lunge entfernt werden.
Trotz dieser Vorgeschichte wurden meine Beschwerden lange Zeit vor allem als chronische Bronchitis oder Asthma eingeordnet. Rückblickend lagen viele typische Symptome einer PCD-Erkrankung vor. Sie wurden nur lange nicht als solche erkannt bzw. miteinander in Verbindung gebracht.
Erst mit 23 Jahren hat ein Arzt schließlich den Verdacht geäußert, dass es sich um Primäre Ciliäre Dyskinesie handeln könnte. Das war für mich der entscheidende Wendepunkt. Daraufhin kam ich an die Universitätsklinik Münster in eine auf PCD spezialisierte Ambulanz. Dort folgte eine sehr umfangreiche Diagnostik. Unter anderem wurden Bürstungen der Nasenschleimhaut durchgeführt, um die Funktion und Struktur der Flimmerhärchen genauer zu untersuchen. Zusätzlich wurde eine aufwendige genetische Untersuchung durchgeführt. Am Ende wurde die Diagnose Primäre Ciliäre Dyskinesie bestätigt.
Das war für mich einerseits natürlich ein Einschnitt, andererseits aber vor allem eine große Erleichterung. Endlich hatte ich eine Erklärung für die vielen Erkrankungen und Beschwerden, die mich schon seit meiner Kindheit begleitet hatten. Gerade bei seltenen Erkrankungen zeigt meine Geschichte, wie wichtig es ist, dranzubleiben, Beschwerden im Zusammenhang zu betrachten und sich selbst und sein Umfeld ernst zu nehmen.
Dominik Gassner: Die Krankheit selbst hat meinen Weg in der Musik natürlich beeinflusst. Mit einer chronischen Lungenerkrankung kann man nie vollkommen unbeschwert planen – gerade weil die Lunge für mich als Sänger eine wesentliche Grundlage meines Berufs ist.
Die Diagnose hat den Umgang mit der Erkrankung aber leichter gemacht. Ich kann mittlerweile gesundheitliche Tiefs besser einordnen, meine Grenzen bewusster wahrnehmen und akzeptieren, dass nicht jeder Tag gleich ist.
Natürlich gibt es immer wieder Momente, in denen ich mich frage, ob das alles miteinander vereinbar ist. Ob ich körperlich mithalten kann, ob ich genug Kraft habe und ob ich in einem Beruf, der ohnehin sehr viel Energie verlangt, konstant leistungsfähig sein kann. Ich mache mir aber immer wieder aufs Neue bewusst, dass die Krankheit meinen Weg beeinflusst, ihn aber nicht bestimmen muss.
Dominik Gassner: Die größte Herausforderung ist wahrscheinlich, dass ich meinen Körper sehr genau kennen und ernst nehmen muss. Der Umstand, dass ich eigentlich nie zu 100 Prozent gesund bin, begleitet mich ständig. Ich kann deshalb nicht davon ausgehen, dass meine körperliche Verfassung jeden Tag gleich ist.
Auf der Bühne kommt vieles zusammen: Anspannung, Adrenalin, körperliche Belastung, trockene Luft, Reisen und manchmal auch wenig Schlaf. Im Studio ist es wieder anders. Dort geht es um Präzision, Konzentration und darum, die Stimme über einen längeren Zeitraum leistungsfähig zu halten. Ich muss deshalb sehr bewusst mit meinen Kräften umgehen.

Dominik Gassner: Das ist manchmal gar nicht so einfach, weil mein Alltag als Musiker sehr unregelmäßig ist. Es gibt Studiotage, Reisetage, Auftritte, Termine, Social Media Arbeit und Phasen, in denen sehr viel gleichzeitig passiert.
Trotzdem versuche ich, meine Therapie nicht als etwas zu betrachten, das mich aufhält. Sie ist vielmehr die Grundlage dafür, dass ich überhaupt das machen kann, was ich liebe. Inhalationen und andere Behandlungen gehören für mich zum Alltag, auch wenn die Organisation manchmal herausfordernd ist.
Ich inhaliere z. B. täglich mit hypertoner Kochsalzlösung, um zähen Schleim zu lösen und so das Abhusten zu erleichtern. Aus diesem Grund ist es mir bei einem Inhalationsgerät wichtig, dass ich es unterwegs gut nutzen kann, dass es leise ist und dass die Inhalation nicht allzu lange dauert. Deshalb benutze ich das eFlow®rapid Inhalationssystem.
Dominik Gassner: Ich versuche, sehr bewusst mit meiner Stimme umzugehen. Dabei geht es nicht nur um die Stimme selbst, sondern um den gesamten Körper. Schlaf, Erholung, ausreichend Flüssigkeit, regelmäßige Inhalationen, freie Atemwege und auch das persönliche Stresslevel spielen eine wichtige Rolle. Ich musste lernen, Warnsignale frühzeitig zu erkennen und ernst zu nehmen.
Dominik Gassner: Ich würde ihnen sagen: Du bist nicht deine Diagnose. Sie gehört zu deinem Leben, aber sie muss nicht dein gesamtes Leben bestimmen. Natürlich gibt es Einschränkungen, und es wäre unehrlich, diese kleinzureden. Trotzdem gibt es Wege, Träume, Ziele und ein Leben, das sich nicht ausschließlich um die Erkrankung dreht. Man darf traurig, erschöpft, wütend oder müde sein. Aber man darf auch mutig sein, sich etwas zutrauen und große Ziele verfolgen.
PCD ist ein Teil meines Lebens, aber sie ist nicht meine ganze Geschichte. Meine Geschichte besteht auch aus Musik, Leidenschaft, Disziplin, Zweifeln, Mut und dem Wunsch, Menschen mit dem, was ich tue, zu berühren.
Hinweis: Bei den im Interview getroffenen Aussagen handelt es sich um die individuelle Sichtweise des Interviewten. Diese spiegeln nicht zwangsläufig die PARI Sichtweise oder den allgemeinen Stand der Wissenschaft wider.
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