
Inhalieren bezeichnet das Einatmen fein zerstäubter Flüssigkeiten (Aerosole), zum Beispiel Kochsalzlösungen oder ärztlich verordneter Medikamente, mithilfe eines geeigneten Inhalationsgeräts. Ziel ist es, Wirkstoffe oder befeuchtende Lösungen direkt in die Atemwege zu bringen. Richtig angewendet kann Inhalieren zur Linderung von Beschwerden wie Husten, Schnupfen, Heiserkeit oder Verschleimung beitragen und ist bei vielen chronischen Atemwegserkrankungen ein fester Bestandteil der ärztlich verordneten Therapie.
Beim Inhalieren werden Flüssigkeiten in feine Tröpfchen zerstäubt und eingeatmet. Sind die Partikel kleiner als etwa 5 µm, können sie bis in die tieferen Atemwege der Lunge gelangen. Man spricht dann von lungengängigen Partikeln. Welche Bereiche der Atemwege erreicht werden, hängt von der Inhalationsmethode, dem Inhalationsgerät und der Atemtechnik ab.
Es gibt keine feste Standarddauer. Mit einem effizienten Inhalationsgerät (z. B. PARI COMPACT2) ist eine übliche Füllmenge (z. B. 2,5 ml) häufig in wenigen Minuten inhaliert. Entscheidend sind Gerät, Lösung und Partikelgröße.
Kleinere Partikel können eher tiefere Abschnitte der Atemwege erreichen. Je feiner die Teilchen bei gleicher Ausbringungsrate des Inhalationsgeräts, desto länger dauert die Inhalation. Welche Partikelgröße sinnvoll ist, hängt vom jeweiligen Behandlungsziel ab.
Die Dampfinhalation wird bei Erkältung häufig als wohltuend empfunden. Ein gesicherter medizinischer Nutzen bei Erkältungen, Husten oder Bronchitis ist jedoch nicht belegt [1]. Zudem besteht – insbesondere bei Kindern – eine hohe Verbrühungsgefahr [2], [3]. Die entstehenden Dampfteilchen sind zu groß, um bis in die Lunge zu gelangen; die Wirkung beschränkt sich auf die oberen Atemwege.
Die Salzinhalation über einem Kochtopf ist ein Mythos, dennKochsalz verdampft nicht mit dem Wasser. Der Dampf enthält kein Salz – eine wirksame Salzinhalation ist so nicht möglich.
Geeignete Inhalationsgeräte erzeugen Aerosole definierter Partikelgröße. Dadurch können – abhängig vom Gerät – auch die unteren Atemwege erreicht werden. Kochsalzlösungen und andere zur Inhalation zugelassene Lösungen können ausschließlich mit einem geeigneten Inhalationsgerät sinnvoll angewendet werden.
Dosieraerosole enthalten ärztlich verordnete Medikamente, etwa bei Asthma oder COPD. Umgangssprachlich werden sie häufig auch als Asthmaspray bezeichnet. Sie erfordern eine gute Koordination zwischen Auslösen und Einatmen. Insbesondere bei Kindern und älteren Menschen, sollte eine Inhalierhilfe (Spacer) (z. B. VORTEX) eingesetzt werden, da dies die Anforderungen an die Koordination reduziert.
Bei Trockenpulver-Inhalatoren wird ein ärztlich verordnetes Medikament in Pulverform mit einem kräftigen Atemzug eingeatmet. Eine Koordination ist nicht erforderlich, jedoch ein ausreichend starker Einatemfluss.
Isotone oder hypertone Kochsalzlösungen können die Schleimhäute befeuchten und zähen Schleim durch physikalische Effekte (z. B. Osmose) verflüssigen. Sie können ausschließlich mit einem geeigneten Inhalationsgerät angewendet werden.
Mehr Details finden Sie auf der Ratgeberseite: Inhalieren mit Kochsalzlösung.
Kamille, Kräuter oder ätherische Öle werden teils als angenehm empfunden. Ihre Wirkung beruht vor allem auf Wärme und Befeuchtung der oberen Atemwege.
Wichtig zu wissen:
Inhalieren ist dann sinnvoll, wenn befeuchtende Lösungen oder Wirkstoffe gezielt in die Atemwege eingebracht werden sollen, zum Beispiel:
Beim Inhalieren mit Kindern stehen Sicherheit und altersgerechte Anwendung im Vordergrund. Geeignete Inhalationsgeräte mit Maske oder Mundstück sind der Dampfinhalation deutlich vorzuziehen. Insbesondere bei Kindern sollte die Inhalation von heißem Wasserdampf aufgrund der Verbrühungsgefahr nicht durchgeführt werden [2], [3].
Mehr zum Thema erfahren Sie auf unserer Ratgeberseite: Inhalieren mit Kindern.
Richtig inhalieren heißt, die passende Methode, ein geeignetes Inhalationsgerät und eine medizinisch sinnvolle Anwendung zu wählen. Während die Dampfinhalation mit dem Kochtopf kaum Nutzen bietet und Risiken birgt, ermöglichen geeignete Inhalationsgeräte eine gezielte Inhalation befeuchtender Lösungen oder Medikamente. Besonders bei chronischen Atemwegserkrankungen ist die Inhalation ein zentraler Bestandteil der Therapie – immer in Abstimmung mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt.
Das hängt vom Ziel ab. Zur Befeuchtung eignen sich isotone (Salzgehalt = 0,9% NaCl) und zur Schleimlösung hypertone (Salzgehalt z. B. 3% NaCl) Kochsalzlösungen. Medikamente dürfen ausschließlich nach ärztlicher Verordnung inhaliert werden.
Kochsalzlösungen können Schleim physikalisch durch osmotische Prozesse verflüssigen oder die Schleimhäute gezielt befeuchten. Kamille wird ausschließlich bei der Dampfinhalation eingesetzt, wirkt nur in den oberen Atemwegen und besitzt keinen vergleichbaren schleimlösenden Effekt. Zudem ist Kamille nicht für die Anwendung mit einem Inhalationsgerät geeignet.
Inhalieren kann unterstützend bei akuten Beschwerden und als fester Bestandteil der Therapie chronischer Atemwegserkrankungen sinnvoll sein. Die Auswahl der Methode sollte sich an der jeweiligen Indikation / Beschwerden orientieren.
Isotone Kochsalzlösung kann je nach Bedarf bis zu 4 x täglich mit jeweils 2,5 bis 5ml inhaliert werden [6], hypertone Kochsalzlösung bis zu 4 x täglich 4ml [7].
Die Anwendungshäufigkeit von Medikamenten richten sich strikt nach der ärztlichen Verordnung.
[1] Singh M, Singh M, Jaiswal N, Chauhan A. Heated, humidified air for the common cold. Cochrane Database Syst Rev. 2017 Aug 29;8(8):CD001728. DOI: 10.1002/14651858.CD001728.pub6
[2] Al Himdani S, Javed MU, Hughes J, Falconer O, Bidder C, Hemington-Gorse S, Nguyen D. Home remedy or hazard?: management and costs of paediatric steam inhalation therapy burn injuries. Br J Gen Pract. 2016 Mar;66(644):e193-9. doi: 10.3399/bjgp16X684289
[3] Lonie S, Baker P, Teixeira R. Steam vaporizers: A danger for paediatric burns. Burns. 2016 Dec;42(8):1850-1853. DOI: 10.1016/j.burns.2016.05.009
Hinweis: Der Inhalt des Beitrags stellt keine Therapieempfehlung dar. Die Bedürfnisse von Patienten sind individuell sehr verschieden. Vorgestellte Therapieansätze sollen nur als Beispiele dienen. PARI empfiehlt Patienten, sich stets mit ihrem behandelnden Hausarzt oder Facharzt abzusprechen.
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