Inhalieren – Hintergrundwissen und hilfreiche Tipps

Ein Mann mit kurzem Bart und kurzen Haaren sitzt entspannt in einem Sessel und nutzt ein PARI COMPACT2 Inhalationsgerät. Er hält ein Mundstück mit einem Schlauch verbunden an den Mund, während das blaue Inhalationsgerät auf einem Tisch neben ihm steht. Durch ein großes Fenster im Hintergrund fällt Tageslicht in den Raum, leichte Vorhänge sind zu sehen.

Inhalieren bezeichnet das Einatmen fein zerstäubter Flüssigkeiten (Aerosole), zum Beispiel Kochsalzlösungen oder ärztlich verordneter Medikamente, mithilfe eines geeigneten Inhalationsgeräts. Ziel ist es, Wirkstoffe oder befeuchtende Lösungen direkt in die Atemwege zu bringen. Richtig angewendet kann Inhalieren zur Linderung von Beschwerden wie Husten, Schnupfen, Heiserkeit oder Verschleimung beitragen und ist bei vielen chronischen Atemwegserkrankungen ein fester Bestandteil der ärztlich verordneten Therapie.

Kurz erklärt – das Wichtigste zum Inhalieren

  • Was ist Inhalieren? Flüssigkeiten werden mithilfe eines Inhalationsgeräts oder als Wasserdampf eingeatmet.
  • Welche Methode wofür? Dampfinhalation wirkt ausschließlich in den oberen Atemwegen. Mit einem geeigneten Inhalationsgerät erzeugte Aerosole können, abhängig von der Partikelgröße, auch die Bronchien erreichen.
  • Sicherheit: Heißer Wasserdampf birgt eine erhebliche Verbrühungsgefahr, insbesondere für Kinder. Ätherische Öle sind nicht für alle Menschen geeignet.

Grundlagen der Inhalationstherapie

Beim Inhalieren werden Flüssigkeiten in feine Tröpfchen zerstäubt und eingeatmet. Sind die Partikel kleiner als etwa 5 µm, können sie bis in die tieferen Atemwege der Lunge gelangen. Man spricht dann von lungengängigen Partikeln. Welche Bereiche der Atemwege erreicht werden, hängt von der Inhalationsmethode, dem Inhalationsgerät und der Atemtechnik ab.

Richtig inhalieren – Schritt für Schritt

Vorbereitung

  • Nehmen Sie eine aufrechte, entspannte Sitzposition ein, da dies eine entspannte und tiefe Atmung ermöglicht.
  • Verwenden Sie ausschließlich zugelassene und sterile Inhalationslösungen.
  • Befüllen Sie das Inhalationsgerät gemäß Herstellerangaben.

Atmung während der Inhalation

  • Atmen Sie ruhig und gleichmäßig ein und aus.
  • Über den Mund inhalieren, wenn die Bronchien oder Lunge erreicht werden sollen.
  • Über die Nase inhalieren z. B. mit Maske, wenn die oberen Atemwege im Vordergrund stehen.

Dauer und Häufigkeit

Es gibt keine feste Standarddauer. Mit einem effizienten Inhalationsgerät (z. B. PARI COMPACT2) ist eine übliche Füllmenge (z. B. 2,5 ml) häufig in wenigen Minuten inhaliert. Entscheidend sind Gerät, Lösung und Partikelgröße.

Kleinere Partikel können eher tiefere Abschnitte der Atemwege erreichen. Je feiner die Teilchen bei gleicher Ausbringungsrate des Inhalationsgeräts, desto länger dauert die Inhalation. Welche Partikelgröße sinnvoll ist, hängt vom jeweiligen Behandlungsziel ab.

Nach der Inhalation

  • Beenden Sie die Inhalation, sobald die Lösung vollständig vernebelt ist oder die empfohlene Dauer erreicht wurde.
  • Reinigen und trocknen Sie das Inhalationsgerät gemäß Herstellerangaben, um eine hygienische Anwendung sicherzustellen.

Gängige Methoden der Inhalation

Inhalieren von heißem Wasserdampf

Die Dampfinhalation wird bei Erkältung häufig als wohltuend empfunden. Ein gesicherter medizinischer Nutzen bei Erkältungen, Husten oder Bronchitis ist jedoch nicht belegt [1]. Zudem besteht – insbesondere bei Kindern – eine hohe Verbrühungsgefahr [2], [3]. Die entstehenden Dampfteilchen sind zu groß, um bis in die Lunge zu gelangen; die Wirkung beschränkt sich auf die oberen Atemwege.

Die Salzinhalation über einem Kochtopf ist ein Mythos, dennKochsalz verdampft nicht mit dem Wasser. Der Dampf enthält kein Salz – eine wirksame Salzinhalation ist so nicht möglich.

Geeignetes Inhalationsgerät (z. B. mit Vernebler)

Geeignete Inhalationsgeräte erzeugen Aerosole definierter Partikelgröße. Dadurch können – abhängig vom Gerät – auch die unteren Atemwege erreicht werden. Kochsalzlösungen und andere zur Inhalation zugelassene Lösungen können ausschließlich mit einem geeigneten Inhalationsgerät sinnvoll angewendet werden.

Dosieraerosole (pMDI)

Dosieraerosole enthalten ärztlich verordnete Medikamente, etwa bei Asthma oder COPD. Umgangssprachlich werden sie häufig auch als Asthmaspray bezeichnet. Sie erfordern eine gute Koordination zwischen Auslösen und Einatmen. Insbesondere bei Kindern und älteren Menschen, sollte eine Inhalierhilfe (Spacer) (z. B. VORTEX) eingesetzt werden, da dies die Anforderungen an die Koordination reduziert.

Trockenpulver-Inhalatoren (DPI)

Bei Trockenpulver-Inhalatoren wird ein ärztlich verordnetes Medikament in Pulverform mit einem kräftigen Atemzug eingeatmet. Eine Koordination ist nicht erforderlich, jedoch ein ausreichend starker Einatemfluss.

Womit inhalieren?

Inhalieren mit Kochsalzlösung

Isotone oder hypertone Kochsalzlösungen können die Schleimhäute befeuchten und zähen Schleim durch physikalische Effekte (z. B. Osmose) verflüssigen. Sie können ausschließlich mit einem geeigneten Inhalationsgerät angewendet werden.

Mehr Details finden Sie auf der Ratgeberseite: Inhalieren mit Kochsalzlösung.

Kamille, Kräuter und ätherische Öle

Kamille, Kräuter oder ätherische Öle werden teils als angenehm empfunden. Ihre Wirkung beruht vor allem auf Wärme und Befeuchtung der oberen Atemwege.

Wichtig zu wissen:

  • Ein schleimlösender Effekt wie bei Kochsalzlösungen ist nicht zu erwarten.
  • Kamille, Kräuter oder ätherische Öle dürfen nicht mit einem Vernebler verwendet werden, da sie in der Regel nicht zur Verneblung zugelassen sind.
  • Bei Kindern sowie bei Menschen mit Asthma, Allergien oder empfindlichen Atemwegen können ätherische Öle unerwünschte Reaktionen auslösen.

Wann ist Inhalieren sinnvoll – und wann nicht?

Wann Inhalieren sinnvoll sein kann

Inhalieren ist dann sinnvoll, wenn befeuchtende Lösungen oder Wirkstoffe gezielt in die Atemwege eingebracht werden sollen, zum Beispiel:

  • bei akuten Atemwegsinfekten wie Erkältung oder Husten (unterstützend)
  • bei Verschleimung der Atemwege, etwa bei akuter oder chronischer Bronchitis
  • bei chronischen Atemwegserkrankungen wie Asthma oder COPD als fester Bestandteil der ärztlich verordneten Therapie
  • bei Heiserkeit oder trockenen Schleimhäuten, etwa bei starker stimmlicher Belastung

Hier ist Vorsicht geboten

  • Bei unklarer oder zunehmender Atemnot, hohem Fieber oder anhaltenden Beschwerden sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.
  • Kinder sollten keinen heißen Wasserdampf inhalieren.
  • Medikamente dürfen nur nach ärztlicher Verordnung inhaliert werden.

Sonderfall: Inhalieren mit Kleinkind

Beim Inhalieren mit Kindern stehen Sicherheit und altersgerechte Anwendung im Vordergrund. Geeignete Inhalationsgeräte mit Maske oder Mundstück sind der Dampfinhalation deutlich vorzuziehen. Insbesondere bei Kindern sollte die Inhalation von heißem Wasserdampf aufgrund der Verbrühungsgefahr nicht durchgeführt werden [2], [3].

Mehr zum Thema erfahren Sie auf unserer Ratgeberseite: Inhalieren mit Kindern.

Häufige Fehler beim Inhalieren vermeiden

  • Keine selbst hergestellten Salzlösungen verwenden – sie sind nicht steril und haben oft nicht die richtige Salzkonzentration
  • Inhalationszubehör wie Vernebler, Filter oder Mundstücke regelmäßig gemäß Herstellerangaben austauschen.
  • Schläuche nicht ausspülen oder desinfizieren, wenn sie nicht mit Mund oder Nase in Kontakt kommen.

 

Fazit

Richtig inhalieren heißt, die passende Methode, ein geeignetes Inhalationsgerät und eine medizinisch sinnvolle Anwendung zu wählen. Während die Dampfinhalation mit dem Kochtopf kaum Nutzen bietet und Risiken birgt, ermöglichen geeignete Inhalationsgeräte eine gezielte Inhalation befeuchtender Lösungen oder Medikamente. Besonders bei chronischen Atemwegserkrankungen ist die Inhalation ein zentraler Bestandteil der Therapie – immer in Abstimmung mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt.

FAQ – Häufige Fragen zum Inhalieren

Das hängt vom Ziel ab. Zur Befeuchtung eignen sich isotone (Salzgehalt = 0,9% NaCl) und zur Schleimlösung hypertone (Salzgehalt z. B. 3% NaCl) Kochsalzlösungen. Medikamente dürfen ausschließlich nach ärztlicher Verordnung inhaliert werden.

  • Nase: bei Beschwerden der oberen Atemwege z. B. mit passender Maske.
  • Mund: bei Beschwerden der Bronchien und der Lunge.

Kochsalzlösungen können Schleim physikalisch durch osmotische Prozesse verflüssigen oder die Schleimhäute gezielt befeuchten. Kamille wird ausschließlich bei der Dampfinhalation eingesetzt, wirkt nur in den oberen Atemwegen und besitzt keinen vergleichbaren schleimlösenden Effekt. Zudem ist Kamille nicht für die Anwendung mit einem Inhalationsgerät geeignet.

Inhalieren kann unterstützend bei akuten Beschwerden und als fester Bestandteil der Therapie chronischer Atemwegserkrankungen sinnvoll sein. Die Auswahl der Methode sollte sich an der jeweiligen Indikation / Beschwerden orientieren.

Isotone Kochsalzlösung kann je nach Bedarf bis zu 4 x täglich mit jeweils 2,5 bis 5ml inhaliert werden [6], hypertone Kochsalzlösung bis zu 4 x täglich 4ml [7].

Die Anwendungshäufigkeit von Medikamenten richten sich strikt nach der ärztlichen Verordnung.

[1]  Singh M, Singh M, Jaiswal N, Chauhan A. Heated, humidified air for the common cold. Cochrane Database Syst Rev. 2017 Aug 29;8(8):CD001728. DOI: 10.1002/14651858.CD001728.pub6

[2]  Al Himdani S, Javed MU, Hughes J, Falconer O, Bidder C, Hemington-Gorse S, Nguyen D. Home remedy or hazard?: management and costs of paediatric steam inhalation therapy burn injuries. Br J Gen Pract. 2016 Mar;66(644):e193-9. doi: 10.3399/bjgp16X684289

[3]  Lonie S, Baker P, Teixeira R. Steam vaporizers: A danger for paediatric burns. Burns. 2016 Dec;42(8):1850-1853. DOI: 10.1016/j.burns.2016.05.009

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Hinweis: Der Inhalt des Beitrags stellt keine Therapieempfehlung dar. Die Bedürfnisse von Patienten sind individuell sehr verschieden. Vorgestellte Therapieansätze sollen nur als Beispiele dienen. PARI empfiehlt Patienten, sich stets mit ihrem behandelnden Hausarzt oder Facharzt abzusprechen.


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