Lungenarzt Dr. Fischer erklärt, worauf es bei Urlaub mit Asthma ankommt: Vorbereitung, Reiseziel, Flug und Unterkunft.

Ein Urlaub mit Asthma ist mit entsprechender Vorbereitung sehr gut möglich. Der Lungenfacharzt Prof. Dr. Rainald Fischer erklärt, was Menschen mit Asthma bei Reiseplanung, Vorbereitung und Auswahl von Destination und Unterkunft beachten sollten.
Prof. Dr. Fischer: Asthma lässt sich inzwischen medikamentös sehr gut einstellen. Solange der FEV1-Wert über 50 Prozent liegt, was sehr häufig der Fall ist, sehe ich in der Regel keine großen Probleme für Reisen oder Fernreisen.
Prof. Dr. Fischer: Ungünstig können sehr abgelegene Orte mit schlechter medizinischer Versorgung und Städte mit extremer Luftverschmutzung sein. Kritisch kann auch große Kälte werden, weil diese eine Verengung der Bronchien auslösen kann. Daneben könnte große Höhe problematisch werden, weil man dort bei schlecht eingestelltem Asthma Atemnot entwickeln kann. Gut eingestellt und mit den Medikamenten im Gepäck können Menschen mit Asthma aber sehr viel machen.

Prof. Dr. Fischer: Entscheidend ist letztlich, ob es klimatisch für die Patientinnen und Patienten angenehm ist. Kälte ist dabei für Menschen mit Asthma öfter ein Problem als Wärme. Kälte reizt in der Regel die Atemwege und macht eng. Bei Wärme bzw. Hitze kommt es meist nur dann zu Atemproblemen, wenn schwüle, feuchte Luft dazukommt.
Zudem sollte man sich vorab Gedanken machen, ob die Witterung am Urlaubsort für die Medikamente ein Problem darstellen könnte. Bei kühlen Temperaturen und Kälte kann es passieren, dass das klassische Asthmaspray nicht mehr zuverlässig funktioniert, da sich das Treibgas im Dosieraerosol zusammenzieht und der Druck im Behälter sinkt. Infolgedessen wird das Medikament beim Auslösen nicht mehr fein genug zerstäubt, so dass die Tröpfchen zu groß bleiben. Dadurch setzt sich das Medikament im Mund- und Rachenraum ab, statt in die Bronchien vorzudringen, wo es wirken soll.
Ganz konkret: Schon ab Temperaturen unter 10 °C lässt der Druck in klassischen Dosieraerosolen spürbar nach. Bei 4 °C bis 0 °C halbiert sich die Wirkstoffmenge, die tatsächlich in den unteren Atemwegen ankommt, da Kälte die Tröpfchen vergrößert und sie im Rachen hängen bleiben. Bei extremer Kälte um −10 °C bricht die Lungendosis sogar um bis zu 70 % ein. Ich selbst hatte einmal zum Test ein Asthmaspray am Mount McKinley. Bei unter -20° hat das überhaupt nicht mehr funktioniert. Unabhängig davon würde ich Asthmatikern von Bergtouren in starker Kälte und großer Höhe abraten.
Prof. Dr. Fischer: Für die tägliche Langzeittherapie ist Kälte selten ein Thema, da man diese meist drinnen im Warmen durchführt. Draußen bewahrt man das Notfallspray am besten in einer Innentasche der Jacke auf, am besten bereits ab 10 Grad. Damit bleibt es durch die Körperwärme warm. Zusätzlich kann man das Spray in eine Thermohülle und dann in die Innentasche stecken. So hat man einen zusätzlichen Puffer.
Wer häufig bei Kälte unterwegs ist, kann mit der Ärztin oder dem Arzt zudem besprechen, ob ein Umstieg auf einen Pulverinhalator sinnvoll ist. Pulverinhalatoren benötigen kein Treibgas und funktionieren temperaturunabhängig. Voraussetzung hierfür ist aber, dass der Patient auch während eines Anfalls ausreichend Einatemkraft aufbringen kann.
Prof. Dr. Fischer: Nur dann nicht, wenn das Asthma schlecht eingestellt oder der FEV1 unter 50 % liegt. Ansonsten ist Bergluft in Höhen von etwa 1.500 bis 2.500, maximal 3.000 Metern für Asthmatiker tatsächlich günstig, weil eine geringere Pollenbelastung herrscht. Hier muss man allerdings etwas differenzieren. Typische Frühblüher wie Birke kommen im Hochgebirge kaum oder gar nicht vor. Ich kenne birkenpollenallergische Bergführer, die im März und April Skitour in der Höhe gehen und dort absolut beschwerdefrei sind.
Für andere Pflanzen gilt, dass die Vegetationsperiode im Gebirge durch den Schnee deutlich kürzer ist. Wenn die Gräser und Gebirgspflanzen im Hochsommer blühen, verteilt sich das nicht über mehrere Monate wie im Tal, sondern geschieht sehr komprimiert. Das kann phasenweise zu kurzen, intensiven Pollenspitzen führen. Dennoch ist die Gesamtpollensaison im Hochgebirge drastisch verkürzt und Asthmatiker können einfacher pollenfreie Zeitfenster finden als im Flachland. Wie sich die Pollensituation durch den Klimawandel und steigende Temperaturen in den Höhenlagen verändern wird, bleibt abzuwarten.
Prof. Dr. Fischer: Lange Zeit galt die Regel, dass man ab 1.500 Metern vor Hausstaubmilben sicher ist. In der freien Natur stimmt das wegen der Kälte und Trockenheit auch nach wie vor. Allerdings gilt diese Garantie für Innenräume heute nicht mehr uneingeschränkt. Eine Studie der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg (Grafetstätter et al., 2016) konnte zeigen, dass auch in hochgelegenen Unterkünften wie Hotels klinisch relevante Mengen an Milbenallergenen vorkommen.
Durch moderne Isolierung, Heizungen und Doppelverglasung schaffen wir in Räumen selbst im Hochgebirge ein künstliches Mikroklima, in dem Milben überleben. Wer als Asthmatiker stark auf Hausstaubmilben reagiert, sollte bei der Unterkunft im Gebirge also gezielt nach zertifizierten Allergiker-Zimmern fragen. Zudem empfehlen sich Zimmer ohne Teppichboden oder Holzvertäfelungen, da sich dort vermehrt Kot der Hausstaubmilben sammelt bzw. Schimmel bilden kann. Beides reizt die Atemwege.
Prof. Dr. Fischer: Das Wichtigste ist an die Versorgung mit den eigenen Medikamenten zu denken. Es müssen genügend für den gesamten Urlaubszeitraum dabei sein sowie Reserve- und Notfallmedikamente. Manchmal habe ich Patienten, die für ein halbes Jahr verreisen wollen und überrascht sind, dass ich Medikamente nur für ein Quartal im Voraus verordnen darf. Hier muss man sich rechtzeitig überlegen, wie man an die fehlenden Medikamente kommt.
Der zweite wichtige Punkt ist die Frage: Was passiert, wenn sich die Symptome plötzlich verschlimmern? Wo finde ich medizinische Hilfe? Asthmatiker sind häufig jüngere Patienten, die mitten im Leben stehen, aktiv sind und viel reisen. Für sie ist entscheidend, einen schriftlichen Notfallplan dabeizuhaben und genau zu wissen, wie man diesen umsetzt. Diesen Plan sollte man vorab mit dem behandelnden Arzt oder der Ärztin erstellen und besprechen. Zusätzlich sollte man sich im Vorfeld informieren, wo es am Urlaubsort ein Krankenhaus mit Notaufnahme oder Asthmazentren gibt.

Prof. Dr. Fischer: Alle Medikamente und medizinischen Geräte wie Inhalierhilfen, Vernebler zur Feuchtinhalation und PEP-Systeme gehören ins Handgepäck, auch die Reservemedikamente. Es kann immer passieren, dass der aufgegebene Koffer nicht ankommt und auch nicht mehr aufgefunden werden kann. Dann steht man im Urlaub ohne Therapie da. Die Mitnahme von Medikamenten – abgesehen von Betäubungsmitteln – im Handgepäck ist gesetzlich erlaubt. Man braucht keine Angst haben, dass einem das Asthmaspray vor dem Flug abgenommen wird. Sinnvoll ist dabei, die Medikamente in der Originalverpackung zu belassen.
Noch ein zweiter Punkt: Die Luft im Flugzeug ist sehr trocken. Es empfiehlt sich daher, viel zu trinken, um die Schleimhäute feucht zu halten. Wer merkt, dass Hustenreiz entsteht oder das Durchatmen schwerfällt, sollte sofort das Notfallspray nutzen und nicht abwarten. Stress oder Angst vor einem Anfall im Flugzeug kann die Atemnot zusätzlich verstärken. Daher sofort handeln. Idealerweise nutzt man auch im Flugzeug eine Inhalierhilfe, damit das Medikament ruhig über mehrere Atemzüge eingeatmet und optimal wirken kann.
prof. Dr. Fischer: Ja. Asthma sollte heutzutage kein Hindernis mehr sein, die Welt zu entdecken. Wer sein Asthma im Griff, einen Notfallplan hat und seine Medikamente richtig verstaut, kann seinen Urlaub genauso unbeschwert genießen wie jeder andere Mensch auch.
Prof. Dr. Rainald Fischer ist niedergelassener Facharzt für Innere Medizin, Teilgebiet Lungen- und Bronchialheilkunde, Fachkunde Notfallmedizin, Schlafmedizin und Allergologie in München-Pasing. Davor war er als Internist und Lungenfacharzt, zuletzt Oberarzt an der medizinischen Universitätsklinik Innenstadt München tätig. Prof. Dr. Rainald Fischer ist Gründungsmitglied und war langjähriger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Berg- und Expeditionsmedizin. Zudem leitet er ein großes Studienzentrum mit dem Schwerpunkt Asthma, COPD, interstitielle Lungenerkrankungen, Bronchiektasen und Mukoviszidose.
Erfahrungen einer Familie: Urlaub mit Asthma
Hinweise: Bei den im Interview getroffenen Aussagen handelt es sich um die individuelle Sichtweise des Interviewten. Diese spiegeln nicht zwangsläufig die PARI Sichtweise oder den allgemeinen Stand der Wissenschaft wider.
Der Inhalt des Beitrags stellt außerdem keine Therapieempfehlung dar. Die Bedürfnisse von Patienten sind individuell sehr verschieden. Vorgestellte Therapieansätze sollen nur als Beispiele dienen. PARI empfiehlt Patienten, sich stets mit ihrem behandelnden Hausarzt oder Facharzt abzusprechen.
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