Hilfe bei Kurzatmigkeit und Engegefühl: Lippenbremse, PEP und Co

Das Gefühl von Kurzatmigkeit und Enge kennen viele Allergiker, Asthmatiker, COPD- und Mukoviszidose-Patienten genauso wie Menschen mit Primärer Ciliärer Dyskinesie. Meistens gehen Unwohlsein und Leistungsabfall mit engen Atemwegen einher.

Kurzatmigkeit und Engegefühl – woher kommt das?

„Zu engen Atemwegen und einer damit einhergehenden Kurzatmigkeit kommt es meistens, weil die Schleimhäute in der Lunge geschwollen sind. Gründe für eine Schwellung der Schleimhäute können sein: allergische Reaktion, Entzündungsreaktion oder Reaktion auf Gifte, wie zum Beispiel Zigarettenrauch,“ weiß Atemphysiotherapeutin Marlies Ziegler. Sie erklärt weiter: „Aufgrund geschwollener Schleimhäute verbleibt mehr Schleim in den Bronchien, was die Enge weiter verschlimmert. Durch die Verengung der Atemwege ist der Luftfluss in der Lunge gestört. Eingeatmete Luft kann nicht mehr genügend abgeatmet werden. Eine Überblähung der Lunge kann entstehen. In Folge dessen fühlen sich Patienten noch mehr kurzatmig.“

Warum helfen Lippenbremse und PEP Systeme gegen Kurzatmigkeit?

Sind Schleimhäute gereizt und der Luftfluss in der Lunge gestört, können die Bronchien dazu tendieren bei der Ausatmung zu kollabieren, das heißt, in sich zusammenfallen. Dem können Betroffene entgegenwirken, wenn Sie durch die Lippenbremse oder ein  PEP System (PEP = Positive Expiratory Pressure) ausatmen. „Das Prinzip ist sowohl bei der Lippenbremse als auch den PEP Systemen das gleiche: Der Ausatmung wird ein externer Widerstand vorgeschaltet. Der Druckabfall in den Bronchien vollzieht sich langsamer, da die Atemwege stabilisiert werden. Ein vorzeitiges Kollabieren der  Atemwege wird so verhindert. Patienten können durch Lippenbremse oder PEP länger ausatmen als ohne und damit mehr Luft abatmen,“ erläutert die Physiotherapeutin. Bildlich gesprochen wird die „alte“ Luft ausgeatmet, die in zu großer Menge in der Lunge vorhanden ist, dadurch kann mehr „frische“ Luft in die Lunge strömen. Die Kurzatmigkeit wird gelindert.

Lippenbremse – so führen Sie die Atemtechnik richtig durch

Für die dosierte Lippenbremse legen Sie die Lippen locker aufeinander. Es soll ein schmaler Spalt zwischen den Lippen entstehen, durch den die Luft langsam und lange entweichen kann. Wichtig dabei ist: Nicht pressen, möglichst keine Spannung in Lippen und Wangen. 

„Der große Vorteil der Lippenbremse ist, dass sie sich wunderbar in den Alltag integrieren lässt. Die Patienten können die Atemtechnik nutzen, egal ob sie gerade zu Hause oder unterwegs sind. Die Lippen hat man immer dabei. Patienten können die Lippenbremse unmittelbar und unauffällig einsetzen, um Luft zu bremsen und die Atemwege stabil zu halten – vorausgesetzt die Lippenbremse wird korrekt durchführt,“ so Marlies Ziegler.

PARI PEP System – das bringt’s und so geht’s

Die Physiotherapeutin weiß aber aus Erfahrung auch, dass „…manche Patienten die Lippen bei der Lippenbremse zu stark anspannen. Die Atemtechnik funktioniert dann nicht mehr nicht richtig. In diesem Fall ist die Anwendung eines  PEP Systems besser.“ PARI bietet verschiedene PEP Systeme in unterschiedlicher Ausführung und Größe an. In diesem Blog-Beitrag stellen wir zwei Systeme vor.

PARI PEP S System

Ein Beispiel ist das PARI PEP S System, das schlank und handlich ist. Dadurch lässt sich das System in unterschiedlichen Lagerungen anwenden – also nicht nur in einer aufrechten Position, sondern zum Beispiel auch während Mobilisations- und Atemübungen. einsetzen. Außerdem lässt sich Atemwiderstand flexibel regulieren, so dass jeder Patient für sich die richtige Einstellung finden kann. Das PARI PEP S System lässt sich zudem beispielsweise auf die PARI Vernebler LC PLUS, PARI LC SPRINT STAR und PARI LL aufsetzen. „Für Patienten mit Mukoviszidose oder anderen Atemwegserkrankungen, die regemäßig inhalieren, Kurzatmigkeit bekämpfen und Sekret mobilisieren müssen, ist das eine schöne Möglichkeit die Therapie effizienter zu gestalten“, sagt Marlies Ziegler. Dabei ist es ratsam, die richtige Anwendung eines PEP System gemeinsam mit einem Physiotherapeuten zu testen und zu erlernen. „Ziel beim Einsatz eines PEP System ist immer, dass der Patient die Ausatmung über mehrere Atemzüge hinweg ohne Anstrengung verlängern kann. Der Patient darf nicht ins Pressen kommen. Es darf zu keinem Stau in den Halsvenen kommen. Dies zeigt sich, wenn die Halsvene während der Ausatmung hervortreten. Das gelingt, indem man den richtigen Widerstand findet und am PEP System einstellt,“ so Marlies Ziegler.

PARI O-PEP – wie „Ketchup aus der Flasche schütteln“

Ein anderes Beispiel ist das PARI O-PEP. Die Physiotherapeutin erklärt: „Die Besonderheit ist hier, dass es sich um ein sogenanntes oszillierendes PEP System handelt. Durch die Ausatmung bringt der Patient eine Metallkugel im Inneren des Gerätes zum Tanzen. Die Kugel fungiert hier nicht nur als Widerstand, sondern sie löst auch Schüttelbewegungen in den Bronchien aus. Dadurch mobilisiert der Patient gleichzeitig Sekret, das häufig zur Kurzatmigkeit beiträgt. Das Prinzip des PARI O-PEP lässt sich mit einer Ketchup-Flasche vergleichen. Das zähflüssige Ketchup fließt auch einfacher aus der Flasche, nachdem man es geschüttelt hat.“

Noch mehr Tipps und Hilfe gegen Kurzatmigkeit

Gegen einen Widerstand auszuatmen ist ein gutes Mittel gegen Kurzatmigkeit. Sie können aber noch mehr tun im Falle von Atemnot. Marlies Ziegler zeigt in einem weiteren Blog-Beitrag Übungen und gibt Tipps gegen Atemnot.

Über Marlies Ziegler

Marlies Ziegler arbeitet als niedergelassene Physiotherapeutin in München. Ihr Schwerpunkt liegt auf Atemphysiotherapie. Sie behandelt seit 20 Jahren Patienten mit chronischen obstruktiven und restriktiven Atemwegserkrankungen, wie Asthma, COPD, Mukoviszidose (CF) und Primäre Ciliäre Dyskinesie (PCD). 

 

HINWEIS: Der Inhalt des Beitrags stellt keine Therapieempfehlung dar. Die Bedürfnisse von Patienten sind individuell sehr verschieden. Vorgestellte Therapieansätze sollen nur als Beispiele dienen. PARI empfiehlt Patienten, sich stets mit ihrem behandelnden Facharzt und Physiotherapeuten abzusprechen.

Ein Beitrag der PARI-BLOG Redaktion.


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