Dr. Justus de Zeeuw, Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie, über Sepsis durch Atemwegsinfekte, deren Behandlung und Vorbeugung.

Atemwegsinfektionen sind die häufigste Ursache für eine Sepsis. Daher sind Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen einem erhöhten Risiko ausgesetzt: Die Bronchien sind anfälliger für Infekte. Im Interview haben wir mit Dr. Justus de Zeeuw, Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie, über dieses Thema gesprochen. Er erklärt, wie sich Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen wie COPD und Asthma vor einer Sepsis durch akute Atemwegsinfekte schützen können.

Dr. Justus de Zeeuw: Von der ursprünglichen Infektion bis zur Sepsis kann es nur drei bis vier Tage dauern. Atemwegsinfekte sind die häufigste Ursache einer Sepsis, weil sie schlichtweg die häufigste Infektionsart überhaupt sind. Wir leiden im Laufe unseres Lebens hunderte Male an Husten oder Schnupfen. Während eine Wunde, etwa durch einen rostigen Nagel im Fuß, eher die Ausnahme bleibt.
Die Lunge ist durch das ständige Atmen das am leichtesten zugängliche Einfallstor für Keime aus der Umwelt. Oft beginnt es mit einem viralen Infekt, der das Immunsystem schwächt und so den Weg für eine bakterielle Superinfektion ebnet. Erst diese Bakterien sind es dann, die von der Lunge aus in die Blutbahn gelangen und die lebensbedrohliche Kettenreaktion der Sepsis auslösen.
Dr. Justus de Zeeuw: Das Symptom, das eine Sepsis von Symptomen anderer Infektionen wie z. B. einer Infektion mit dem Influenza-Virus (Grippe) unterscheidet, ist eine ausgeprägte Schwäche und Benommenheit. Bei einer Sepsis fühlt man sich richtig krank und schwach, man ist eingetrübt. Jemand, der eine Sepsis hat, reagiert nicht richtig, antwortet sehr verzögert oder gar nicht und es wirkt, als würde er gleich einschlafen oder das Bewusstsein verlieren. Der Körper kann nicht mehr richtig mit äußeren Reizen umgehen.
Kann jemand z. B. mit Grippe noch selbstständig sagen: „Ich habe Gliederschmerzen. Ich lege mich jetzt ins Bett“, muss jemand mit einer Sepsis aufgefordert, ins Bett begleitet und dabei gestützt werden. Das ist einem Kreislauf geschuldet, der sich im Ausnahmezustand befindet. Der Blutdruck fällt extrem ab, der Puls ist hoch. Manchmal tritt Fieber auf, aber nicht immer. Denn der Körper kann auch zu schwach sein, um die Energie aufzubringen, Fieber zu entwickeln. Sepsis ist ein medizinischer Notfall. Wenn Sie das Gefühl haben, da stimmt etwas nicht, ist der Notruf die einzig richtige Entscheidung.

Dr. Justus de Zeeuw: Sofortiges Handeln ist nötig. Es spielt eine große Rolle, ob das Antibiotikum nach einer Stunde oder erst nach zwei, drei oder sechs Stunden eingenommen wird. Je früher, desto wahrscheinlicher ist das Überleben. Wenn das Antibiotikum nach einer Stunde eingenommen wird, erwarte ich, dass ich am nächsten Tage eine Besserung sehe. Wenn die Einnahme spät erfolgt, kann die Besserung auch eine Woche dauern.
Bei einer Sepsis steigt das Risiko für Organversagen mit jeder Stunde. Daneben konzentriert der Körper das Blut durch die sogenannte Zentralisation des Kreislaufs im Zentrum. Das periphere Gewebe in den Fingern und Zehen wird dann nicht mehr durchblutet, was sich durch marmorierte Haut oder schwarze Stellen äußert. Das Gewebe stirbt sozusagen ab.
Dr. Justus de Zeeuw: Generell haben alle mit einer vorher bestehenden Schwäche ein erhöhtes Risiko eine Sepsis zu entwickeln.
Das gilt für Menschen:
Dr. Justus de Zeeuw: Chronische Atemwegserkrankungen erhöhen das Sepsis-Risiko, weil die Bronchien sowieso schon anfällig für Infekte sind und der Körper unter einer Infektion stärker „leidet“. Menschen mit COPD sind häufiger von einer Sepsis betroffen als Lungengesunde, da die Lunge geschädigt ist. Das gilt für Asthmatiker nicht, sofern diese gut behandelt sind. Asthmatiker haben eine strukturell (gesund) unveränderte Lunge, die auf bestimmte Reize mit einer chronischen Entzündung reagiert. Bei COPD ist das Lungengewebe tatsächlich verändert und geschädigt. Das macht einen Unterschied.
Dr. Justus de Zeeuw: Bei einer Sepsis bekommen alle Antibiotika. Welche hängt von den Bakterien ab, die für die Sepsis verantwortlich sind.
Dr. Justus de Zeeuw: Ja, die Nachwirkungen einer Sepsis sind erheblich. Denn Betroffene verlieren innerhalb von 14 Tagen ungefähr die Hälfte ihrer Muskelmasse. Das ist Folge der Inaktivität. Der Fachbegriff ist Inaktivitätsatrophie. Dazu kommen Entzündungsprozesse, die zu einer sogenannten katabolen Stoffwechsellage führen, der Körper zehrt also von seinen Reserven, dazu gehört auch Muskelmasse. Die Muskeln müssen mühsam wieder aufgebaut werden.
Daher muss sich an den Krankenhausaufenthalt eine drei- bis vier-wöchige Reha anschließen, in der sich Betroffene erholen und gezielt Muskeln wieder aufbauen können. Ohne Reha dauert es eher sechs Monate bis ein Jahr, bis man sich von einer Sepsis vollständig erholt hat.
Dr. Justus de Zeeuw: Nein, einer Sepsis kann man nicht vorbeugen. Wohl aber kann man sich vor Atemwegsinfekten schützen, indem man:
Zusätzlich unterstützt die Feuchtinhalation mit Salzlösungen (isoton oder hyperton) die natürlichen Abwehrmechanismen der Atemwege.
Der größte Fehler wäre übrigens, prophylaktisch Antibiotikum zu nehmen. Antibiotikum bringt die Darmflora aus dem Gleichgewicht, was sich wiederum negativ auf die Funktionstüchtigkeit des Immunsystems auswirkt.

Dr. Justus de Zeeuw: Salzhaltige Lösungen können die natürliche Reinigungsfunktion der Atemwege unterstützen und helfen, Schleim und Krankheitserreger abzutransportieren. Sie können den Verlauf von Atemwegsinfekten positiv beeinflussen, ersetzen aber keine anderen Schutzmaßnahmen wie z. B. Impfungen. Es gibt Hinweise aus Studien, dass Kochsalzlösungen, die Anhaftung von Viren an den Schleimhäuten beeinflussen können – und so zur Vorbeugung von viralen Atemwegsinfekten beitragen können.* Kochsalzlösungen wie PARI NaCl 0,9 % Inhalationslösung sind in der Apotheke und in Online-Shops frei verkäuflich. Jeder kann diese einfach erwerben und zuhause aktiv etwas für den Schutz gegen Virusinfekte tun.
Dr. med. Justus de Zeeuw ist Facharzt für Innere Medizin mit Schwerpunkt Pneumologie und seit 2014 in Köln-Poll niedergelassen. Nach seinem Medizinstudium an der Ruhr-Universität Bochum und der Facharztausbildung am Universitätsklinikum Bergmannsheil in Bochum war er als Chefarzt am St. Josef Krankenhaus Haan und am Petrus-Krankenhaus Wuppertal tätig.
Sein klinischer Schwerpunkt liegt in der Diagnostik und Therapie von Asthma, COPD und interstitiellen Lungenerkrankungen mit Fokus auf moderne Lungenfunktionsdiagnostik und evidenzbasierte Therapie. Dr. de Zeeuw verfügt über Zusatzqualifikationen in Schlafmedizin und strukturierter Tabakentwöhnung und engagiert sich aktiv in der ärztlichen Fort- und Weiterbildung.
Hinweise: Bei den im Interview getroffenen Aussagen handelt es sich um die individuelle Sichtweise des Interviewten. Diese spiegeln nicht zwangsläufig die PARI Sichtweise oder den allgemeinen Stand der Wissenschaft wider.
Der Inhalt des Beitrags stellt außerdem keine Therapieempfehlung dar. Die Bedürfnisse von Patienten sind individuell sehr verschieden. Vorgestellte Therapieansätze sollen nur als Beispiele dienen. PARI empfiehlt Patienten, sich stets mit ihrem behandelnden Hausarzt oder Facharzt abzusprechen.
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