Ratgeber & Erfahrungen anderer Eltern und Expertentipps für die Inhalation mit Babys, Kleinkindern und Schulkindern

Ein quälender Reizhusten, Husten mit zähem Schleim oder eine verstopfte Nase sind typische Symptome, bei denen die Inhalation Linderung verschaffen kann.
Bei chronischen Atemwegserkrankungen wie Asthma oder Mukoviszidose gehört die Inhalationstherapie häufig zum festen Behandlungsplan. Methode, Häufigkeit und Medikamente werden individuell von der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt festgelegt.
Auch bei bestimmten akuten Erkrankungen der unteren Atemwege, zum Beispiel einer Bronchiolitis oder Bronchitis, wird in vielen Kinderarztpraxen die Inhalation von Kochsalzlösungen eingesetzt. Ob das im Einzelfall sinnvoll ist, entscheidet immer die Kinderärztin oder der Kinderarzt.
Viele Eltern haben das Gefühl, dass ihr Kind „ständig erkältet“ ist. Tatsächlich können bis zu acht Atemwegsinfekte pro Jahr bei Kindern bis etwa zum 10. Geburtstag noch im normalen Rahmen liegen. Meist handelt es sich dabei um eher harmlose, virale Infekte, die von selbst wieder abklingen.
Trotzdem können die typischen Symptome wie Husten, verstopfte Nase oder Verschleimung für das Kind und die ganze Familie sehr belastend sein. Um Beschwerden zu lindern und ihre Kinder gut durch die Infektsaison zu begleiten, nutzen manche Eltern die Inhalation mit einem geeigneten Inhalationsgerät.
Die Inhalation ersetzt keine Hygienemaßnahmen, wie Abstand zu Menschen mit Symptomen, Schutzimpfungen oder eine ärztlich verordnete Therapie. Richtig angewendet kann sie Symptome wie Husten und Schnupfen lindern.
Die Inhalation von isotoner Kochsalzlösung kann die Atemwege gezielt befeuchten und so zum Schutz vor Austrocknung beitragen.
Hypertone Kochsalzlösung kann dazu beitragen zähen Schleim zu lösen und abzuhusten.
Kochsalzlösungen mit Ectoin können die natürliche Barriere der Atemwege noch besser schützen.
Trotz dieser Vorteile lässt Inhalation Infekte nicht über Nacht verschwinden und ersetzt keine Schutzimpfung. Sie wirkt physikalisch unterstützend auf die Schleimhäute und ist kein Ersatz für eine ärztliche Abklärung bei Warnzeichen wie hohem Fieber oder Atemnot.
Bei der Inhalation wird eine Flüssigkeit mithilfe eines Geräts in einen feinen Nebel verwandelt. Dieser Nebel, das sogenannte Aerosol, wird über eine Maske oder ein Mundstück eingeatmet und kann so direkt in die Atemwege gelangen.
Ein Inhalationsgerät mit altersgerechter Ausstattung
Eine ruhige Umgebung
Zeit und Geduld einer vertrauten Bezugsperson
Das Inhalieren von heißem Wasserdampf über Schüssel und Kochtopf gilt für viele als das klassische Hausmittel. Für Kinder ist diese Methode jedoch problematisch, da sie häufig zu Verbrühungen führen kann [1] und in Studien kein medizinischer Nutzen gezeigt werden konnte [2] [3].
Bei der Feuchtinhalation werden Inhalationslösungen ohne Hitze z. B. durch Druckluft oder eine Schwingmembran in Teilchen vernebelt, die so fein sind, dass sie auch die Lunge erreichen können.
Kinderkrankenschwester Yvette Jung zeigt in diesem Video, worauf es bei der Inhalation mit Kindern ankommt – von Haltung und Maskensitz bis zur Motivation.
In der Regel ist das Inhalieren mit Mundstück bei Husten effektiver, da das Aerosol direkt in die Lunge gelangt und kein zusätzlicher Umweg über die Nase erfolgt. Babys und Kleinkinder können jedoch meist noch nicht über ein Mundstück inhalieren. In diesem Fall ist eine dicht sitzende Maske besonders wichtig. Ein Wechsel zum Mundstück empfiehlt sich, sobald Ihr Kind bewusst und ruhig durch den Mund ein- und ausatmen kann.
Für Babys und Kleinkinder ist vor allem wichtig, dass die Maske dicht sitzt. Da Säuglinge noch nicht aufrecht sitzen können, enthalten manche Inhalationsgeräte (z. B. PARI BOY Junior) eine spezielle Babymaske für 0–6 Monate und ein Winkelstück für die Inhalation im Liegen.
Sobald ein Kind versteht, wie es das Mundstück zwischen die Lippen nimmt und bewusste Atemübungen ausführen kann, kann die Technik zusammen geübt werden. Oft gelingt das bereits ab etwa zwei Jahren. Ein erstes Anzeichen dafür ist, wenn Ihr Kind sicher mit einem Strohhalm trinken kann.
Im Video zeigt Kinderkrankenschwester Yvette Jung, wie der spielerische Umstieg gelingen kann.
Viele Kleinkinder empfinden das Inhalieren zunächst als Unterbrechung ihres Spiels. Bei Kindern zwischen 1 und 2 Jahren hilft es oft, wenn Sie Ihr Kind für die Inhalation auf den Schoß nehmen. Kleinkinder mögen feste Abläufe, daher unterstützen klare Routinen: Gerät einschalten, das Lieblingsstofftier „inhalieren“ lassen, die Inhalationslösung einfüllen, anschließend Ihr Kind inhalieren lassen.
Bei Kindern im Alter von 3 bis 5 Jahren können Sie bereits erklären, warum die Inhalation hilft. Trotzdem finden viele Kinder sie weniger spannend als ihre Lieblingsspielzeuge. Viele Eltern haben gute Erfahrungen damit gemacht, ihr Kind mitentscheiden zu lassen. Manche Kinder möchten die Inhalationslösung selbst einfüllen oder wählen, ob sie während der Inhalation lieber ein Buch anschauen oder ein kurzes Lieblingsvideo sehen.
Schulkinder verstehen meist, warum die Inhalation ihnen hilft, manche verlangen bei Husten sogar gezielt danach. Ihr Kind kann zunehmend auch schon allein inhalieren, wenn zum Beispiel Salzlösung oder Ectoin inhaliert werden soll. Bei der Inhalation von Medikamenten ist es weiterhin wichtig, dass Sie anwesend sind, um eine Über- oder Unterdosierung im Blick zu haben. Auch die Reinigung des Geräts sollten weiterhin Sie übernehmen.
Im Video Tipps und Übungen zum Abhusten und Schleimlösen bei Kindern und Kleinkindern zeigt Kinderkrankenschwester Yvette Jung verschiedene spielerische Ideen, die das Abhusten nach der Inhalation erleichtern können.
Weitere kindgerechte Anregungen finden Sie im Beitrag Spielend Schleim aus der Lunge lösen mit Kindern: 3 einfache Ideen.
Belohnungen wie ein einfaches Stempelheft können wahre Wunder wirken. Wir stellen Ihnen gerne einen Inhalationspass zur Verfügung in dem Ihr Kind nach jeder Inhalation Stempel sammeln kann.
Heißer Wasserdampf aus Schüssel oder Topf wirkt zwar zunächst unkompliziert, ist für Kinder aber mit erheblichen Risiken verbunden. Schon ein kleiner Stoß kann dazu führen, dass das Gefäß umkippt und heißes Wasser auf das Kind schwappt. Verbrühungen sind laut Krankenhausdaten aus Großbritannien sogar häufig[1]. Zudem konnte in Studien keine positiven Auswirkungen auf Symptome belegt werden [2] [3].
Deshalb gilt: Kinder sollten nicht mit heißem Wasserdampf inhalieren.
Viele Atemwegsinfekte können Sie als Eltern zu Hause begleiten, besonders wenn Sie ähnliche Verläufe schon kennen und Ihr Kind insgesamt munter wirkt. Trotzdem gibt es Situationen, in denen ärztlicher Rat wichtig ist.
Stark erschwerte oder deutlich beschleunigte Atmung
Einziehungen zwischen den Rippen oder am Hals beim Atmen
hörbares Pfeifen, Stöhnen oder Knacken
sehr blasse oder bläuliche Haut um Mund und Lippen
ungewöhnliche Müdigkeit, Trinkschwäche oder anhaltend hohes Fieber
Beschwerden, die trotz bewährter Maßnahmen deutlich zunehmen
In solchen Situationen sollte die Kinderärztin oder der Kinderarzt kontaktiert werden. Bei ausgeprägter Atemnot oder deutlicher Verschlechterung des Allgemeinzustands ist der kinderärztliche Notdienst oder der Notruf die richtige Anlaufstelle.
Wenn Sie unsicher sind, ob ein Besuch in der Praxis nötig ist, kann ein telefonisches Gespräch mit der Kinderarztpraxis oder dem kinderärztlichen Bereitschaftsdienst helfen, die Situation einzuschätzen.
Folgendes sollten Sie unbedingt beachten:
Vor der Inhalation gründlich die Hände waschen und / oder desinfizieren.
Teile wie Maske, Mundstück und Vernebler müssen nach jeder Inhalation entsprechend der Gebrauchsanweisung gereinigt werden.
In regelmäßigen Abständen ist eine Desinfektion z. B. in kochendem Wasser oder einem handelsüblichen Babyflaschen-Vaporisator nötig.
Verschleißteile wie Vernebler und Luftfilter sollten gemäß Gebrauchsanweisung regelmäßig ausgetauscht werden.
Zur Inhalation sollten keine selbst gemischten Inhalationslösungen verwendet werden. Diese sind nicht steril, können verunreinigt sein und sind nicht als Medizinprodukt zugelassen.
Ein klares „Nein“ ist bei der Inhalation nichts Ungewöhnliches. Kinder können sich vor dem Geräusch fürchten, die Maske als unangenehm empfinden oder einfach keine Lust haben, ihren Spielablauf zu unterbrechen.
Statt sofort zu diskutieren, hilft es, nachzufragen: „Was magst du daran nicht?“ oder „Was fühlt sich komisch an?“. Wenn klar ist, ob es um Angst, Langeweile oder Unbehagen geht, lassen sich viel besser passende Lösungen finden.
Viele Kinder reagieren gut auf ehrliches Lob. Es stärkt sie, wenn Eltern sagen: „Du hast das heute richtig gut gemacht“ oder „Ich sehe, wie du dich bemühst“.
Gemeinsame Zeit ist eine der stärksten Motivationen. Wenn Kinder wissen, dass sie während der Inhalation die ungeteilte Aufmerksamkeit eines Elternteils bekommen, fällt ihnen die Mitarbeit oft leichter. Geschichten, Fantasiereisen oder ein gemeinsames Ritual machen aus der Behandlung eine besondere Zeit im Alltag.
Erfahrungsberichte wie Inhalieren mit Kindern bei Erkältung und Schnupfen – Erfahrungen einer Dreifachmama, Kinder zur Inhalation motivieren oder Filmchen schauen als Geheimtipp? zeigen, wie andere Familien mit typischen Alltagssituationen umgehen.

In unseren Experten-Interviews wie Mein Kind will nicht inhalieren: 9 Tipps und Ideen, wie es mit der Motivation klappen kann, Erkältung und Husten bei Säuglingen: So kommt Ihr Baby sanft durch den Infekt, Infekte bei Säuglingen & Kleinkindern – Was tun bei Schnupfen und Husten? erhalten Sie fundierte Antworten auf häufige Elternfragen.
Bei verordneten Medikamenten richtet sich Häufigkeit und Dauer genau nach der ärztlichen Empfehlung.
Bei Kochsalzlösungen mit oder ohne Ectoin sollten Sie sich an die Angaben in der Gebrauchsanweisung halten. Beim Kauf in der Apotheke können Sie zusätzlich die Beratung vor Ort in Anspruch nehmen.
Das ist von Kind zu Kind unterschiedlich und hängt auch davon ab was inhaliert wird.
Werden Medikamente inhaliert, so kann sowohl eine zu geringe Dosierung als auch eine Überdosierung negative Konsequenzen haben. Deshalb muss hierbei unterschieden werden zwischen: Mein Kind kann selbstständig inhalieren und mein Kind inhaliert unbeaufsichtigt.
Werden Salzlösungen mit oder ohne Ectoin inhaliert, gelten diese in der Regel als gut verträglich, weshalb Kinder hier oft mehr Eigenverantwortung übernehmen können als bei Medikamenten.
Manche Kinder übernehmen schon im Vorschulalter kleine Schritte, ab dem Grundschulalter verstehen die meisten den Nutzen der Behandlung und beherrschen die Technik sicher.
Fängt das Kind beim Inhalieren an zu weinen, dann ist es gut die Situation kurz aufzulösen. Bei Säuglingen und Babys kann es helfen ihnen Geborgenheit und Nähe zu vermitteln und sich von dem Gedanken zu verabschieden, dass die Inhalation jetzt sofort erfolgen muss.
Eine Ausnahme stellt ein akuter Asthmaanfall dar bei dem ein Notfallmedikament inhaliert werden muss. In so einer Situation folgen Sie bitte dem Notfallplan Ihrer Ärztin / Ihres Arztes.
Für manche Kinder ist ein kurzer Film oder eine App die beste Möglichkeit, überhaupt ruhig sitzen zu bleiben. In solchen Fällen kann Bildschirmzeit während der Inhalation eine praktische Hilfe sein. Am Ende entscheiden Sie, was in der jeweiligen Situation wichtiger ist: konsequente Bildschirmzeit-Regeln oder die entspannte Inhalation.
[1] Scarborough A. et al. Steam inhalation: More harm than good? Burns. 2021;47(3):721-727.
[2] Singh M, Singh M, Jaiswal N, Chauhan A. Heated, humidified air for the common cold. Cochrane Database Syst Rev. 2017 Aug 29;8(8):CD001728. doi: 10.1002/14651858.CD001728.pub6. PMID: 28849871; PMCID: PMC6483632. (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28849871/)
[3] Little P. et al. Ibuprofen, paracetamol, and steam for RTIs in primary care. BMJ. 2013;347:f6041.
Hinweis: Der Inhalt des Beitrags stellt keine Therapieempfehlung dar. Die Bedürfnisse von Patienten sind individuell sehr verschieden. Vorgestellte Therapieansätze sollen nur als Beispiele dienen. PARI empfiehlt Patienten, sich stets mit ihrem behandelnden Hausarzt oder Facharzt abzusprechen.
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