Spielerisch inhalieren: Gebirge oder Rutschen atmen – Spielidee zum Erlernen einer tiefen Ein- und Ausatmung

Tief und entspannt einzuatmen sowie lange und ruhig auszuatmen, unterstützt Ihr Kind bei der Inhalationstherapie. Mit dem Spiel „Gebirge oder Rutschen atmen“ nutzen Sie die Inhalation ganz bewusst als Atemtraining für Ihr Kind.

Tief und entspannt einzuatmen sowie lange und ruhig auszuatmen, unterstützt Ihr Kind bei der Inhalationstherapie. Eine solche langsame, tiefe Atmung ist grundsätzlich wertvoll, nicht nur beim Inhalieren. Mit dem Spiel „Gebirge oder Rutschen atmen“ nutzen Sie die Inhalation ganz bewusst als Atemtraining für Ihr Kind, denn es lernt auf spielerische Art, tief einzuatmen und entspannt wieder auszuatmen.

Vier Phasen der entspannten Atmung

Eine tiefe und ruhige Atmung basiert grundsätzlich auf folgendem Ablauf:

  1. tiefe, entspannte Einatmung
  2. kurze Atempause
  3. lange, entspannte Ausatmung
  4. kurze Atempause

Diese bewusste Atmung hilft, Stress zu reduzieren. Sie können sie jederzeit anwenden – ob in einer ruhigen Minute oder in herausfordernden Situationen des Familienalltags. Üben Sie diese Technik zum Beispiel gemeinsam mit Ihrem Kind.

Denn auch wenn eine langsame, entspannte Atmung für die Wirksamkeit der Inhalation mit Vernebler nicht zwingend erforderlich ist, kann sie das Inhalieren spürbar unterstützen. Durch ruhiges, tiefes Ein- und Ausatmen kann das Aerosol oft besser in die unteren Atemwege gelangen. Gleichzeitig kann Ihr Kind die Inhalation als wertvolle Gelegenheit nutzen, bewusstes und entspannendes Atmen zu üben.

Entspannt zu atmen, unterstützt beim Inhalieren

Die langjährig erfahrene Atemphysiotherapeutin Rita Kieselmann weiß aus Erfahrung, wie schwer es für Kinder sein kann, beim Inhalieren entspannt zu atmen. Kieselmann arbeitet seit vielen Jahren mit Kindern, die an chronischen Lungenerkrankungen leiden und bringt ihnen die richtige Inhalationstechnik bei.

Auf dem PARI Blog finden Sie in der Reihe „Spielerisch inhalieren“ unterschiedliche Atem- und Pustespiele, die wir mit Rita Kieselmann für Sie zusammengestellt haben. Die Spiele können Ihrem Kind dabei helfen zu lernen, richtig zu inhalieren. Die Spielidee „Gebirge oder Rutschen atmen“ kombiniert Einatmung und Ausatmung.

Das Spiel eignet sich für Kinder ab dem Kindergartenalter bis ins frühe Grundschulalter hinein.

Lernziel des Spiels: Tiefe Ein- und Ausatmung während der Inhalation, erfahren, erlernen und üben

Ziel des Spiels ist es, dass Ihr Kind lernt, bewusst tief und ruhig während der gesamten Inhalation zu atmen. Die Grundidee des Spiels ist es daher, die Atmung des Kindes durch eine Zeichnung darzustellen. Dadurch soll es Ihrem Kind leichter fallen, sich seiner Atmung bewusst zu werden. Denn es sieht in der Zeichnung die Ausführung seiner Atmung. Bewusstes Atmen ist die Voraussetzung dafür, dass Ihr Kind seinen Atem steuert und ruhig sowie tief atmend inhaliert.

Gebirge oder Rutschen atmen: Vorbereitung

Für das Spiel benötigen Sie folgende Materialien:

So geht das Inhalierspiel

Stehen Inhalationsausrüstung, Papier und Stift parat, kann es auch schon losgehen. Als Erstes darf Ihr Kind entscheiden, was Sie gleich zeichnen werden.

Was magst du lieber?

Mag Ihr Kind lieber Schlittenfahren (siehe Variante a) oder einen wilden Rutschenpark (siehe Variante b)? Fragen Sie es. Denn gleich werden Sie zur Atmung Ihres Kindes eine Gebirgslandschaft oder einen fantastischen Spiralrutschenpark zeichnen.

Richtige Inhalierposition einnehmen

Ihr Kind soll aufrecht und bequem sitzen. Den Vernebler nimmt es in den Mund und hält diesen gerade. Die Atmung erfolgt ausschließlich durch den Mund.

Inhalieren lassen

Ihr Kind startet die Inhalation. Fordern Sie Ihr Kind dazu auf, langsam tief einzuatmen und entspannt auszuatmen.

Atemgebirge zeichnen (Variante a)

Hat sich Ihr Kind für das Gebirge entschieden, zeichnen Sie bei der Einatmung eine Schräge nach oben und bei der Ausatmung wieder eine Schräge nach unten, sodass ein Berg entsteht. Zeichnen Sie so einige Atemzüge Ihres Kindes mit. Vermutlich sind die Berge ziemlich spitz und kleben aneinander, vielleicht sind sie auf der einen Seite kürzer als auf der anderen und alles andere als gleichförmig.

Spiralrutschen atmen (Variante b)

Hat sich Ihr Kind für den Rutschenpark entschieden, lassen Sie mit der Einatmung den Stift in einer Spirale nach oben kreisen. Es sieht aus, als würde eine Wendeltreppe entstehen. Mit der Ausatmung Ihres Kindes rutscht der Stift wie auf einer Rutschbahn nach unten. Nach und nach entsteht ein fantastischer Rutschenpark, bei dem die Treppe mal länger ist als die Rutsche und keine der Rutschen der anderen gleicht. Und an einen Sicherheitsabstand zwischen den Rutschen ist sowieso nicht zu denken.

Atemgebirge oder Rutschen mit dem Kind betrachten

Stoppen Sie kurz das Inhalationsgerät, um mit Ihrem Kind gemeinsam das entstandene Bild zu betrachten. Was fällt Ihnen dabei auf? Vermutlich gleich mehrere Dinge, wie zum Beispiel, dass die Berge so spitz sind, dass keiner darauf stehen könnte. Zwischen den Bergen gibt es kein Tal und außerdem sind die Berge ziemlich niedrig? Bei den Rutschen fehlt sehr wahrscheinlich ein flacher Einstieg, sodass man direkt von der Treppe in die Rutsche stürzen würde. Wo die eine Rutsche endet, fängt die Treppe der nächsten direkt an. Da stößt man sich doch den Kopf! Außerdem sind die Rutschen nicht besonders hoch. Da stimmt doch was nicht!

Atmung bewusst machen

Besprechen Sie mit Ihrem Kind, warum die Berge und Rutschen so aussehen, wie sie aussehen. Wie hat das Kind geatmet, dass das Bild so zustande gekommen ist? Hohe Berge und hohe Rutschen ergeben sich nur durch eine tiefe Atmung. Schöne Berge, auf denen man stehen kann und Rutschen mit einem sicheren Einstieg, entstehen nur durch eine Pause nach der Einatmung. Ein Tal zwischen zwei Bergen und ein Sicherheitsabstand zwischen zwei Rutschen erscheinen ausschließlich, wenn Ihr Kind an die Pause nach der Ausatmung denkt.

Bewusst nach dem Inhalationsschema atmen

Erinnern Sie Ihr Kind an tiefes Atmen und an die Atempausen zwischen den Atemzügen. Ihr Kind soll nun bewusst nach dem Schema: Einatmen – Pause – Ausatmen – Pause – Einatmen usw. inhalieren. Zeichnen Sie wieder Berge oder Rutschen mit. Zeigen Sie Ihrem Kind nach einigen Atemzügen das Bild. Wie sehen die Berge und Rutschen nun aus? Sind diese höher? Gibt es ein Plateau und Abstände?

Bilder verschönern, aufhängen, sammeln, küren

Am Ende der Inhalation können Sie die Zeichnungen nach Belieben ergänzen, zum Beispiel um Ski- und Schlittenfahrer oder Rutschenfans mit Badehaube und Schwimmflügeln. Hängen Sie das Bild als Trophäe auf, die zeigt, dass Ihr Kind gut inhaliert hat. Sie können die Bilder auch in einer Mappe oder einem Ordner sammeln und nach einigen Tagen das schönste Bild küren. Das kann Ihrem Kind das Gefühl eines Erfolgserlebnisses vermitteln.

Tipp: Bleiben Sie locker

Achten Sie darauf, dass Ihr Kind immer entspannt und ohne Anstrengung atmet. Bleiben auch Sie locker, wenn Ihr Kind mal die ein oder andere Atempause vergisst oder zu kurz ein- oder ausatmet.


Über Rita Kieselmann

Rita Kieselmann arbeitet seit 1974 in der Physio- und Atemtherapie. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Behandlung von Kindern und Erwachsenen mit chronischen Atemwegserkrankungen.

Rita Kieselmann ist Gründerin des Arbeitskreises Physiotherapie im Mukoviszidose e. V. Zudem entwickelte sie Selbsthilfetechniken zum Sekret-Transport – wie zum Beispiel die Modifizierte autogene Drainage und Atemmanöver mit oszillierenden PEP-Systemen.


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