Budesonid bei ambulanten COVID-19 Patienten? Was wir bisher wissen und welche Rolle ein Vernebler spielen kann

Laut einer kürzlich im Lancet erschienenen Studie ( sog. STOIC-Studie) könnte das Glucocorticoid Budesonid ambulante COVID-19 Patienten vor einem schweren Verlauf bewahren [1]. Diese Meldung hat eine große Aufmerksamkeit erzeugt, weil Budesonid als Asthmamedikament breit verfügbar, kostengünstig und lange bekannt ist. Inzwischen wurde das Studiendesign der STOIC Studie in der Fachwelt kritisiert. Tatsächlich liefert die Zwischenauswertung einer weiteren, größeren Studie (sog. PRINCIPLE Studie) weniger bahnbrechende Ergebnisse, bildet aber zugleich das Fundament für differenzierte Empfehlungen in Großbritannien. Es stellt sich nun die Frage: Unter welchen Umständen kann eine Budesonid-Gabe sinnvoll sein und wann ist der Einsatz als Vernebler-Lösung eine Option?

Studienlage zu Budesonid bei COVID-19: Vorläufige Daten zeigen positiven Trend

Die STOIC Studie der Uni Oxford generierte folgende Thesen: Wenn Erwachsene relativ früh nach dem Auftreten erster Covid-19-Symptome Budesonid inhalieren, dann brauchen sie seltener intensivmedizinische Behandlung, müssen seltener ins Krankenhaus oder notärztlich versorgt werden. Zudem soll die Budesonid Gabe zu einer schnelleren Genesung führen. In der Budesonid Gruppe hatten weniger Patienten nach 14 und 28 Tagen noch mit persistierenden Beschwerden durch Covid-19 zu kämpfen. [1]

Eine weitere Studie (sog. PRINCIPLE Studie), mit einer größeren Anzahl an Patienten, kommt zu dem vorläufigen Ergebnis, dass die inhalative Gabe von Budesonid im Vergleich zur Kontrollgruppe die Genesungszeit um 3 Tage verkürzen konnte. Zudem sank die Hospitalisierungsrate um knapp 2 Prozentpunkte von 10,3 auf 8,5% [2], was allerdings nur für einen inkrementellen Fortschritt sprechen würde. In dieser Arbeit waren, im Vergleich zur Studie der Uni Oxford, auch vermehrt Ältere und Risikopatienten enthalten. Aufgrund der weniger spektakulären Ergebnisse erhielt diese Studie kaum mediales Echo, bildete aber die Grundlage für eine erste differenzierte Empfehlung in Großbritannien.

Zusammenfassend kann zur Studienlage gesagt werden: Die generierten Thesen müssen nun in größer angelegten Studien belegt werden. Aufgrund des hohen Versorgungsdrucks in der Covid-19 Pandemie stellt sich aber die Frage, ob die Inhalation von Budesonid im Einzelfall bereits heute empfohlen werden kann und falls ja, unter welchen Bedingungen.
 

Erste Statements von Fachgesellschaften: UK mit klarer Empfehlung, Deutschland noch vorsichtig

Das Thema Budesonid wird in Fachkreisen derzeit intensiv diskutiert. So ist von Seiten des Präsidenten der DEGAM (Martin Scherer) zu hören, dass man eine Kann-Empfehlung in Richtung Budesonid bei COVID-19 aussprechen könnte. Hier sei stets die Risiko-Nutzen Abwägung für den einzelnen Patienten zu betrachten [3]. Andere Fachgesellschaften äußern sich bezüglich des Themas noch zurückhaltend bis skeptisch [4].

In Großbritannien spricht ein Konsortium inklusive des National Health Service (NHS) in einem Interims-Positionspapier eine Empfehlung für den Budesonid-Einsatz - basierend auf der sog. PRINCIPLE Studie - für Patienten aus, sofern alle der folgenden Kriterien erfüllt sind:

  • PCR bestätigte COVID-19 Diagnose innerhalb der letzten 14 Tage
  • Vorliegen von Symptomen
  • Über 65 Jahre oder 50-64 Jahre mit einer Komorbidität aus der sog. Flu List [5]

Budesonid gilt als sicher, kostengünstig und ist breit verfügbar. Die Entscheidung sollte laut DEGAM-Präsident Prof. Scherer im Einzelfall, nach Risiko-Nutzen-Abwägung, beim behandelnden Arzt liegen. [3]

Einige Ärzte machen von solchen Einzelfallentscheidungen bereits Gebrauch, so z. B. auch Dr. Thomas Voshaar im Interview mit Focus Online (Chefarzt der Lungenklinik im Krankenhaus Bethanien in Moers). „Als die Studie vor einigen Wochen im Preview herauskam, haben wir daher sofort unsere Standards zur Behandlung ambulanter Covid-19-Patienten erweitert“ so Voshaar. „Patienten, die nur eine leichte Lungenentzündung, kein hohes Fieber, keine starke Luftnot und erhöhte Laborwerte hatten und daher keine stationäre Behandlung benötigen, erhalten nun bei uns neben dem Blutverdünner Heparin und einem Antibiotikum noch Budesonid zur Behandlung zuhause“ [6] erklärt Voshaar.

Voshaar deutet zudem eine erste positive Entwicklung an: „Seit wir das Asthma-Spray einsetzen, musste nur einer unserer ambulanten Patienten wegen einer Verschlechterung stationär aufgenommen werden – vorher waren es mehr.“ [6] Er weist aber auch darauf hin, dass noch nicht klar ist, ob dies tatsächlich auf die Budesonid-Inhalation zurückzuführen sei oder nicht. Hier bedarf es noch weiterer Studien.
 

Budesonid Inhalation auch als Verneblerlösung

Im NDR Corona Update weist Prof. Sandra Ciesek darauf hin, dass von einer präventiven Gabe (ohne Vorliegen einer bestätigten COVID-Diagnose) sicherlich abzusehen ist. So bestehe das Risiko von Pilzinfektionen im Hals-Rachen-Raum als bekannte Nebenwirkung. [7] Auf die Nebenwirkung bei falscher Anwendung weist auch Dr. Thomas Grünewald vom Klinikum Chemnitz hin. Die falsche Anwendung sei bei einigen Patienten auch zu erwarten, da nicht jeder einen Trockenpulver-Inhalator (DPI) oder ein Asthma-Spray (MDI) richtig nutzen kann. [8] 

Für Patienten, die mit einem DPI oder MDI nicht zurechtkommen steht Budesonid grundsätzlich auch als Lösung für einen Vernebler zur Verfügung. Die Feuchtinhalation mit Vernebler erfordert keine speziell zu erlernende Inhalationstechnik. Damit das Arzneimittel in die Lunge gelangt reicht die ganz normale Ruheatmung des Patienten aus.

 

Was einen effizienten Vernebler ausmacht

 

Auf diesen Wert sollten Sie bei Inhalationsgeräten achten

Ausschlaggebend ist wie viel vernebelte Inhalationslösung pro Minute in der Lunge ankommt. Eine objektive Maßzahl dafür ist die RDDR.

Hier erfahren Sie mehr.


Referenzen

[1] Ramakrishnan S et al. Inhaled budesonide in the treatment of early COVID-19 (STOIC): a phase 2, open-label, randomised controlled trial. Lancet Respir Medicine Published Online First: 2021. doi: 10.1016/s2213-2600(21)00160-0
[2] Ly-Mee et al. (2021): Inhaled budesonide for COVID-19 in people at higher risk of adverse outcomes in the community: interim analyses from the PRINCIPLE trial
[3] https://www.aerztezeitung.de/Podcasts/Sollte-jeder-ambulante-COVID-19-Patient-jetzt-Budesonid-erhalten-418738.html
[4] Idzko M. et al. (2021): Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP), der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) und der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und Klinische Immunologie (DGAKI). pneumologie.de/fileadmin/user_upload/COVID-19/20210419_DGP_OEGP_DGAKI__C19_und_ICS__STOIC-Studie.pdf
[5] Interim Position Statement: Inhaled budesonide for adults (50 years and over) with COVID-19, 12 April 2021; https://www.england.nhs.uk/coronavirus/wp-content/uploads/sites/52/2021/04/C1253-interim-position-statement-inhaled-budesonide-for-adults.pdf
[6] https://www.ndr.de/nachrichten/info/85-Risiken-und-Nebenwirkungen,audio874216.html
[7] https://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/immunsystem/verhindert-asthma-mittel-schwere-corona-verlaeufe-lungenmediziner-klaert-auf-asthma-spray-kann-helfen-ist-aber-kein-game-changer_id_13184002.html
[8] https://www.mdr.de/wissen/corona-asthmaspray-budesonid-medikament-kein-gamechanger-100.html