Inhalieren bei Husten: gezielt befeuchten und Schleim lösen

Ältere Dame sitzt auf weißem Sofa und benutzt ein PARI Inhaliergerät in heller, moderner Wohnung mit Wohnzimmer, Küche und Treppe im Hintergrund.

Husten ist ein wichtiger Schutzreflex. Er hilft dem Körper, Fremdstoffe, Krankheitserreger und Schleim aus den Atemwegen zu entfernen. Belastend wird Husten jedoch, wenn er als trockener, anfallsartiger Reizhusten auftritt oder wenn zäher Schleim das Abhusten erschwert.

Die Inhalation ist eine Form der Lokaltherapie, bei der vernebelte Lösungen direkt in die Atemwege gelangen. Dadurch können Schleimhäute befeuchtet oder Schleim verflüssigt werden.

Warum hilft Inhalation bei Husten?

Beim Inhalieren wird eine Flüssigkeit in feinste Tröpfchen zerstäubt. Diese Partikel sind so klein, dass sie beim Einatmen die Bronchien und – je nach Größe – auch tiefere Lungenabschnitte erreichen können.

Im Unterschied zu Hustensäften oder Tabletten, die zunächst über Magen und Darm aufgenommen und im Körper verteilt werden, kann die Inhalation bei richtiger Anwendung direkt an den Ort des Geschehens gelangen.

So wirkt Inhalation in den Atemwegen

  • Bei trockenem Husten: Befeuchtung der gereizten Schleimhäute
  • Bei produktivem Husten: Verflüssigung und Mobilisierung von Schleim
  • Bei bestimmten Grunderkrankungen: Erweiterung der Bronchien oder Hemmung von Entzündungen (nur bei ärztlicher Verordnung)

Die Wahl der Inhalationslösung hängt daher immer von der Ursache und der Hustenform ab.

Was kann man bei Husten inhalieren?

Husten ist ein Symptom, die passende Inhalation hängt von Ursache und Hustenart ab. Wenn Sie unter einer chronischen Atemwegserkrankung wie COPD, Asthma oder Mukoviszidose leiden, dann halten Sie sich bitte strikt an die verordnete Inhalationstherapie.

Grundsätzlich ist es wichtig, zwischen produktivem Husten, also mit Schleim, und trockenem Reizhusten zu unterscheiden. Trockener (unproduktiver) Husten ist für den Körper nicht nützlich [1]. Ziel der Inhalation ist die Linderung des Hustenreizes. Ein produktiver Husten hingegen ist nützlich, da er Schleim aus den tiefen Lungenabschnitten in den Mundraum befördert. Daher sollte der Körper dabei unterstützt werden, den zähen Schleim abzuhusten.

Inhalieren bei trockenem Reizhusten

Trockener Husten entsteht häufig durch gereizte oder ausgetrocknete Schleimhäute, etwa im Rahmen eines Infekts oder nach Kontakt mit kalter, trockener Luft. Die natürliche Schutzschicht der Atemwege ist dabei gestört, was die Hustenrezeptoren empfindlicher macht.

Isotone Kochsalzlösung (0,9 % NaCl) befeuchtet die Schleimhäute und unterstützt deren Regeneration. Dadurch kann sich der Hustenreiz spürbar verringern. Auch die DEGAM-Leitlinie „Akuter und chronischer Husten“ beschreibt die Inhalation von Kochsalzlösung als mögliche Maßnahme zur Befeuchtung der Atemwege und Linderung von Reizhusten.

Die Befeuchtung stabilisiert die Schleimhautoberfläche. Das erklärt, warum sich der Reizhusten oft beruhigt. 

Inhalieren bei produktivem Husten

Produktiver Husten erfüllt grundsätzlich eine sinnvolle Funktion: Er transportiert Schleim aus tieferen Atemwegsabschnitten nach oben. Problematisch wird es, wenn der Schleim sehr zäh ist und sich nur schwer lösen lässt.

Hypertone Kochsalzlösung (z. B. 3 % NaCl) enthält mehr Salz als die Körperflüssigkeit. Dadurch entsteht ein osmotischer Effekt: Wasser wird in das Bronchialsekret gezogen, der Schleim wird dünnflüssiger und lässt sich leichter abhusten. Dieser Mechanismus der Sekretmobilisation ist auch in der fachärztlichen S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Husten beschrieben [1].

So wird die natürliche Selbstreinigung der Atemwege unterstützt, ohne den Hustenreflex zu unterdrücken.

Wichtig: Hypertone Lösungen können bei empfindlichen oder überempfindlichen Bronchien (bronchiale Hyperreagibilität) vorübergehend einen stärkeren Hustenreiz auslösen. In solchen Fällen sollte die Anwendung ärztlich abgestimmt werden.

Inhalationslösung mit Ectoin

Ectoin ist eine natürliche Substanz, die Zellen vor Umweltstress schützt. In Inhalationslösungen bildet Ectoin zusammen mit Wasser eine stabilisierende Hydrathülle auf der Schleimhautoberfläche. Dadurch wird die Barrierefunktion der Atemwegsschleimhaut unterstützt und die Schleimhäute werden vor weiterer Reizung geschützt.

Auf diese Weise können entzündungsbedingte Symptome wie Reizhusten, Brennen oder Trockenheitsgefühl gelindert werden. Die Wirkung beruht auf einem physikalischen Mechanismus und nicht auf einer pharmakologischen Unterdrückung von Entzündungsprozessen.

Eine klinische Studie zeigte, dass die Inhalation ectoinhaltiger Lösungen mit einer Verringerung neutrophiler Entzündungszeichen in den Atemwegen einhergehen kann [2]

Je nach Hustenart stehen isotone (z. B. PARI Protect) oder hypertone (z. B. MucoClear Protect) Varianten zur Verfügung.

Inhalative Kortikosteroide (ICS)  

Inhalative Kortikosteroide wirken entzündungshemmend in den Bronchien. Sie kommen nicht bei jedem Husten zum Einsatz, sondern nur bei klarer medizinischer Indikation, etwa bei Asthma oder nachgewiesener bronchialer Hyperreagibilität.

Die Inhalation erfolgt meist über ein Dosieraerosol (pMDI). Die Verwendung einer Vorschaltkammer (Spacer) reduziert die Ablagerung des Wirkstoffs im Mund-Rachen-Raum und senkt so das Risiko für Nebenwirkungen wie Mundsoor (Pilzinfektion).

Eine Anwendung sollte ausschließlich nach ärztlicher Verordnung erfolgen.

Bronchodilatatoren (Beta-2-Mimetika)  

Bronchodilatatoren erweitern verengte Bronchien, indem sie die glatte Muskulatur der Atemwege entspannen. Sie sind sinnvoll bei nachgewiesener Atemwegsobstruktion, etwa im Rahmen von Asthma oder COPD.

Auch hier gilt:
Der Einsatz erfolgt ausschließlich bei ärztlich gesicherter Diagnose.

Inhalieren mit heißem Wasserdampf

Die klassische Dampfinhalation wird oft als wohltuend empfunden. Ein gesicherter medizinischer Nutzen bei Erkältung oder Husten konnte jedoch in Studien nicht nachgewiesen werden[3] [4]. Zudem besteht insbesondere bei Kindern ein relevantes Risiko für Verbrühungen [5]

Für Kochsalzlösungen ist ein Vernebler erforderlich, da Salz nicht verdampft, sondern im Gefäß zurückbleibt. Eine Schüssel mit heißem Wasser eignet sich daher nicht zur Inhalation von Salzlösungen.

Welches Inhalationsgerät eignet sich bei Husten?

Für Kochsalzlösungen und ärztlich verordnete Medikamente kommen vor allem zwei Gerätetypen infrage:

Entscheidend ist die Partikelgröße: Nur ausreichend kleine Tröpfchen (< 5µm), sogenannte lungengängige Partikel, können die unteren Atemwege und Bronchien erreichen. Größere Partikel bleiben überwiegend im Mund- und Rachenraum zurück.

Moderne Vernebler sind darauf ausgelegt, einen hohen Anteil dieser lungengängigen Partikel pro Minute zu erzeugen. Ein technischer Kennwert hierfür ist die sogenannte RDDR (Respirable Drug Delivery Rate). Sie beschreibt die Menge an lungengängigen Partikeln, die pro Minute abgegeben wird. Eine hohe RDDR kann eine effiziente Deposition in den unteren Atemwegen unterstützen und zugleich eine praktikable Inhalationsdauer ermöglichen.

Spezialfall Husten durch chronische Sinusitis

Eine chronische Sinusitis ist ein häufiger Auslöser von Husten [1]. Hier eignet sich ein Inhalationsgerät, das Wirkstoffe gezielt in die Nasennebenhöhlen bringt, z. B. PARI SINUS2.

Wann sollten Sie lieber ärztlichen Rat einholen?

Husten ist meist harmlos. Lassen Sie die Beschwerden abklären, wenn zusätzlich Folgendes auftritt oder sich die Situation deutlich verändert:

  • Atemnot, pfeifende Atmung, bläuliche Lippen oder Einziehungen zwischen den Rippen
  • Hohes Fieber oder Fieber, das länger als 3 Tage anhält
  • Brustschmerz
  • Blutiger Auswurf
  • Deutliche Verschlechterung des Allgemeinzustands, starker Flüssigkeitsmangel, anhaltendes Erbrechen
  • Husten länger als 8 Wochen oder zunehmende Verschlechterung
  • Verdacht auf Keuchhusten oder Aspirationsereignis (Verschlucken eines Fremdkörpers)

Wenn Sie Asthma oder COPD haben:

Halten Sie sich an Ihren persönlichen Behandlungsplan. Suchen Sie ärztlichen Rat auf, wenn die Beschwerden vom üblichen Muster abweichen oder Zeichen einer Exazerbation (plötzliche Verschlechterung) auftreten (z. B. echte Atemnot, mehr Sputum). Kurz: Wenn sich ein Infekt diesmal anders und schwerer anfühlt als üblich, ärztlich abklären.

Bei Säuglingen und Kindern

  • Mehr als drei Tage Fieber (Säugling)
  • Atemgeräusche wie Rasseln oder Pfeifen
  • Einziehungen zwischen den Rippen
  • Trink-/Essverweigerung, deutlich verringert nasse Windeln, Lethargie

In der Schwangerschaft

  • Atemnot, anhaltendes Fieber, Brustschmerz oder deutliche Verschlechterung der Beschwerden – bitte medizinisch abklären.

Fazit – in Kürze

Die Inhalation ist eine geeignete Lokaltherapie bei Husten, da sie direkt in die Atemwege gelangt. Bei Reizhusten sollte eine isotone Kochsalzlösung (0,9 % NaCl) inhaliert werden. Bei produktivem Husten erleichtert hypertone Kochsalzlösung das Abhusten. ICS und Bronchodilatatoren kommen nur bei passender Indikation und ärztlicher Verordnung zum Einsatz. Die Dampfinhalation ist nicht wirksam und birgt ein Verbrühungsrisiko. Salzlösungen können ausschließlich mit einem Vernebler inhaliert werden. Ectoin-haltige Lösungen wirken zusätzlich zu den positiven Effekten der Salzlösung entzündungsreduzierend und schützend.

FAQ zur Inhalation bei Husten

Bei produktivem Husten erleichtert hypertone Kochsalzlösung durch den osmotischen Reiz das Abhusten des zähen Schleims [1]. Bei unproduktivem (trockenem) Husten steht die Reizlinderung, z. B. durch Befeuchtung mit isotoner Kochsalzlösung, im Vordergrund.

Bei Reizhusten isotone Kochsalzlösung (0,9 % NaCl).
Bei produktivem Husten hypertone Kochsalzlösung (z. B. 3 % NaCl), sofern verträglich.

Ein medizinisch gesicherter Nutzen ist nicht belegt. Zudem besteht ein Verbrühungsrisiko.

Ja. Kochsalzlösungen und Medikamente sollten mit einem geeigneten Vernebler inhaliert werden, damit ausreichend kleine Partikel die Atemwege erreichen.

Isotone Kochsalzlösung kann je nach Bedarf bis zu 4 x täglich mit jeweils 2,5 bis 5ml inhaliert werden [6], hypertone Kochsalzlösung bis zu 4 x täglich 4ml [7].

Die Anwendungshäufigkeit von Medikamenten richten sich strikt nach der ärztlichen Verordnung.

[1] S2k-Leitlinie Fachärztliche Diagnostik und Therapie von erwachsenen Patienten mit Husten: https://register.awmf.org/assets/guidelines/020-003l_S2k_Fachaerztliche-Diagnostik-Therapie-erwachsene-Patienten-Husten__2025-02_1.pdf

[2] Unfried K, Krämer U, Sydlik U, Autengruber A, Bilstein A, Stolz S, Marini A, Schikowski T, Keymel S, Krutmann J. Reduction of neutrophilic lung inflammation by inhalation of the compatible solute ectoine: a randomized trial with elderly individuals. Int J Chron Obstruct Pulmon Dis. 2016 Oct 18;11:2573-2583. doi: 10.2147/COPD.S115061. PMID: 27799756; PMCID: PMC5076798. (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/27799756/)

[3] Singh M, Singh M, Jaiswal N, Chauhan A. Heated, humidified air for the common cold. Cochrane Database Syst Rev. 2017 Aug 29;8(8):CD001728. doi: 10.1002/14651858.CD001728.pub6. PMID: 28849871; PMCID: PMC6483632. (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28849871/)  

[4] Little, P., Moore, M., Kelly, J., Williamson, I., Leydon, G., McDermott, L., et al. (2013). Ibuprofen, paracetamol, and steam for patients with respiratory tract infections in primary care: pragmatic randomised factorial trial. BMJ, 347, f6041. (https://doi.org/10.1136/bmj.f6041)

[5] Scarborough, A., Scarborough, O., Abdi, H., & Atkins, J. (2021). Steam inhalation: More harm than good? Perspective from a UK burns centre. Burns, 47(3), 721-727. DOI: 10.1016/j.burns.2020.08.010 (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32943275/

[6] Gebrauchsanweisung PARI NaCl 0,9 % Inhalationslösung: https://www.pari.com/fileadmin/user_upload/PARI.com-DE/Dokumente/IFU/Inhalationsloesungen/PARI-NaCl-Inhalationsloesung/077D2006-Gebrauchsanweisung-PARI-NaCl-Inhalationsloesung.pdf

[7] Gebrauchsanweisung MucoClear 3 % Inhalationslösung: https://www.pari.com/fileadmin/user_upload/PARI.com-DE/Dokumente/IFU/Inhalationsloesungen/MucoClear-3-6-Inhalationsloesung/077D2023-Gebrauchsanweisung-PARI-MucoClear-3.pdf

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Hinweis: Der Inhalt des Beitrags stellt keine Therapieempfehlung dar. Die Bedürfnisse von Patienten sind individuell sehr verschieden. Vorgestellte Therapieansätze sollen nur als Beispiele dienen. PARI empfiehlt Patienten, sich stets mit ihrem behandelnden Hausarzt oder Facharzt abzusprechen.