Corona-Virus mit Mukoviszidose: Es kann auch harmlos verlaufen

Mukoviszidose-Patienten gehören zu denjenigen Menschen, die ein erhöhtes Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf tragen. Die Erkrankung mit dem Corona-Virus kann aber auch harmlos verlaufen, so wie das bei Tobias der Fall war. Der 29-Jährige leidet an Mukoviszidose.

Im Januar 2020 musste Tobias wegen eines Lungenrisses ins Krankenhaus und wurde operiert. Nach dem Eingriff und einem vierwöchigen Krankenhausaufenthalt, den er fast ausschließlich im Liegen verbracht hatte, war Tobias entsprechend unfit. Das zeigte sich auch am FeV1-Wert der Lungenfunktion, der mit nur 40 Prozent deutlich eingeschränkt war. „Aufgrund meines schlechten Gesundheitszustandes bereitete mir die Ausbreitung des Corona-Virus natürlich zusehends Sorgen. Denn meine Ausgangslage war denkbar schlecht. Ich versuchte wieder fitter zu werden. Gerade wenn man unfit und die Lunge in einem fragilen Zustand ist, gehört die Inhalation von atemwegserweiternden Medikamenten, hypertoner Kochsalzlösung und Antibiotika morgens und abends noch mehr zum Alltag als sonst. Mit dem eFlow rapid Inhalationssystem geht die Inhalation aber zum Glück recht fix, auch wenn man mehrere Medikamente nacheinander inhalieren muss. Je mehr sich das Virus allerdings ausbreitete, umso größer wurde mein Respekt und umso vorsichtiger wurde ich und schränkte mich ein“, sagt Tobias. Daher ging er bereits eine Woche vor dem offiziellen Lockdown in Deutschland in Selbstisolation, um sich vor dem Corona-Virus zu schützen. Was er damals nicht ahnte: Kurz davor hatte Tobias sich bereits mit dem Covid-19 Virus infiziert, aber nichts gemerkt!

„Dass ich an Covid-19 erkrankt war, habe ich durch Zufall im Nachhinein erst erfahren“, berichtet Tobias. „Bei einem Kontrolltermin im Juni bei meinem Lungenfacharzt wurde ein Covid-19 Antikörpertest durchgeführt. Ich war überaus überrascht, dass der Test positiv ausfiel. Um Ungewissheiten und ein eventuell falsches Testergebnis auszuschließen, wurde bei meinem Hausarzt der Test wiederholt. Das Ergebnis war das gleiche: Ganz offensichtlich hatte ich eine Corona-Infektion durchgemacht. Total verblüffend war für mich, dass ich überhaupt nichts davon gemerkt habe.“

Wo die Ansteckung erfolgte, ist schwer nachzuvollziehen

Da er nichts von der Covid-19-Erkrankung gespürt hat, fällt es Tobias auch schwer nachzuvollziehen, wo er sich angesteckt haben könnte: „Mir fallen nur zwei Gelegenheiten ein, bei denen ich mich angesteckt haben könnte. Zum einen könnte es im Rahmen einer Wahlkampfveranstaltung passiert sein. Ich führte ein circa fünfminütiges Gespräch mit dem Kandidaten der gegnerischen Partei. Dieser wurde einige Tage später positiv auf das Corona-Virus getestet, wie ich aber erst Wochen später erfuhr. Zum anderen könnte es bei einem Treffen mit einem Freund gewesen sein. Dieser hatte einige Tage nach unserem Treffen klassische Corona-Symptome, wurde aber nicht getestet. Vor unserem Treffen hatte mein Freund ein Eishockeyspiel besucht und war dort auf Bekannte getroffen, die nach dem Spiel an Covid-19 erkrankten. Das alles war Anfang März und kurz bevor ich mich in Selbstisolation begab. Während meiner Selbstisolation verließ ich auch zum Einkaufen nicht mehr das Haus. Das erledigten dankenswerterweise ein Freund und mein Bruder für mich. Wegen meiner selbstgewählten Isolation konnte ich auch niemanden unwissentlich mit Corona anstecken. Nachdem ich keinerlei gesundheitlicher Beschwerden hatte, ahnte ich ja nicht, an Covid-19 erkrankt zu sein. Mehr Therapie oder ähnliches habe ich nicht gemacht, nur meine übliche Inhalation mit hypertoner Salzlösung und zweimal Antibiotikum am Tag.“

In Deutschland sind laut Zahlen des Deutschen Mukoviszidose-Registers 19 Fälle und in Europa nach Angaben des europäischen Covid-CF Projektes der European Cystic Fibrosis Society (ECFS) 126 Fälle von Mukoviszidose-Patienten bekannt, die eine Infektion mit dem Corona-Virus durchgemacht haben. Es werden drei Covid-19 Todesfälle in Europa und einer in Deutschland genannt. Der Großteil der Covid-19 Erkrankungen verlief eher mild. Die Zahlen stammen von Ende Juni 2020.

Weniger Angst vor der zweiten Welle

Die Corona-Pandemie bereitet vielen Mukoviszidose-Patienten Sorgen. Was aber ist, wenn man die Infektion ohne Symptome überstanden hat. Wandelt sich dann die Einstellung? Tobias sagt dazu: „Als die Pandemie stark im Gange war, habe ich mir natürlich meine Gedanken gemacht und mich seither mit Aktivitäten zurückgehalten. Jetzt mache ich mich etwas lockerer. Über den Sommer werde ich mich auf jeden Fall nicht mehr so stark einschränken, da mich die Antikörper zumindest eine Weile schützen dürften. Davon gehe ich zumindest aus. Deswegen blicke ich für mich persönlich auch mit weniger Sorge auf eine mögliche zweite Welle. Bis zu meinem positiven Corona-Antikörpertest war ich besorgter, als ich es jetzt bin. Einen Mund-Nasen-Schutz werde ich natürlich trotzdem tragen. Das erfordert schon allein der Anstand und Respekt gegenüber anderen.“

Hinweis: Bei den im Interview getroffenen Aussagen handelt es sich um die individuelle Sichtweise des Interviewten. Diese spiegeln nicht zwangsläufig die PARI Sichtweise oder den allgemeinen Stand der Wissenschaft wider.


Ein Beitrag der PARI-BLOG Redaktion.


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