Nationale Versorgungleitlinie Asthma – erstmals mit Stellungnahme zur Versorgung von Kindern

Nationale Versorgungs-
leitlinie Asthma – erstmals mit Stellungnahme zur Versorgung von Kindern

Kinderpneumologe Prof. Dr. med. Carl-Peter Bauer im Interview zum Thema „Wahl des Inhalationssystems bei Vorschulkindern“:

Die aktuelle Nationale Versorgungsleitlinie Asthma (Stand 09/2020) ist nun seit einem Jahr im Umlauf. Können Sie nochmal aus Ihrer Sicht die größten Änderungen zusammenfassen?

Erstmals wurde zur Versorgung des Asthmaanfalls bei Kindern und Jugendlichen Stellung bezogen. Daneben erfolgte eine Neufassung der Langzeittherapie und eine Stellungnahme zur Verwendung von Inhalationssystemen. Ebenfalls neu sind die Hinweise zum Off-Label-Use bei der medikamentösen Therapie. In einzelnen Kapiteln wird speziell auch zum Asthma bei Kindern unter 5 Jahren Stellung bezogen.
 

Wie wirken sich diese Änderungen denn nun im Rückblick im Alltag der Kinderärzte aus?

Die Nationale Versorgungsleitlinie ist die Grundlage für die Aktualisierung der Versorgung von asthmakranken Kindern in der Praxis. Besonders relevant sind die Hinweise für die Diagnostik und Therapie bei Kindern unter 5 Jahren. Zudem gibt die Leitlinie eine Hilfestellung bei der Entscheidung, wann ein Dosieraerosol und wann ein Vernebler eingesetzt werden kann.
 

Eine Umfrage unter 61 Kinderärzten hat 2020 gezeigt, dass diese bei Vorschulkindern bevorzugt Dosieraerosol mit Inhalierhilfe (56%) oder Vernebler (36%) einsetzen. Wovon machen Sie die Wahl des Inhalationssystems abhängig?

Grundsätzlich orientiere ich mich an der Nationalen Versorgungsleitlinie Asthma, die besagt, dass die Auswahl des Inhalationssystems sich nach den kognitiven und motorischen Fähigkeiten (u.a. dem inspiratorischen Fluss) sowie den Präferenzen des Patienten richten sollte. Berücksichtigt werden muss auch, ob das Inhalationssystem für die Akut- oder die Langzeittherapie eingesetzt werden soll.
 

Wie sieht ein typischer Asthma Patient aus, dem Sie die Inhalation mittels Vernebler verschreiben?

Typische Fälle sind Vorschulkinder mit Asthma, die regelmäßig im Rahmen von Infekten obstruktiv werden. Um eine ausreichende Asthmakontrolle zu erreichen, kann während der Infektzeit eine inhalative Kortikoid Therapie mit Dosieraerosol und Spacer erforderlich sein. Bei beginnendem Infekt hat sich häufig für die Dauer des Infektes ein Wechsel vom Dosieraerosol mit Spacer auf eine Feuchtinhalation mit Vernebler (inhalatives Kortikoid in Kombination mit Salbutamol) als hilfreich erwiesen. Dabei kann es sinnvoll sein, die Dosis der inhalativen Kortikoid Therapie für die Dauer des Infektes zu erhöhen.
 

Wo liegen aus Ihrer Sicht die Vorteile des Verneblers bei akuten rezidivierenden Infekten?

Es hängt immer individuell vom einzelnen Kind ab, häufig wird aber bei akuten Atemwegsbeschwerden der Vernebler von Kind und Eltern bevorzugt.

Darüber hinaus ist es ein wesentlicher Vorteil, mehrere Medikamente mischen zu können (z.B. inhalatives Corticoid, Salbutamol, Ipratropiumbromid). Zudem lässt sich die Dosis der einzelnen Medikamente an den Schweregrad der Beschwerden anpassen. Im Gegensatz dazu bin ich beim Dosieraerosol an eine feste Dosis gebunden.

„Neben dem Einsatz beim Asthma bronchiale kann die Vernebler­therapie vor allem bei Kindern mit rezidivierenden Atemwegs­infekten und daraus resultierender Bronchitis bzw. obstruktiver Bronchitis hilfreich sein."

Asthma ist ja nur eine der Indikationen bei denen die Verneblertherapie zum Einsatz kommt. Welche Einsatzgebiete haben aus Ihrer Sicht die größte Relevanz?

Neben dem Einsatz beim Asthma bronchiale kann die Verneblertherapie vor allem bei Kindern mit rezidivierenden Atemwegsinfekten und daraus resultierender Bronchitis bzw. obstruktiver Bronchitis hilfreich sein. Dazu kann NaCl 0,9% oder NaCl 3% vernebelt werden. Auch im Rahmen der RSV-Bronchiolitis kommt die Feuchtinhalation mit NaCl zum Einsatz. Die meisten Studien dazu sind mit 3% NaCl durchgeführt worden. Auch der Cochrane Review von Zhang 2017 empfiehlt die Verneblung von hypertoner Salzlösung [1]. Daneben wird bei der Behandlung von akuter obstruktiver Bronchitis von Ankermann die 3%ige Salzlösung als eine von mehreren Optionen aufgezeigt. Ich empfehle daher, wenn die Verschleimung im Vordergrund steht NaCl 3% zu vernebeln und in leichteren Fällen auf NaCl 0,9% zurückzugreifen.

Spezielle Indikationen stellen noch die Mukoviszidose, die ciliäre Dyskinesie, Bronchiektasen sowie alle chronischen Lungenerkrankungen mit vermehrter Schleimbildung dar.
 

Haben Sie allgemein noch Tipps für die Inhalation mit Kindern?

Eine häufige Frage ist, wie lange das Kind eine Maske bei der Inhalation mit Inhalierhilfe oder Inhalationsgerät benutzen soll. In der Regel kann ab dem 3. Lebensjahr das Mundstück eingesetzt werden, vorher wird eher die Maske akzeptiert.
 

Haben Sie denn noch Tipps für den akuten Asthmaanfall?

Da der akute Asthmaanfall meistens zu Hause oder in der Kinderkrippe/-garten auftritt, ist es wichtig, dass die Eltern / Betreuer eine genaue Therapievorgabe für diesen Fall haben. Hier kann ein Asthma Notfallplan mit den entsprechenden Hinweisen zu Verhalten und Medikation hilfreich sein.
 

Vielen Dank für das Gespräch.

 

[1] Zhang L., Mendoza-Sassi RA., Cochrane Database Syst Rev 2017 (12):CD006458

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