Mein Kind will nicht inhalieren! 9 Tipps und Ideen, wie es mit der Motivation klappen kann. Teil 3

Ich will nicht inhalieren! Das Kind streikt und Sie sind der Verzweiflung nahe – wie so oft schon? Kommt Ihnen diese Situation bekannt vor? Ja? Sie sind nicht allein! So geht es den meisten Eltern und vor allem denjenigen Eltern, die ein Kind mit einer chronischen Atemwegserkrankung haben.

Zwei Herausforderungen bringt das Inhalieren mit Kindern mit sich: Atemtechnik und Motivation

Laut Atemphysiotherapeutin Rita Kieselmann bringt die Inhalation mit Kindern zwei Herausforderungen mit sich: „Das ist zum einen das Erlernen der richtigen Inhalationstechnik und zum anderen, die Kindern zur Inhalation zu motivieren.“ Eine richtige Inhalationstechnik ist die Voraussetzung dafür, dass die Medikamente in die Bronchien gelangen und dort wirken können. Tipps, wie Sie Ihren Kindern helfen, eine richtige Inhalationstechnik zu erlernen, finden Sie im Blog. Meistens ist aber nicht das Lernen einer richtigen Atmung das Problem, sondern die Kinder zur Inhalation zu motivieren. „Das Thema Inhalation sorgt sehr häufig für Konflikte zwischen Eltern und Kind. Das kann auf Dauer belastend sein“, weiß Rita Kieselmann. Sie arbeitet seit über 45 Jahren als Atemphysiotherapeutin. In der Praxis betreut sie Kinder, die an schweren, chronischen Atemwegserkrankungen oder nur an einer akuten Bronchitis oder Lungenentzündung leiden und deshalb inhalieren müssen. Mütter und Väter berichten regelmäßig über Konflikte mit ihren Kindern, wenn es um die Inhalation geht. Sie holen sich dann Kieselmanns Rat, wie sie ohne Diskussionen ihr Kind zur Inhalation bewegen können. Dem PARI Blog verrät die langjährig erfahrene Atemphysiotherapeutin  9 Tipps und Ideen, wie es mit der Motivation klappen kann. In diesem Beitrag lesen Sie Tipp 7 bis 9. 

Tipp 7: Inhalationspass zum Stempeln oder Einkleben

Ein konkreter Tipp, die Inhalation mit etwas Positivem in Verbindung zu bringen, ist ein Inhalationspass. Eltern können diesen für ihre Kinder oder gemeinsam mit den Kindern basteln. Nach jeder Inhalation darf das Kind darin einen Stempel setzen oder einen Aufkleber einkleben, je nachdem was ihm mehr Spaß macht. Die Atemphysiotherapeutin sagt: „Damit gibt man den Kindern das Gefühl, eine Aufgabe gut erledigt zu haben. Sie erhalten eine gewisse Anerkennung für ihre Inhalationsleistung. Das kann motivierend wirken.“ Ab einem Alter von circa drei Jahren bis ins Grundschulalter hinein sind Kinder häufig von Stempeln und Aufklebern fasziniert. Das macht einen Inhalationspass umso reizvoller. Sollten Sie keine Lust oder Zeit haben, selbst einen Pass zu basteln, finden Sie in der PARI Kinderecke einen Inhalationspass zum Ausdrucken.

Tipp 8: Regelmäßige Belohnungen

Über eine Belohnung freut sich jeder. Und natürlich auch Kinder. Daher ist es sinnvoll, eine konsequente und gute Inhalationstherapie auch hin und wieder zu belohnen. Wichtig sei dabei, die Belohnung mit klaren Zielsetzungen zu verknüpfen, so Rita Kieselmann. Beispielsweise könnten Eltern mit ihren Kindern vereinbaren, nach einigen Wochen oder einem Monat der konsequenten Inhalation einen Ausflug zu machen. Die Atemphysiotherapeutin erklärt: „Als Belohnung eignen sich besonders Ausflüge in einen Streichelzoo, in den Tierpark, zur nahegelegenen Pferdekoppel, Gehege mit Kühen oder zu einem Bach mit Enten. Es ist ideal, wenn sich Kinder den Tieren gegenüber fürsorglich verhalten und um sie kümmern können. Sie schlüpfen damit ein bisschen in diejenige Rolle, welche ihre Eltern ihnen gegenüber einnehmen. Sie begreifen, dass Eltern ihnen aus Fürsorge die Therapie nahebringen. Selbstverständlich sind auch andere Ausflüge oder Geschenke denkbar, sollte das Kind Tiere nicht so gerne mögen.“ Und noch eine Belohnungsidee hat Rita Kieselmann für Eltern von chronisch kranken Kindern parat: „Wenn das Kind akut krank, geschwächt oder kurzatmig ist, können Eltern das Kind von der Inhalation überzeugen, indem sie die Dauer der Inhalationszeit ausnahmsweise verkürzen und eventuell auf mehrere Inhalationen am Tag aufteilen. Nach dem Motto: Besser ein bisschen inhaliert, als gar nicht. Das sollte aber ausschließlich dann gelten, wenn das Kind krank, schwach und müde ist.“

Tipp 9: Her mit Noten, Sternchen und Co! Welcher Atemzug war der beste?

„Gerade Schulkinder im Alter von ungefähr acht bis 12 Jahren finden es reizvoll und motivierend, wenn ihre Atemzüge benotet oder besonders ausgezeichnet werden“, so die Erfahrung der Physiotherapeutin. In der Praxis hat sich dabei folgendes Vorgehen bewährt: „Das Kind macht zum Beispiel 20 Atemzüge und ich notiere mir heimlich, wie viele es davon schlecht, gut oder super gemacht hat. Die Bewertung der Atemzüge erfolgt nach dem Schulnoten-System oder ich vergebe Sterne, Monde, Sonnen, eben irgendein Symbol, welches das Kind gerne mag. Den Kindern gefällt es, wenn sie bei der Auswertung sehen, dass sie sich bei den anschließenden Atemzügen steigern können. Es spornt sie an, die nächsten Atemzüge noch besser zu machen. Durch meine Rückmeldung erhalten sie zudem Anerkennung und Lob.“

 

Extra-Tipp: Spielen mit der Inhalation kombinieren und gleichzeitig die richtige Atemtechnik üben

Spielend geht alles einfacher und macht mehr Spaß. Warum sollte man nicht auch die Inhalation etwas spielerisch gestalten? “Im Rahmen der Inhalationstherapie bietet sich dabei an, Atemzüge grafisch als Bild darzustellen. Atmung zu verstehen und lernen diese zu steuern fällt Kindern schwer. Durch die Zeichnungen erhalten Kinder ein plastisches Bild ihrer Atmung. Sie sehen, wie sie atmen, ob die Atemzüge gleich lang oder ungleich oder zu kurz sind“, erläutert Rita Kieselmann und fährt fort: „Die Spiele basieren alle auf der gleichen Grundidee: Die Kinder atmen, die Eltern zeichnen zu den Atemzügen des Kindes ein bestimmtes Bild. Das können Raupenbeine, Berge, Spiralen oder andere Dinge sein. Eltern können ihrer Fantasie hier freien Lauf lassen.“

  1. Berge oder Spiralrutschen atmen: Zwei Spielideen zur vertieften Ein- und Ausatmung
    Ihr Kind atmet tief ein- und aus. Sie zeichnen dazu Berge. Je tiefer die Atmung, umso höher die Berge. Es entsteht ein beeindruckendes Gebirge. Ihr Kind findet Schwimmbadrutschen interessanter? Dann lassen Sie mit der Einatmung Ihres Kindes den Stift spiralförmig eine Wendeltreppe nach oben kreiseln. Mit der Ausatmung rutscht der Stift wie auf einer langen Rutsche wieder nach unten. Wow! Da entsteht ein ganz schön verrückter Rutschenpark! 
    Hier geht´s zum Spiel
  2. Die Reise mit dem Atemzug – Spiel für eine vertiefte Einatmung
    Bei diesem Spiel liegt der Fokus auf einer langen und langsamen Einatmung. In die Ferne zu reisen, ist ein Abenteuer und macht Spaß. Wo soll es heute hingehen und welche Erlebnisse warten dort? Mit der Einatmung Ihres Kindes gehen Sie auf Reisen. Die Reise symbolisieren Sie, indem Sie parallel zur Einatmung einen Spielzeugzug auf dem Tisch entlang schieben. Je tiefer Ihr Kind einatmet, umso weiter geht die Reise. Auf dem Tisch können Sie dafür Symbole unterschiedlicher Reiseziele auslegen. Ideen und Vorlagen (Link zum Spiel) hierfür gibt es exklusiv im PARI-Blog zum Ausdrucken.
    Hier geht´s zum Spiel
  3. Die Große Raupe Beinelang – Spiel für eine lange, entspannte Ausatmung
    Bei diesem Spiel steht die Ausatmung im Mittelpunkt. Die Große Raupe Beinelang hat leider alle Beine verloren und ist deswegen sehr traurig. Mit jeder langen Ausatmung Ihres Kindes zeichnen Sie ein buntes, langes Bein an den Raupenkörper. Am Ende ist die Raupe wieder glücklich. Sie hat alle Beine zurückbekommen.
    Hier geht´s zum Spiel

 

Über Rita Kieselmann:

Rita Kieselmann arbeitet seit über 45 Jahren als Physio- und Atemtherapeutin. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Behandlung von Kindern und Erwachsenen mit chronischen Atemwegserkrankungen. Rita Kieselmann ist Gründerin des Arbeitskreises Physiotherapie im Mukoviszidose e. V. Zudem entwickelte sie Selbsthilfetechniken zum Sekret-Transport, wie zum Beispiel die modifizierte Autogene Drainage und Atemmanöver mit oszillierenden PEP-Systemen.

Ein Beitrag der PARI-BLOG Redaktion.


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