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Dienstag, 11. Mai 2010

Patienten sollen Austausch ihres bisherigen Inhalationsgerätes nur nach ärztlicher Rücksprache akzeptieren!

„Asthmatiker sollen darauf achten, dass ein Austausch ihres bisher gewohnten Inhalationsgerätes durch ein kostengünstigeres in den Apotheken nur nach ärztlicher Rücksprache erfolgt“, schreibt www.lungenaerzte-im-netz.de am 26.4.2010 nach einer Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie Pneumologie
Lehre von den Erkrankungen der Atmungsorgane.
und Beatmungsmedizin (DGP).

„Inhalationsgeräte sind nicht beliebig austauschbar, da jedes System eine eigene Inhalationstechnik erfordert, die vom Patienten erlernt und eingeübt werden muss“, erklärt Dr. Thomas Voshaar, Chefarzt im Interdisziplinären Lungenzentrum des Krankenhauses Bethanien in Moers.

„Bei einem atemzuggesteuerten Inhalator muss der Patient das Medikament zum Beispiel durch Ansaugen als Spray freisetzen, beim Dosieraerosol Dosieraerosol
Treibgasgetriebenes Dosiergerät zum Einatmen von Medikamenten, im engl. MDI: metered dose inhaler
hingegen den Sprühstoß durch Drücken auf den Wirkstoffbehälter auslösen“, so Voshaar. „Andere Gerätetypen erfordern entweder ein rasches, tiefes Einatmen, wie der Pulverinhalator Pulverinhalator
Dosiergerät zur Inhalation von Medikamenten, die in Pulverform vorliegen. Engl. DPI: dry powder inhaler
, oder aber ein langsames und tiefes Einatmen, wie der Vernebler.“

Ein neues System könne sowohl die Arzneimittelsicherheit als auch die Therapietreue gefährden und müsse unbedingt erneut geschult werden.

Ohne Schulung würden etwa 80% aller Patienten falsch inhalieren und der Wirkstoff könne schlimmstenfalls das Bronchialsystem gar nicht erreichen.

Die Lungenärzte weisen darauf hin, dass nur der Arzt über das geeignete Inhalationssystem entscheiden darf, entsprechend den individuellen Bedürfnissen des Patienten wie z.B. Alter und damit zusammenhängend intellektuellen und physischen Fähigkeiten oder Schweregrad der Erkrankung, sowie den pharmakologischen und physikalischen Unterschieden des Inhalationssystems. Ansonsten könnten Sicherheit und Gesundheit des Patienten gefährdet werden.

Diese von der DGP beschriebene Problematik ist nicht nur bei der Folgeversorgung von Bedeutung, sondern auch bei der erstmaligen Auswahl des geeigneten Inhalationssystems, auf das der Patient vom Arzt geschult wurde.

Dass der Austausch eines Inhalationssystems für den Patienten problematisch sein kann, wurde bereits in der Praxis erwiesen:

Thomas et. al. haben 2009 in einer englischen Studie klar gezeigt, dass die Behandlung nach einem Wechsel des Inhalators nicht so erfolgreich ist wie bei Stabilität des Therapiesystems.

In einer Gruppe von 835 Asthma Asthma
Erkrankungen der Atemwege mit Überempfindlichkeit der Bronchien und wechselnder Atemwegsverengung. Auslöser können Allergene, körperliche Aktivitäten und andere Reize (z. B. Tabakrauch, kalte / trockene Luft, Stäube) sein.
-Patienten wurden die Inhalationssysteme ohne vorherige Schulung ausgetauscht, in der Kontrollgruppe wurde der gewohnte Inhalator weiter verwendet.

Während sich in der Kontrollgruppe 34,3% der Patienten über eine rundum erfolgreiche Therapie freuen durften, waren es in der „Tauschgruppe“ nur 19,7%. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Therapie keinen Erfolg zeigte, war in der Tauschgruppe doppelt so groß wie in der Kontrollgruppe.

(Thomas et al., 2009. BMC Pulmonary Medicine 9:1)