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Dienstag, 30. April 2013

Inhalationsschulung bleibt das KERNSTÜCK ...

bei der Behandlung chronisch obstruktiver Atemwegserkrankungen

Es besteht Einigkeit dahingehend, dass die Wahl des richtigen Inhalationsgeräts entscheidend für eine erfolgreiche Aerosoltherapie ist. Aktuelle Leitlinien für die Behandlung von Asthma Asthma
Erkrankungen der Atemwege mit Überempfindlichkeit der Bronchien und wechselnder Atemwegsverengung. Auslöser können Allergene, körperliche Aktivitäten und andere Reize (z. B. Tabakrauch, kalte / trockene Luft, Stäube) sein.
und chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen (COPD) geben keine genaue Empfehlung zur Auswahl eines geeigneten Inhalationssystems. Vernebler sowie Pulverinhalatoren (DPIs) und Dosieraerosole (MDIs) werden hier als gleich wirksam eingestuft, sofern sie richtig angewendet werden. Vorhergehende Untersuchungen der italienischen Forschergruppe um Melani zeigten, dass vor allem ältere Patienten Vernebler bevorzugen, da diese als effektiver wahrgenommen werden. Ein Grund könnten Fehler bei der Anwendung der Dosieraerosole und Pulverinhalatoren sein.

Melani et al. prüften daher Charakteristika und Handhabungsfehler in der Langzeitanwendung von Verneblern und Inhalatoren (DPIs und MDIs) im häuslichen Umfeld in einer großen Gruppe erfahrener Patienten mit chronisch obstruktiven Atemwegserkrankungen (CAO).

Die Charakterisierung der Patienten (> 18 Jahre) mit einer chronisch obstruktiven Atemwegserkrankung wurde in dieser Beobachtungsstudie (Querschnittsstudie) in insgesamt 24 Krankenhäusern italienweit durchgeführt. In dieser Studie waren insgesamt 1527 Patienten eingeschlossen, die ausschließlich Inhalatoren nutzen (OIU group, Only Inhaler Use) und 137 Patienten, die beide Applikationssysteme regelmäßig anwendeten: Vernebler und Inhalatoren (NIU group, Nebuliser and Inhaler Use).

OIU
Only Inhaler Use
NIU

Nebuliser and Inhaler Use

Ergebnisse:

  • Das Durchschnittsalter lag bei 67,7 Jahren in der NIU-Gruppe und bei 61,1 Jahre in der OIU Gruppe (p<0,0001)
  • Mittlerer FEV1 FEV1
    Forciertes exspiratorisches Volumen. Parameter in der Lungenfunktionsdiagnostik, der die Menge an Luft beschreibt, die innerhalb einer Sekunde ausgeatmet werden kann. Die Messung des FEV1 dient dem Arzt der Zustandsbeurteilung bei Erkrankungen der Atemwege.
    % des Sollwerts (mittleres prognostiziertes, exspiratorisches Volumen; Parameter für die Lungenfunktion) betrug 62,3 (NIU Gruppe) vs. 69,9 (OIU Gruppe) (p<0,0001)
  • Notaufnahmen und Antibiotikatherapien waren häufiger in der NIU-Gruppe als in der OIU Gruppe (p<0,001)
  • Die Mehrheit der Vernebleranwender (n=61, nGesamt=107) nahmen Vernebler als effektiver wahr im Vergleich zu einem Dosieraerosol Dosieraerosol
    Treibgasgetriebenes Dosiergerät zum Einatmen von Medikamenten, im engl. MDI: metered dose inhaler
    oder Pulverinhalator Pulverinhalator
    Dosiergerät zur Inhalation von Medikamenten, die in Pulverform vorliegen. Engl. DPI: dry powder inhaler
  • Patienten in der OIU Gruppe erhielten im Rahmen der erstmaligen Verschreibung eines Inhalationssystems häufiger eine Instruktion (85 % vs. 65 %; p<0,001) als die Patienten der NIU-Gruppe
  • Tabelle 1: Laut Patientenumfrage schreibt die Mehrheit der Anwender der NIU-Gruppe Verneblern eine bessere Wirkung zu als Inhalatoren. Befragt wurden insgesamt 107 Patienten.

    Fazit:

    Ein Großteil aller italienischen Patienten mit einer chronisch obstruktiver Atemwegserkrankung inhalierte regelmäßig mit Verneblern. Diese Patienten waren im Durchschnitt älter, von schwererer Obstruktion Obstruktion
    Verengung, Einengung (hier der Atemwege).
    betroffen und wiesen häufig Handhabungsfehler mit Dosieraerosolen sowie Pulverinhalatoren auf. Patienten, die beide Gruppen von Applikationssystemen regelmäßig einsetzten, Vernebler und Inhalatoren, machten dabei mehr Anwendungsfehler als Patienten mit alleiniger Anwendung von Inhalatoren. Die Autoren empfehlen vermehrte Schulungen zur Verbesserung der Inhalationstechnik mit den verschiedenen Systemen. Bei anhaltenden Anwendungsfehlern sollte das Hauptmerk auf eine Verneblertherapie gelegt werden.

    Melani et al., Respir Med. 2012 May;106(5):668-76